Dienstag, 22. März 2011

Re: back in town

Ämne: Re: back in town
Datum: den 2 september 2003 21:19

Lieber ...,
Ach wie schade! Dein verlorenes Mail. Das ist schon eine kleinere Katastrofe. Aber vielleicht findest du es wieder und es lässt sich auch hineinkopieren, wie du sagst. Schicke es mir dann trotzdem.
Jadoch, hast recht. Ein bisschen ist es so: Ich küsse dich zum Abschied und wenn du ankommst bin ich schon wieder da.. :-)

Ich bin froh, dass du wieder zu Hause bist und dass alles gut ging mit dem Flug. Ich habe nie geglaubt, dass was passieren könnte aber irgendwie gibt es doch ein wenig Angst. Und nun bist du heil wieder zu Hause. Schöööön!!
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Ach, darf ich mich bei dir austoben? Das tue ich schon ab und zu.. aber nicht bei dir. Bei dir bin ich wirklich das Kätzchen vor dem Ofen wo ich doch eher eine Raubkatze bin... im RL. Ein Mensch, der wütend wird, wenn es berechtigt ist, und der keine Angst hat seine Meinung zu sagen.

Aber dass ich so ganz offen mit dir rede, das möchtest du garnicht. Wir haben das schon einmal besprochen. Es gibt eine ganz private Sfäre, die man für sich behält. Vielleicht erzählt man dem lieben Gott davon. Aber der weiss doch sowieso schon alles.

Manchmal frage ich mich, wie ich geworden wäre wenn ich anders gewählt hätte damals. Wenn man einen Partner wählt, wählt man seine Zukunft. Das habe ich schon als Teenager gedacht und heute bin ich noch mehr überzeugt davon.
Vielleicht hätte ich Onkel E's Sohn heiraten sollen. Meine "Eltern" und sein Vater haben sehr gehofft, dass wir uns finden würden. Dann hätte ich in Überfluss gelebt. Wir hätten eine Luxuswohnung im zentralen Uppsala gehabt, ein Gut, ganz am Rande der Stadt und wahrscheinlich hätten wir viel in Südfrankreich gelebt, denn der junge Mann war auch künstlerisch begabt und träumte davon dort unten zu malen. Aber er langweilte mich. Er kam mir vor wie Herr Grünlich in den Buddenbrocks.. oder Camille in "Thérèse Raquin" von Emile Zola. Und sicher hätte ich ihn auch später mit einem feurigen Liebhaber betrogen. Und ich hätte ihn nicht wegen ihm selbst genommen, wie du ja siehst.
Dann hätte ich natürlich auch in Phnom-Penh landen können mit Guy, den ich als 23-jährige in Paris getroffen habe. Er war ein paar Jahre älter als ich, war Arzt, hatte einen höheren Posten in der französischen Armée und wurde dann nach Phnom-Penh versetzt. Er wollte, dass ich mitkommen sollte. Aber ich war noch nicht fertig mit meinem Studium und ich dachte auch, dass ich ihn nicht genug kannte um einen so grossen Schritt zu machen. Er schrieb mir ganz herrliche Briefe von dem Leben dort, von seinen Patienten, u.a. von Mönchen, die panische Angst hatten in die Ewigkeit einzutreten. Oder hätte ich meinen "petit ami" Jean wählen sollen. Er hat mir Paris gezeigt in meinen jungen Jahren und wir haben Meilen zu Fuss zurückgelegt in dieser Stadt. Er hat sich beschwert über meinen grossen Eiskonsum damals.. ;-)) Er hatte natürlich nicht viel Geld, denn er studierte noch an der École Normale Supérieur, dort wo fast alle grossen Franzosen studiert haben. Vielleicht ist er Jurist geworden, wie sein Vater. Es wäre interessant zu wissen, wie sich das Leben dieser Menschen, die man in jungen Jahren gekannt hat, gestaltet hat.
Es gibt ein Foto, das ich für mein Leben gern sehen würde. Wir beide waren unterwegs hinauf zum Sacré Coeur. Du kennst diese schmale Treppe, mit einem Gelände in der Mitte, die steil hinauf zum Mont-Martre führt. Und plötzlich sahen wir einen Japaner mit einem Fotoapparat vor dem Gesicht. Wir dachten, dass wir irgendwie im Weg wären und gingen auf die andere Seite. Und siehe da, der Japaner tat dasselbe. Also wollte er uns mit drauf haben. Ich habe zu Jean aufgeschaut (er war ein fescher Kerl, einen Kopf grösser als ich) und er hat sofort begriffen. :-) Nie habe ich einen so vor Glück strahlenden Japaner gesehen. Am liebsten wäre er uns wohl um den Hals gesprungen. Er hatte ein sich küssendes junges Liebespaar im Vordergrund zu seinem Panoramabild. Ja, das Bild hätte ich gern gesehen.
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Schau, zu was du mich verlockt hast. Oder ist es nur, dass ich beginne alt zu werden? ;-) Du bist auch meine Madeleine geworden. Ein Fenster zur Vergangenheit. In der Gegenwart passiert im Moment sehr wenig und ich will dir doch etwas schreiben..
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Komisch, gerade als ich mein voriges Mail abgeschickt hatte kam deines auf den Schirm. Wir müssen es in der selben Minute geschickt haben, obwohl die Stunden nicht stimmen.

Ich grüsse dich nochmals lieb und sage dir Gute Nacht,
Marlena
PS Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich zufrieden mit meiner Wahl, denn sonst hätte ich dich wahrscheinlich nicht kennengelernt. :-)

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