Datum: den 4 september 2003 20:22
Lieber ...,
Ja, genau so meine ich. Manchmal versucht man die Vergangenheit zu überblicken und denkt: "Wie wäre es geworden, wenn... " Man hat selbst gewählt und so muss man mit seiner Wahl leben. Will man das nicht, dann muss man es ändern. Aber man sollte sich nicht beklagen, wenn man es nicht ändern will. Oder kann? Ich frage mich schon manchmal ob man überhaupt wählt und was einen hindert sein Leben zu ändern auch wenn man einsieht, dass es richtig wäre das zu tun. Aber Schwamm drüber!
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Weisst du was man tun soll, wenn man müde und lustlos ist? An die frische Luft gehen. Ich war vorhin zum umfallen müde und wollte nur schlafen. Zum Glück bin ich dann in den Garten hinaus gegangen und hab das Gras gemäht. Auch das jüngere Paar (d.h. vor 20 Jahren waren sie jünger, jetzt sehe ich sie als gleichaltrig) die links neben uns wohnen hatte diesen Gedanken, und weil er eben einen motorisierten Mäher hat hab ich ihm aus Spass gesagt er darf ruhig weitermähen zu uns her. Und das hat er dann auch getan. Du weisst unterhalb des Gartens (hinter dem Haus) gibt es einen breiten Streifen, den der Bauer liegen lässt und nicht bearbeitet und dort wächst dann immer das Unkraut sehr hoch. Man kommt kaum mit einem Handmäher durch, wenn man nicht sehr oft mäht. Und als die Nachbarin ihren Mann für mich sklaven sah, hat sie gefragt ob sie dafür ein wenig von den Äpfeln die unter dem Baum lagen haben könnte. Sie wollten sie für die Elche haben. J. ist ein passionierter Jäger und die Elchjagd hat gerade begonnen. Dieses Jahr tragen fast keine Apfelbäume in unserer Gegend Obst, nur unserer Baum hat das nicht mitgekriegt und ist wie immer überfüllt von schönen roten Äpfeln. Und ich war froh dieses Fallobst los zu werden, das ich wohl sonst, wie gewöhnlich, aufs Feld hinaus geworfen hätte.
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Nein, habe ich versucht mich zu verteidigen? Ich glaube nicht. Es gibt einen Satz in deinem Mail, den ich nicht richtig verstehe. "Da ging mir meine damalige Liebe durch den Kopf, und ich hatte gedacht, dass es bei ihr wohl nicht zu der Situation dieser Reise gekommen wäre" schreibst du. Du musst nicht darüber sprechen aber wenn du willst dann tu es. Unsere neue Offenheit ist ja dazu da.
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Du fragst so lustig, ob es meine Aufgabe wäre dich glücklich zu machen. Nicht was ich wüsste, aber man kann ja nie wissen was das Schicksal mit einem vorhat. Aber, du weisst, wenn man jemanden liebt, dann hat man eigentlich nur einen Wunsch, nämlich diese Person glücklich zu machen. Es ist nichts komisches dabei.
Darf ich wirklich mit dir in dieses neue Stockwerk einziehen? Ich kann es kaum glauben. Komm, dann gehen wir uns Möbel anschauen. Hier im VL sind wir ja nicht an ein Geschäft in der Nähe angewiesen. Drum schlage ich dir vor, wir gehen mal in das elegante oben links am Vazlavplatz in Prag. Dort sind Mats und ich hingegangen und man hat uns einen wunderbaren starken doppelten Espresso serviert, damit wir uns richtig wohl fühlen sollten. Ich glaube irgendein Stück würden wir dort finden, das dir gefällt. :-)
Die Wohnung ist doch gross, oder? Und das Licht kommt herein von allen Seiten, wie in einem Atelier? So denke ich du wirst einen Teil des Zimmers als Atelier einrichten und deine Stafflei dort aufstellen mit allen notwendigen Dingen. Erzähl mir mehr davon.
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Ach, ich weiss wie es ist von einer solchen Reise nach Hause zu kommen. Man hat so sehr in der Gegenwart gelebt und nun plötzlich ist man wieder in dem alten. Alles ist schon erlebt und man hat den Eindruck dass das Leben ganz still steht. Aber nach einer Zeit findet man sich wieder zurecht und dann kann man auch die schönen Erinnerungen aus seinem Gedächtnis hervorholen und alles nochmals geniessen. Hast du deine Mails an mich gespeichert? Wenn nicht kann ich sie dir als dein NY-Tagebuch zusammenstellen und hier senden. Ich habe kürzlich geträumt von New York und im Traum habe ich alles vor mir gesehen wie du es beschrieben hattest. Sogar die alte Dame.. Es war ganz realistisch.
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Der Film gestern war ein Disaster. Ich habe es kaum 10 Minuten ausgehalten.. Die Medien sind immer noch voll von Diskussionen über den Euro. Die Ja-sager haben etwas mehr Terrain gewonnen liegen aber nocht weit hinter den Nein-sagern. Und das ganze Volk scheint wie verrückt zu sein. Sie tun als ob es um eine Revolution ging. Auch die ausländischen Beobachter sind ganz erstaunt über die hitzige und gehässige Stimmung. In zehn Tagen wissen wir bescheid und dann gilt es mit dem Beschluss zu leben, wie immer es wird.
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Du machst einen etwas bedrückten Eindruck in deinem vorigen Mail. Sei nicht traurig, was immer es ist, das dich drückt. Ich bin sicher, dass du auch in Zukunft ein wunderschönes Leben haben wirst.. mit oder ohne mich.
Ich grüsse dich lieb,
Marlena
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