Montag, 26. November 2012

Du, Nachbar Gott


Liebe Marlena
...
Und ich habe diese hübsche sprachliche Wendung nur
wegen dir gefunden, wegen dieser Marlena, 2000km weit
weg irgendwo im kühlen Norden. Und natürlich dank unserer
(platonischen) Intimität und den ziemlich dichten Gefühlen
und den malvoisiierenden Vorstellungen, die wir beide hier
gärtnern. Ich danke Gott, dass es dich gibt. Ohne dich wäre
ich ein bisschen einsamer und verlorener auf dieser Erde.
Hör mal an, Rilke hat mich erstaunt:

Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiss: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
Ich horche immer. Gieb ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.

Ich finde das ganz enorm. Hörst du, er tröstet ihn, er
möchte ihm helfen, er will bereit sein, im Dunkeln einen
Drink zu reichen, hörst du das? Er sieht noch eine kleine
Überlegenheit seines Nachbars, aber es ist doch ein Nachbar,
der Gott heisst, fast schon auf gleicher Ebene. Beinahe mit
ihm angestossen hat er. Und das war mindestens vor 100
Jahren geschrieben. Grossartige Brüderschaft!
Mit einem allerliebsten Gruss

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen