Lieber ...,
Zuerst herzlichen Dank für dein liebes Mail und auch die früheren, in denen du Dinge schreibst, die immer noch „in mir arbeiten". Du glaubst also, dass mein Leben „ruhig und zufrieden" dahinläuft. Und dabei weisst du nicht, dass ich mich manchmal nach ein paar wirklich ruhigen Stunden in einem Büro sehne. ;-)
Ich wollte dein Mail schneller beantworten, aber wir hatten Gäste am Wochenende und heute ist Anna zu Besuch. Wir haben gerade unser Dinner gehabt und ich habe es sehr genossen wieder einmal an einer lebhaften und interessanten Konversation im Kreis der Familie teilzunehmen.
---
Ja, ich verstehe deine Angst vor dem „schleichenden Untergang". Es ist wie du sagst ungeheuerlich, ungerecht und absolut brutal. Warum uns alles das Schöne zeigen, um es uns dann zu nehmen? Und gerade in Zeiten, wenn wir glücklich sind, macht uns der Gedanken an die Vergänglichkeit fast wahnsinnig.
Gestern habe ich erfahren, dass mein Cousin in Uppsala nicht mehr lange zu leben hat. Sein ganzer Körper ist von Krebs angegriffen. Stell dir vor, er ist drei Jahre jünger als ich. Aber er ist tapfer und versucht die Menschen in seiner Umgebung aufzumuntern. Ich habe ein längeres Telefongespräch mit ihm gehabt. Vielleicht habe ich dir mal von ihm erzählt, wie er als 6-jähriger Eintritt nahm von den Kindern der ganzen Nachbarschaft für einen Blick in unsere Badewanne, wo der weihnachtliche Karpfen herumschwamm. Er hat ein spannendes und auch glückliches Leben hinter sich. Seine Frau, sie ist übrigens auch Künstlerin wie deine B, hat eine schwere Zeit vor sich.
*
Ach, das ist alles so traurig. Auch unser Gespräch heute Abend war nicht sehr erfreulich. Vielleicht lag es an mir. Es tut mir Leid. Ich will dir doch nur gut.
Ich liebe es, von den kleinen alltäglichen Dingen in deinem neuen Leben zu lesen, wie z.B. von dem Café gegenüber, wo du deinen Hunger stillen kannst. Es klingt alles so friedlich und perfekt für ein harmonisches Leben. Und dann hast du die Affen. Weisst du, dass auch ich ins Affenhaus gehen kann? Im „Animal Planet" zeigt man fast täglich interessante Sendungen mit Affen. Und wenn ich Affen sehe, denke ich eben an dich. ;-)) Ich stelle mir meist das Programm an, wenn ich irgendeine langweilige Arbeit vor mir habe. So ist z.B. das Bügeln im Affenhaus ganz erträglich.
---
Ab und zu beschäftige ich mich mit dem Archivieren unserer Mails und neulich habe ich dabei ein kleines Gedicht wiedergefunden, das du mir mal geschickt hast.
Erinnern
Das ist vielleicht
die qualvollste Art
des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art
der Linderung
dieser Qual.
Erst jetzt verstehe ich den Sinn dieser Worte.
*
So lasse ich dich wieder in die gefährliche Welt hinaus,
mit lieben Gs und Ks
dein „kühles festes Anker im Norden".. ;-)
Ich wollte dein Mail schneller beantworten, aber wir hatten Gäste am Wochenende und heute ist Anna zu Besuch. Wir haben gerade unser Dinner gehabt und ich habe es sehr genossen wieder einmal an einer lebhaften und interessanten Konversation im Kreis der Familie teilzunehmen.
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Ja, ich verstehe deine Angst vor dem „schleichenden Untergang". Es ist wie du sagst ungeheuerlich, ungerecht und absolut brutal. Warum uns alles das Schöne zeigen, um es uns dann zu nehmen? Und gerade in Zeiten, wenn wir glücklich sind, macht uns der Gedanken an die Vergänglichkeit fast wahnsinnig.
Gestern habe ich erfahren, dass mein Cousin in Uppsala nicht mehr lange zu leben hat. Sein ganzer Körper ist von Krebs angegriffen. Stell dir vor, er ist drei Jahre jünger als ich. Aber er ist tapfer und versucht die Menschen in seiner Umgebung aufzumuntern. Ich habe ein längeres Telefongespräch mit ihm gehabt. Vielleicht habe ich dir mal von ihm erzählt, wie er als 6-jähriger Eintritt nahm von den Kindern der ganzen Nachbarschaft für einen Blick in unsere Badewanne, wo der weihnachtliche Karpfen herumschwamm. Er hat ein spannendes und auch glückliches Leben hinter sich. Seine Frau, sie ist übrigens auch Künstlerin wie deine B, hat eine schwere Zeit vor sich.
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Ach, das ist alles so traurig. Auch unser Gespräch heute Abend war nicht sehr erfreulich. Vielleicht lag es an mir. Es tut mir Leid. Ich will dir doch nur gut.
Ich liebe es, von den kleinen alltäglichen Dingen in deinem neuen Leben zu lesen, wie z.B. von dem Café gegenüber, wo du deinen Hunger stillen kannst. Es klingt alles so friedlich und perfekt für ein harmonisches Leben. Und dann hast du die Affen. Weisst du, dass auch ich ins Affenhaus gehen kann? Im „Animal Planet" zeigt man fast täglich interessante Sendungen mit Affen. Und wenn ich Affen sehe, denke ich eben an dich. ;-)) Ich stelle mir meist das Programm an, wenn ich irgendeine langweilige Arbeit vor mir habe. So ist z.B. das Bügeln im Affenhaus ganz erträglich.
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Ab und zu beschäftige ich mich mit dem Archivieren unserer Mails und neulich habe ich dabei ein kleines Gedicht wiedergefunden, das du mir mal geschickt hast.
Erinnern
Das ist vielleicht
die qualvollste Art
des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art
der Linderung
dieser Qual.
Erst jetzt verstehe ich den Sinn dieser Worte.
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So lasse ich dich wieder in die gefährliche Welt hinaus,
mit lieben Gs und Ks
dein „kühles festes Anker im Norden".. ;-)
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