Donnerstag, 18. Januar 2024

Sayyeds und Hadschis

den 22 januari  08:37

 
Liebe Malou


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Gestern habe ich richtig gefaulenzt abends. Ich habe erst mal Kaffee und Kuchen genossen, wie das nur die Deutschen können. Ich fühlte mich ziemlich voll zum Schluss. Und dann habe ich eine gute Stunde geschlummert. Ich hatte in der vorigen Nacht etwas wenig Schlaf gehabt. Ich war um 3.30h aufgewacht und bin dann nicht mehr eingenickt bis es fünf geschlagen hat. So entschloss ich mich, etwas ins Büro zu fahren. Auf unserem Chesterfield Sofa schläft es sich ganz wunderbar. Im Winter ist es gut, sich dabei unter einer Wolldecke zu verkriechen. Man muss dann ungefähr so liegen, wie die drei gerechten Kammmacher in Gottfried Kellers Novelle: so steif und unbeweglich wie möglich. Aber es geht gut. Und daneben sehe ich im Fernseher, was läuft auf dieser Welt. ich hatte dazu einige Berichte vom WEF in Davos angeschaut. Chatami weilt gerade dort, und seine elegante Sprache kommt mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich nichts verstehe. Er ist ein Sayyed, wenn Du weißt, was das ist? Die Sayyeds betrachten sich als Nachkommen Mohammeds. Und wenn ich die Moslems richtig kenne, so werden sie auch genau definiert haben, unter welchen verwandtschaftlichen Bedingungen man noch zur weiteren Familie Mohammeds gehört und wann nicht mehr. Sie kleiden sich gerne grün, die Sayyeds, mit der heiligen Farbe und ich glaube, sie fühlen sich irgendwie als bessere Menschen. Komisch, nicht wahr? Es ist ähnlich wie die Hadschis, das heisst die Leute, die ihre Hadsch nach Mekka, die man einmal im Leben machen soll, gemacht haben. Die Hadschis fühlen sich wirklich als bessere Menschen. Darin liegt aber nicht nur Überheblichkeit. Sie denken auch, dass sie den anderen, vor allem den jüngeren Menschen im Leben ein Vorbild sein sollten. Früher haben Hadschi Frauen wieder konsequenter ihre Kopfbedeckung verwendet. Irgendwie wollten sie ja doch ihrer Umgebung zeigen, dass sie dem Himmel etwas näher stehen. Heute müssen sie  ohnehin jederzeit in der Öffentlichkeit ihre Bedeckung tragen. Also beweisen sie auf andere Weise, dass sie Hadschis sind: sie schenken mehr Almosen, sie nehmen das Leben kontemplativer und so weiter. Mit dem Hadschi-Titel kann man darum ganz nett spielen. Wenn man im Bazar etwas zu kaufen trachtet und den Verkäufer milde stimmen will, dann nennt man ihn am besten Hadschi. Das verpflichtet ihn, mildtätig und ehrlich zu sein, und er wird dich nicht durch einen zu hohen Preis bedrängen. Jemand Hadschi zu nennen, meint, bei ihm eine gottesfürchtige, menschenfreundliche und ehrliche Haltung vorauszusetzen. Du siehst, mit solchen Subtilitäten arbeiten die Perser tagaus tagein. Na ja, es gibt vielleicht in jeder Kultur solche Finessen. Und sie machen natürlich für einen Fremden den grossen Reiz aus.

Ich schicke dies mal ab. Wer weiss, wann die nächste freie Minute kommt?
Ich wünsche Dir einen wunderschönen eiskalten Januartag.

Mit lieben Grüssen





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