Sonntag, 16. Juni 2019

Vaya con dios ...



Subject: Vaya con dios
Date: Mon, 15 May  13:34


Liebe Marlena

Immer am Montag Mittag haben wir unser Kiwanis-Essen. Wir treffen uns um 12h und um 13h beginnt der Vortrag. Heute hat ein Arzt und Chef einer grossen Kette von medizinischen Laboratorien gesprochen. Er ist der Schwager eines unserer Kollegen. Es war ganz interessant, doch er hat auch ziemlich geblufft, würde ich mal behaupten. Wenn man erfolgreich ist, ist bluffen natürlich etwas eher erlaubt als wenn man keinen Erfolg hat. Offenbar war es ihm erlaubt.

Das Menue will ich dir nicht erzählen, aber es war nicht schlecht. Zum Schluss gibt es einen schwarzen Kaffee und einige zupfen ihre Zigarre aus der Vestentasche. Aber es werden immer weniger, die rauchen. Je älter sie werden, desto häufiger enthalten sie sich dieses schönen Vergnügens. Ich habe mich auf das Glas Dôle konzentriert, dh. anstelle des Rauchens.

Diese Kiwanis-Essen finden überigens in einem Hotel in Basel statt, welches zur Radisson SAS Gruppe gehört. Ich bin also wenigstens einmal pro Woche in Skandinavien zuhause. Das ist ein gutes Gefühl, auch wenn kein Schwedisch gesprochen wird und auch keine spezielle nordische Nahrung auf den Tisch kommt. Aber vielleicht wird es mal Schwedische Wochen geben, und dann werde ich doppelt einbacken.

Aber vor dem Essen, und das wollte ich dir eigentlich erzählen, hatte ich ein paar Minuten Zeit, um in einen Musikladen zu eilen. Ich habe sie gefunden: Vaya con dios. Und jetzt, im Moment, sitze ich im Büro, leicht verschwitzt vom vollen Magen und der Mittagssonne und höre dein Don't break my heart .. Ich stelle mir vor, dass du das mit deiner Lis Assia Stimme singst. Was mich daran berührt hat, ist das Schmerzvolle, das sticht ein bisschen ins Herz. Sind es nicht Schmerzschreie, auf einem lyrischen Hintergrund? Das irritiert mich ein bisschen, weil ich den Song sosehr mit dir in Verbindung bringe. Aber darin ist auch viel vitalität. Das versöhnt mich wieder ein bisschen. Doch am meisten erstaunt an dieser CD hat mich das Cover-Bild, diese Frau, wie du mir gesagt hat. Ich nehme mal an, sie sei die Lead-Sängerin. Weißt du wie sie heisst? Sie hat im Wesentlichen denselben Blick, den du auf deinem Foto hast, auf beiden Bildern, die ich von dir habe. Auf dem dritten sieht man deine Augen ja nicht. Es ist dieser Bilick in die Weite, der so etwas wie Sehnsucht ausdrückt. Marlena, diese Augen sind mir auf deinen Bildern rasch aufgefallen und als ich diese CD in den Händen hatte, war das wie eine plötzliche Bestätigung. Ach, Marlena, deine Sehnsucht muss wirklich sehr gross sein. Ich will jetzt nicht sagen, die Sehnsucht nach mir, aber doch die Sehnsucht nach etwas, was du tief vermisst. Es ist dieser Gedanke, der mich im Moment bedrängt. Und ich frage mich, wie ich etwas davon stillen könnte. Ich bin natürlich froh, dass diese Musik insgesamt eher eine optimistische Note hat, mit viel Kraft und - wie gesagt - Vitalität. Sonst könnte ich geradezu Angst um dich bekommen.

*

Schön dass du deinen Muttertag noch vor dir hast. Ich habe angenommen, das sei in ganz Europa derselbe Tag. Doch das wäre vielleicht für die holländischen Blumenhändler ein bisschen anstrengend. Besser, die Nachfrage über 14 Tage oder drei Wochen zu verteilen.


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Und du, wie läuft es bei Dir, meine liebe Marlena. Ich bin wieder etwas gespannt, von dir zu hören, nach dem Wochenende. Geht alles gut?

Ich küsse dich innigst

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