Montag, 3. Mai 2010

nochmals Botanik

Der Abend war auch deshalb gelungen, weil viele ihre Kinder oder die Älteren ihre Enkelkunder mitgenommen haben. Es macht immer eine lustige und angenehme Stimmung, wenn Kinder herum sind. Sie machen die Situation menschlich. Unsere zwei Töchter wollten allerdings nicht mitkommen. Die Kinder waren im allgemeinen auch im Alter zwischen 5 und vielleicht 10. Sie hatten viel Charme und man konnte sehen, wie die Grosseltern vor Stolz glänzten, wenn sie sie vorstellen konnten.
Die Attraktion des Abends war nun aber dieser Kran. Mit einem grossen Metallkorb konnte er 4 Personen auf einmal etwa 40 m in die Höhe heben. Alle konnten einmal dort hinauf und sich umschauen. Die Kinder waren besonders interessiert, und manche gingen sogar zweimal hinauf. So konnte uns Prof. Körner sein Untersuchungsprojekt erklären. Es geht eigentlich darum, zu studieren, wie sich der Wald infolge des Kohlendioxits verändern wird. Der Kran dient einfach dazu, die Bäume besser und bequemer zu studieren. Man hat auf den Bäumen dort beispielsweise eine Schneckenart gefunden, die bisher noch kaum untersucht worden ist. Und dies einfach darum, weil man bisher kaum auf die Bäume gestiegen ist. In diesem Korb fühlt man sich beinahe wie ein Vogel im Wald. Man sieht die Bäume von oben. Er hat auch erklärt, wie die Blätterstellung sich verändert. Die Blätter unten im Wald haben tendenziell zuwenig Licht und stellen sich ganz flach, die Blätter oben haben tendentiell zuviel Licht und stellen sich deshalb ein bisschen in die Höhe. Christian hat es wirklich sehr gut und verständlich geschildert. Im Grunde machen die Blätter der Pflanzen eine ständige Gratwanderung zwischen Verhungern und Verdursten. Wenn sie ihre Poren öffnen, nehmen sie viel Kohlendioxit auf. Dann haben sie viel Nahrung, aber durch die Poren entweicht dann auch viel Wasserdampf, den sie abgeben. Dann würden sie also vertrocknen. Und wenn sie die Poren schliessen, behalten sie mehr Dampf, aber sie kriegen nicht genug Nahrung. Dann würden sie also verhungern. Es geht darum, dieses Gleichgewicht ständig neu einzustellen, und es scheint, als ob die Bäume mit einer Art von Computer ständig neu berechneten, wie sie ihre Porenöffnungen einstellen sollten. Und das Projekt untersucht, wie sich Pflanzen verändern würden, wenn vielleicht in 100 Jahren viel mehr Kohlendioxit in der Luft wäre. Dann wäre es möglich, dass die Blätter ihre Poren mehr verschliessen würden, also weniger Wasser abgeben. Dann würde mehr Wasser im Boden bleiben. Dann würde bei grossen Regenfällen das Wasser weniger versickern, sondern mehr den Hang hinunterfliessen. Es wäre also denkbar, dass sowas zu mehr Überschwemmungen führen könnte. Das ist das Untersuchungsthema des Projektes. Aber die geniale Idee war, diesen Kran mitten im Wald aufzustellen, um an die Baumkronen erhanzukommen. Und es gibt offenbar schon andere Universitäten, die am Projekt interessiert sind und den Kran auch für Fragen benützen möchten, die sie selbst untersuchen. Beispielsweise diese Schneckenart, die man dort gefunden hat, soll näher untersucht werden.
So haben wir also gut gegessen und getrunken, netten sozialen Kontakt gehabt, und dazu einige interessante Informationen aus der modernen Biologie erhalten. Das war ein interessanter Abend. Und manchmal hatte ich das Gefühl, du wärst dabei. Und ich habe mir gelegentlich vorgestellt, wie du dich unter diesen Leuten bewegen würdest. Und ich habe mir dein freundliches Wesen vorgestellt (ich erinnerte mich an die Italobar und die kleine Laura), und wie du mit deinem Charme zur freundlichen Stimmung beigetragen hättest. Ich habe es mir wirklich da und dort vorgestellt. Siehst du, Marlena, das ist mein Foto, das ich mit mir trage. Es ist beinahe schon ein Video, obwohl ich nicht so genau weiss, wie du dich bewegst und welches deine Gesten sind. Aber so ein bisschen wolkig konnte ich mir dich vorstellen. Dein Gesicht und dein Lächeln zumindest. Ich glaube, wenn man jemanden liebt, muss man auch dessen Umgebung und dessen Freunde schätzen. Ich glaube, du würdest gut in meine Kreise hineinpassen. Das weiss ich nicht so genau, aber ich glaube es sehr. Es ist ja auch ein bisschen international, es gibt Deutsche, Holländer, Franzosen (und einen Walliser ;--))
Und dann, in der zweiten Hälfte des Abends gab es ein riesiges Gewitter. Wir sassen immer noch in dieser Scheune, hatten Kaffee und Kuchen, und plötzlich begann es zu hageln. Wir sassen unter einem richtigen Trommelfeuer, denn es klang sehr laut und irgendwie metallig unter diesem Dach. Aber es war sehr gemütlich und man fühlte sich wieder einmal der Natur näher, als man das sonst zuhause fühlt. Und den Kindern wurde es sogar ein bisschen unheimlich.
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