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Ich habe viel von den Persern gelernt. Persien ist bekanntlich eine alte Kulturnation. Und auch wenn sie in moderner Zeit mit ihren Fundamentalisten in negative Schlagzeilen geraten ist, so war Persien immer sehr tolerant gegenüber Andersgläubigen und Menschen fremder Herkunft. Als ich in Teheran war – das war noch vor der Revolution - , da gab es Armenier, die meist Christen sind, da gab es Juden, da gab es Inder, Afghanen, auch Kurden. Oder später, als wir einmal auf einer Pilgerreise nach Meshed waren, da gab es ganze Harems aus Arabien. Das kannst du dir nicht vorstellen, Marlena. Ein solcher Harem ist wie ein Schwarm Gänse. Wenn nichts Sonderliches geschieht, ist das ein Geräuschpegel wie der einer Schulklasse bei der Stillarbeit, etwas Gemurmel und Geplauder, eine Geräuschwolke, die den Schwarm einhüllt. Wenn sich der Schwarm übrigens nicht mehr vorwärts bewegt, z.B im Flughafen stehenbleibt, dann sitzen die Frauen nach und nach einfach auf dem Boden ab. Und wenn sie aufgeregt werden, werden ihre krächzenden Stimmen lauter, und sie schimpfen und schaukeln sich gegenseitig in ihrer Nervosität in die Höhe, genau wie ein Gänseschwarm. Das ist für uns individualistische Europäer urkomisch und archaisch. Noch dazu, dass diese Frauen alle zusammen mit schwarzen Tüchern verhüllt sind und auch die Augen hinter einem Netz verborgen halten. Es gibt keinen Blickkontakt von Auge zu Auge, von Mensch zu Mensch, wie wir das gewohnt sind. Das wirkt für uns aufgeklärte Geister sehr mittelalterlich und auch ein bisschen – sie mögen mir verzeihen - animalisch.
Was man von den Persern lernen kann? Ich erkläre es Dir: ...
Mittwoch, 19. Mai 2010
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