Sonntag, 2. April 2017
Re: Berufsbeginn
Datum: den 4 mars 19:27
Lieber ...,
Wieder bringst du mich zum lachen. Vielleicht ist es das was ich am meisten liebe an dir. Und nun sehe ich dich vor mir wie eine Buddhagestalt auf einem persischen Teppich inmitten einer Menge von besorgten und liebenden Verwandten. Ja, ich bin sicher dass du auch dein Altertum voll geniessen wirst und nicht in einem Altersheim verkommen wirst.
Der Traum und grosse Wunsch vieler alter Leute hier scheint zu sein, dass jemand unter dem Personal vielleicht einmal Zeit haben wird mit ihnen hinaus zu gehen. Und das habe ich mir schon fest vorgenommen. Ich werde freiwillig mithelfen, dass ihnen dieser Wunsch in Erfüllung geht.
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Was du vom Anfang deiner Karriäre erzählst lässt mich auch zurückdenken. Mein Professor wollte mich auch behalten und wäre nicht K mit diesem extra Formular gekommen, das ich nur spasseshalber ausgefüllt habe, so hätte ich vielleicht auch doktoriert. Aber es kam anders und eigentlich habe ich es nie bereuen müssen. Man könnte sagen, dass ich in meinem Berufsleben immer sehr viel Glück und Erfolg hatte. Ich glaube oft Erfolg weil Glück. Nur jetzt am Ende meiner Berufszeit habe ich grosse Lust das ganze so bald wie möglich zu verlassen. Und wenn ich mal sowas sage zu meinen nächsten Kollegen antworten sie "Wer hat das nicht?" Vor ein paar Jahren hätte keiner sowas gesagt.
Und diesen neuen Chef mag ich garnicht. Ich meine ein Direktor am Gymnasium kann natürlich nicht alle die Kompetenzen besitzen, die seine Lehrer haben. Das verstehe ich sehr gut. Aber er kann wenigstens von ihnen lernen. Er muss sich nicht ständig äussern über Dinge von denen er keine Ahnung hat und das tut er leider. Und heutzutage wagt niemand zu protestieren, weil alle Angst haben um ihre Lohnerhöhung. So sitzen sie da, wie dumme Schafe und schweigen zu allen Dummheiten. Es ist eine Schande.
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Auch ich habe mich von diesem Ort damals verführen lassen. Ich hatte zwei Jahre an dem Gymnasium gearbeitet wo K nun immer noch wohnt und habe mir dann eine "ordinarie" Dienststelle gesucht. Von einer solchen kann man nicht entlassen werden und sie hatte auch andere Vorteile wie freie ärztliche Behandlung u.a. Das wurde ja später bei der Kommunalisierung der Schulen abgeschaft. Ich hatte 5 Stellen erhalten und da diese hier die nächste war fuhr ich zu Pfingsten her um mir den Ort und die neue Schule anzusehen. In allen Gärten blühten die Obstbäume und der ganze Ort kam mir vor wie ein wunderschöner Park. Ein bisschen fast wie das Land Nangijala bei Astrid Lindgren. Ich war ganz hingerissen von der schönen Natur.
Meine "Eltern" konnten nicht verstehen warum ich mich "in der Provinz verstecken" wollte. Aber wenn ich nun zurückdenke, so glaube ich nicht dass ich es bereuen muss. Zwar sagte ich anfangs oft, das beste mit diesem Ort sei, dass man ihn so schnell verlassen kann. Es gibt ausserordentlich gute Verbindungen in alle Richtungen. Alle Wege kreuzen sich hier (genau wie in Olten). Aber am meisten habe ich dann die schönen Umgebungen und die herrliche Natur schätzen gelernt. Ab und zu habe ich schon Stockholm vermisst. Die Möglichkeit ins Theater oder in eine Oper zu gehen. Aber was das übrige betrifft so gibt es das meiste auch hier.
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Ja, diese Röntgenbilder! Das ist so eine Sache. Wer besitzt schon eine Menge Röntgenbilder. Ich könnte glatt eine Wand damit tapezieren. Aber das ganze sieht ein wenig nach Obduktion aus. Und nach Skelett. Das komische ist, dass ich kein Herz finde. Vielleicht erklärt das warum du kein Herzensblut siehst.. Ich glaube ich hab es einmal verschenkt und nicht zurückbekommen. Ja, so muss es sein. Ich könnte einen Pfeil dorthin machen und schreiben "ausgeliehen". Du hast so gute Ideen. Vielleicht sollte ich dir die Bilder schicken. ;-) Du könntest glatt eine Ausstellung damit machen. *s*
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Bevor ich es vergesse. Ich muss dir erzählen, dass man bei uns in letzter Zeit ziemlich viel vom Iran spricht. Und was man da sagt, erstaunt mich nicht wenig. U.a. behauptet man, dass die jüngere Generation garnicht feindlich ist gegen die Amerikaner und die Leute überhaupt ziemlich amerikafreundlich sind. Dagegen sagt man auch wieder dass diese fanatischen Terroristen dabei sind sich im Iran eine neue Basis für ihre Bewegung zu schaffen. Und beides ist ja voll möglich, wie ich mir vorstelle.
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Den Ausdruck "Duft des Lebens" im Zusammenhang mit einem solchen Bart zu verwenden finde ich etwas eigen. Meinst du den "Duft von Speiseresten"? ;-)
So lasse ich dich wieder und wünsche dir einen schönen ruhigen Tag,
Mit einem lieben Gruss
Marlena
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