Samstag, 10. August 2019
Abstinenz und Reise nach Mekka
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Deine Abstinenz-Mails haben mich an eine Szenerie bei uns zuhause erinnert. Vor einigen Jahren war S auf Wunsch ihrer Mutter mit ihr auf die Pilgerreise nach Mekka gereist. Das ganze sollte ungefähr 10 Tage dauern. Und wir glaubten, dass auch die Kinder diese kleine Abwesenheit gut ertragen könnten. Und dann geschah es, dass S nach 10 Tagen anrief und mitteilte, dass sie 2 Tage später käme. Und nach 2 Tagen rief sie wieder an und vertröstete uns wiederum auf später. Hinter diesen Telefonaten verbarg sich eine aufregende Geschichte, die S uns erst später erzählte. Tatsache war, dass ihr Pass verschwunden war. Alle Pilger - und es handelt sich dabei um mehrere 100'000 innerhalb dieser Zeit - geben bei Ankunft den Pass ab und erhalten ihn wieder bei der Abreise. Die Pässe werden pro Reisegruppe (die Pilger reisen immer in Nationen-Gruppen) in einem grossen Plastiksack verstaut. Und in eben diesem Sack fand sich dann Ss Passport nicht mehr. Und das war eine schlimme Zeit für B.. Sie hatte schon während der 10 Tage sehr grosse Sehnsucht nach ihrer Mama. Und als sie dann nicht heimkam, wurde es immer schlimmer. Sie hat abends geweint und ich musste sie jeweils notdürftig trösten und lange Geschichten vorlesen. Da hatte ich in meiner Not die Idee, ihr ein grossformatiges Tagebuch zu schenken, und ihr zu empfehlen, ihrer Mama Briefe zu schreiben und Zeichnungen zu machen in jenen Momenten, wo sie sich besonders nach ihrer Mutter sehnte. B. war immer ein eifriges Kind gewesen und hat diese Idee gut akzeptiert und eifrig geschrieben und gezeichnet. Und das hat ihren Schmerz doch ein bisschen gemildert.
Ich glaube auch, dass man oft von der vermissten Person Verhalten übernimmt, um näher bei ihr zu sein. Freud hat das studiert und gezeigt, wie in der Entwicklung des Kindes daraus Ich und Über-Ich entstehen.
Übrigens hatte S in Mekka die Suche dann auf eigene Faust übernommen. Die Behörden waren dazu nicht in der Lage. Na ja, wir kennen ja den Fatalismus der Orientalen! Und schliesslich hatte sie ihren Pass im Sack einer türkischen Gruppe gefunden. Offenbar haben die Türken einen ähnlich roten Pass wie wir Schweizer. Es war wirklich ein Drama, diese Reise nach Mekka. Ich gebe ihr oft den Titel: ‚Reise ins Mittelalter’!
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Ich muss jetzt an die Arbeit. Es ist beinahe Mittag, und ich habe noch nichts gemacht.
MLGUKK
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