Liebe Malou
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Ich lebe mit dem Gedanken, dass
ich hier bloss mehr etwa 1 Jahr arbeiten werde. Das alles macht mich
also nicht mehr wirklich heiss. Meine Pensionierung ist ein
nostalgischer Gedanke, das weisst du Malou. Sehr sogar, denn das Ende
verführt dazu, auch an den Anfang zu denken, an die damaligen Hoffnungen
und Freuden vor 25 Jahren, an die Zeit, als die Kinder klein waren, an
viele Situationen mit der Familie, an den Umbau des Hauses, die Samstage
mit Gartenarbeit, das Zopf-Backen im Holzofen, die Besuche von
Freunden, die Liebe .... Es erinnert mich stimmungsmässig an die
Schrift 'La dernière classe' von Daudet, die von diesem französischen
Lehrer im Elsass erzählt, der seine letzte Stunde gibt, damit die
Schüler dann fortan in die deutsche Schule gehen sollten. Ich glaube
wenigstens, dass der Inhalt so läuft. Wir haben im Gymnasium nur den
Anfang gelesen, mussten ihn sogar auswendig lernen.
Ich versuche vorwärts zu schauen.
Wenn ich zurück schaue, wird mir schwindelig und traurig zumute. Ich
habe bemerkt, dass ich mich besser auf den Moment und die etwas
kleineren Dinge konzentriere. Am besten ist es, mit praktischen
Pflichten des Alltags beschäftigt zu sein. Nun ja, man tut, was man
kann.
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