Samstag, 8. Januar 2022

Ach, nein ...

Chat:

Liebe Malou, ich hatte keine Zeit mehr zu antworten, ich musste den Zug erreichen. Das habe ich noch mit Mühe und Not geschafft.

Lieber ...,
Ich hatte auch keine Antwort erwartet. Weisst du, wenn ich dieses grüne Ding am Rand hier sehe, das mir sagt dass du gerade am PC bist, so ist es als würde ich dir auf der Straße begegnen. Und warum sollte ich dann in eine andere Richtung schauen anstatt dich zu begrüssen? So einfach ist das.
Klar ich vermisse deine Mails sehr. Sie gaben mir Inspiration zum schreiben. Wo soll ich mir diese jetzt holen?
Heute Morgen schaute zum ersten Mal seit ewig die Sonne hervor. Und wir haben gleich einen langen Spaziergang über die noch schneebedeckten Felder gemacht, das erste mal seit Wochen. Es war herrlich. Man braucht die Bewegung und die frische Luft und vor allem das Licht glaube ich.

...

Weisst du, mit dir im Chat fühle ich mich manchmal wie auf einer Berg- und Talbahn. In Mails hat man eine bessere Kontrolle über das, was man dem anderen zukommen lassen will. Im Chat habe ich manchmal den Eindruck du liegst wirklich auf der Couch und bist vielleicht selbst erstaunt über das, was du dich sagen hörst.

Ich dachte du hast nun schon einen festen Entschluss gefasst, wie du dein neues Leben gestalten möchtest... und dann plötzlich scheinst du einzusehen, was du alles hattest und nun zu verlieren drohst. Ich weiss wovon du sprichst, denn auch ich habe für und gegen gewogen. (schlechtes Deutsch, ich weiss... sorry!) Und ich weiss wie angenehm es ist nichts mehr im Leben beweisen zu müssen. Außerdem liebe ich meine Freiheit. ...  Ach, es ist schwer dir das zu erklären. Vielleicht ginge es leichter, wenn ich dich vor mir hätte.

Ich grüsse dich lieb wie immer
mit Gs und Ks und Qs
deine Mausfreundin
Malou
...
 
 
 
(R)


Regel für ein Mausleben

...
Und für unsere Maus-Freundschaft habe ich schon 3 §§§ zu offerieren:

§1 ...dass unser Kontakt uns beide von innen erleuchtet, so dass wir für unsere Lieben der Familie und unsere Leute der Umgebung eine geheinmisvolle Serenität ausstrahlen können.

§2 Es darf nie etwas Negatives für unsere Nahstehenden bedeuten.


§3 En cas de guerre 
sonnez deux fois.


Ist doch fantastisch, ein echter bilateraler Vertrag! Wir können mit einem Glas Champagner darauf anstossen!

§3 kommt überigens aus einer Anekdote, die man sich vom provinziellen Bern, der Bundeshauptstadt der Schweiz vor dem ersten oder aber auch dem zweiten Krieg erzählt. Offenbar hatte man im Aussenministerium im kleinen Bern nur eine Hausglocke. Und weil die Zeiten schwierig und die internationalen Spannungen gross waren, so hatte man unter die Drucktaste der Glocke eben diese Anweisung hingeschrieben: En cas de guerre sonnez deux fois. Damit wussten sie im Aussenministerium, dass sie etwas rascher erwachen sollten. So ungefähr die Andekdote. Und so schlage ich als §3 vor: wenn zwischen uns ein Missverständnis, ein Problem, ein Streit entsteht, dann müssen wir uns das gegenseitig signalisieren. Dann müssen wir vielleicht für einen Moment und etwas deutlicher auf die Metaebene. Und zum Schluss dann die Friedenspfeife, wie du vorschlägst, können wir geradezu als §4 nehmen. Bist du damit einverstanden? Verstehtst du, was ich damit meine? Das ist alles Prophylaxe, wie man so schön sagt.
 
 
 

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