Samstag, 27. August 2011

Re: So ist es. (2) .. in Brig

den 25 september 2003 07:25
Re: So ist es.

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Jetzt habe ich noch eine Kaffeelänge Zeit für Dich. Nachher muss ich an meine Arbeit. Ich bin heute speziell früh ins Büro gefahren, damit ich das noch machen kann. Der Himmel wird langsam hell, und ich glaube, wir haben nochmals einen milden und schönen Herbsttag zu erwarten. Gestern hatte ich am Fernsehen ein paar Videoaufnahmen gesehen von der grossen Ueberschwemmung vor 10 Jahren in Brig. Hast Du davon gehört. Das war eine grosse Katastrophe, weil die Saltina, der kleine Bach, der vom Simplon herunterkommt, in Brig beim Hotel Couronne von einer Brücke etwas aufgestaut worden ist, und deshalb über das Ufer getreten war. Man hat noch nie solche Bilder gesehen in der Schweiz. Das ganze kleine Zentrum der Stadt war mit Geröll und Steinen überflutet, fast bis zu den Fenstern des 1. Stockes reichte dieses Gelage. Und die ganze Schweiz hat in Solidarität mitgeholfen und Geld gesammelt. Heute hat Brig ein autofreies Zentrum und viel an Freundlichkeit gewonnen. Im Radio hatte man Leute interviewt, die ich gut kenne. Etwa Cäsar Jäger, ein Mitglied des Krisenstabes, den ich gut aus dem Militär kenne. Ich habe einige Dienste mit ihm gemacht und ihn als umtriebigen und aktiven Typen kennengelernt, .sehr gutwillig und hilfsbereit. Oder den Chef der Feuerwehr, der aus Visp kommt und dort in jungen Jahren dieses hübsche Mädchen geschwängert hatte, das er später nicht heiraten wollte, dieser kleine Skandal, der damals eben ein grosser war. Man merkt, wenn man Gespräch mit Leuten aus dem Wallis hört, dass die Menschen dort deutlicher an eine höhere Macht glauben als hier. Sie sind natürlich den Bergen mit ihren eigenen Gesetzen, mit Gefahren und Witterungen bis zu einem gewissen Grad ausgeliefert. Das macht es vielleicht? Jedenfalls hat Frau Gemmet, die Chefin des Hotels Du Pont, so geredet. Und es hat mich berührt, weil ich darin die alte Mentalität wiederfand, die ich von meiner Jugend her kenne. Natürlich tut der Dialekt seinen Teil dazu. Die Leute in Brig haben eine solch charakteristische Sprache, wie sonst kaum irgendwo in der Schweiz. Und es gibt Redewendungen, sprachliche Gesten, die Art, eine Verlegenheit zu überbrücken: sie gehen tief in meine Erinnerungen.

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