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Eigentlich, meine Liebste, wollte ich dich heute nur ein bisschen
verwöhnen mit einem Mail. Du hast ja auch mir gegenüber
manchmal einige mütterliche Qualitäten, die ich schön finde.
Beispielsweise, wie du mich mit ein paar einfachen Sätzen trösten
kannst, wie du die Dinge so drehen kannst, dass sie versönlich
werden. Das finde ich wunderschön, habe ich dir ja auch schon
gesagt. Du denkst vielleicht, ich übertreibe ein bisschen. Nun, ich
weiss zumindest, wie es klingt und was herauskommt, wenn man
Formulierungen wählt, die die Spannungen, Probleme oder Konflikte
verschärfen. Es sind vielleicht anfangs feine Unterschiede, aber zum
Ende sind die Unterschiede riesengross. Es ist eben so, man muss
nur mit einem Fuss ein bisschen stärker auftreten, und nach 1500 km
landest du an einem ganz anderen Ort als wenn du ganz normal
gegangen wärst. Das ist wirklich Lebenskunst, finde ich. Ich habe
nie viel Bewunderung für Krisenmanager gehabt. Ich meine, in
menschlichen Dingen sind sie vielleicht gut und nützlich. Aber es
gibt Mitarbeiter in meinem Dienst, die haben immer Krisen zu
bewältigen, sie schicken Expressbriefe und Mails und alles läuft
in dramatischen Kulissen. Ich glaube die Kunst ist es, die Dinge
mit feiner Hand und zum Voraus so zu steuern und zu leiten, dass
gar keine Krisen entstehen. Das sieht natürlich sehr wenig spektakulär
und dramatisch aus. Es ist aber die grössere Kunst. Krisenmanager
brauchen ihre Krisen. Ich habe sie im Verdacht, dass sie sie sogar
selbst produzieren. Das gehört zu ihrem Bluff.
Mittwoch, 3. Februar 2010
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