
Lieber ...,
Endlich ist es so weit dass ich dir in Ruhe schreiben kann. Nun ja, Ruhe ist wohl etwas viel gesagt denn ich habe viel zu erledigen und muss mir die letzten freien Stunden gut einteilen damit sie reichen. Aber du gehörst doch zu den wichtigsten Dingen im Leben und so beginne ich den Tag mit dir.
Zum ersten mal seit Juni bin ich wieder allein zu Hause. D.h. ganz allein noch nicht denn oben im Bett schläft Anna ihren Bärenschlaf und ich lasse sie ausschlafen. Durchs Fenster sehe ich einen ganz blauen Himmel und im Kirschbaum versucht eine Elster die letzten Kirschen zu stehlen. Wir haben den wärmsten Sommer seit eh und jeh. Man sagt es ist so in ganz Europa. Kann das stimmen?
Auch oben in Norrland, im "hohen" Norden hatten wir wunderschönes warmes Wetter während es laut Nachbarn hier zu Hause fast jeden Tag geregnet hat. Du willst dass ich dir von dort erzähle.. aber wenn ich zurückdenke finde ich eigentlich nichts besonderes was ich dir von den drei Wochen dort oben berichten könnte. Wie immer habe ich mit den Augen genossen. Die Natur an dem Fluss ist so einmalig schön, wie im Paradies.. aber wer sehnt sich schon nach dem Paradies?? Ein bisschen komisch ist es dass man sich nach zwei Tagen schon so zu Hause fühlt als hätte man die Stelle nie verlassen. ... Und anfangs war es so heiss dass wir geschwitzt haben wo doch normal die Luft dort oben auch bei strahlender Sonne ziemlich frisch ist.
Wir hatten wieder ein paar Gäste. Die üblichen, d.h. Jugendfreunde von K die dann später auch in Uppsala studiert haben. Auch sie wohnen weiter südlich und sind s.g. "hemvändare" (Heimkehrer?) So trifft man sich jeden Sommer und erzählt sich wie das Jahr verlaufen ist. Übrigens erzählte man dass in unserer Nähe dort oben ein Mann im Frühjahr spurlos verschwunden sei. Man hat sein Auto gefunden aber von ihm selbst keine Spur. Und als man mit Helikoptern in den nahen Wäldern nach ihm suchte entdeckte man an die 20 Bären. Wir leben also ein bisschen gefährlich wenn wir uns auf das Multbeermohr wagen.
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