Donnerstag, 11. Februar 2010

Flug nach Teheran

Liebe Marlena
Ich wollte dir heute abend ein bisschen von Persien erzählen. Langsam
muss ich mich ja doch geistig darauf vorbereiten.
Es ist so merkwürdig. Als wir vor ein paar Jahren via Amsterdam mit
der Dutch Airline flogen, war alles bestens. Du steigst ein und es ist
wie ein Flug von Zürich nach Istambul oder so. Natürlich hats ein
bisschen viele Männer mit schwarzem Haar und dunkeln Schnäuzen.
Klar, hat es vielleicht eine überdurchschnittlich hohen Prozentsatz
an ausdrucksstarken Frauen mit grossen schönen Augen, eleganter
Kleidung und dunkelm Teint. Aber sonst ist nichts anders. Die
blonden Stewardesses der holländischen Fluggesellschaft heben
sich stark davon ab. Aber je näher man im Flug Teheran kommt,
desto häufiger verschwindet eine Dame nach der anderen im WC
und kommt mit dunkler Kleidung und einem schwarzen Kopftuch
wieder heraus. Es wird dunkler und dunkler im Flugzeug. Das ist
sehr merkwürdig. Und du merkst sozusagen kilometerweise, wie
du dich Teheran näherst. Der Flughafen dann middle-east-chaos,
eine Hitze, ein Durcheinander, riesige Schlangen, die überhaupt
nicht vorwärts kommen, von Kundenfreundlichkeit der Beamten
keine Rede, ich meine, sie sind höflich, aber es ist nichts organisiert.
Man hat den Eindruck, sie tun ihre Arbeit heute zum ersten Mal.
Und womöglich wollen sie noch alles anschauen und kehren das
unterste zuoberst. Sie fühlen sich auch nicht verpflichtet, das alles
wieder einzuräumen. Das überlassen sie in nobler Zurückhaltung
dir selbst. Man könnte kochen. Man hat den Eindruck, sie haben
keine Ahnung von der Welt, absolut keine. Sie fühlen sich hier im
Nabel und wohl auf dem Schoss Allahs.
...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen