Sonntag, 7. Februar 2010

das Leben nachholen

Liebe Marlena,
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Es ist wirklich hart, ein Leben zu führen, wo man ständig zuwenig Zeit hat. Man fühlt sich irgendwie als Sklave der Umstände. Die Zeit ist der natürlichste Reichtum, den es gibt. Und wenn man zuwenig davon hat, dann ist man sich irgendwie arm und gehetzt und ausgetrocknet. So fühle ich mich manchmal. Das ist der Grund, warum ich abends nicht ins Bett komme. Ich brauche nach der Arbeit etwas Ruhe, ein Schläfchen nach einer Tasse Tee. Und dann um 21h oder 22h kommen meine Lebensgeister wieder. Und um Mitternacht bin ich meist so im Schuss und wach und voller Ideen, dass ich überhaupt nicht ans Bett denken kann. Ich habe das Gefühl, den ganzen Tag nichts erlebt zu haben ausser Akten und Protokolle und Papiere, also muss ich das Leben abends nachholen. Und so wird es 01h oder 02h, bis ich in die Klappe komme. Das ist der Grund, warum es keine Mühe macht, meine Töchter von irgendwelchen Parties oder Einladungen abzuholen. Ich bin ein Nachtmensch. Ich könnte gut als Nachtportier in einem Hotel arbeiten. Wäre für mich der Traumjob. Ich würde ganze Bibliotheken lesen. Und es sollte nur kein Gast auftauchen mit irgend einem Problemchen, etwa nicht schlafen zu können, oder die Air Condition abzustellen oder anzustellen oder um Ohrenpfropfen vielleicht Kondome nachzufragen oder weiss Gott was Hotelgäste nach Mitternacht noch alles wünschen können, es sollte mich ja keiner stören wollen!! Das könnte ich absolut nicht vertragen. Ich würde ihn zum Teufel jagen. Ich wäre Nachtportier, aber keiner sollte mich in der Nacht je stören dürfen. Das wäre mein Traumjob. Nachtportier einer Tagesschule oder so, die nur tagsüber offen ist. Das wäre mein absoluter Traumjob.
Ich weiss nicht mehr, wie ich beim Traumjob gelandet bin, wo ich doch eigentlich bei den Wellensittichen angefangen habe. Ich verliere mich wirklich in meinen Assoziationen, meine liebe Marlena, und ich hoffe, du vergibst mir. Das muss eine Mausfreundin einfach vergeben. Dazu ist sie sozusagen da. Unter Mäusen ist man grosszügig, nicht wahr.

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