Montag, 22. Februar 2010

Varlin


(nochmals)

Heute haben wir eine Uebung gemacht, bei der man sich mit einer
bewunderten Person identifiziert hat, um Eigenschaften oder
Faehigkeiten als Geschenke zu bekommen. Der Aufbau dieser Uebung
ist ziemlich logisch und plausibel. Und es wirkt, da bin ich sicher. Vor
allem wirkt es, weil alles in diesem Zustand der Trance geschieht.
Normalerweise wuerde man eine Person bewundern, irgendwelche
Eigenschaften nachzuahmen versuchen und sich dabei Muehe geben,
und es vielleicht nicht so erreichen. Hier geschieht es leichter. Es ist wie
ein posthypnotischer Auftrag, den man sich selbst gibt. Du hast das
sicherlich schon gesehen bei Hypnosen, bei denen die Leute spaeter
etwas gemacht haben, wozu sie in der Hypnose beauftragt worden
waren, ohne dies aber zu wissen. Wenn man sie fragt, wissen sie nicht,
weshalb sie dies oder jenes tun. Aber sie haben einen Drang, es zu
tun. Ich glaube, hier funktioniert es ganz aehnlich.

Ich habe Varlin als mein Modell gewaehlt. Du weisst, dass er ein
guter und scharfaeugiger Portraetist war. Aber er war auch ein guter
Schreiber und hat sehr pointierte Essays geschrieben, nicht haeufig,
aber gelegentlich. Ich will nun sehen, was er mir davon vermachen
wird. Am liebsten haette ich seine Originalitaet und seine Radikalitaet.
Hast Du gewusst, dass Varlin mit buergerlichem Namen
Guggenheim hiess. Er hatte ihn abgelegt, weil man ihm sagte, das
klinge zu juedisch und zu wenig kuenstlerisch. Willy Gueggenheim,
so hiess er. Na ja, Willy finde ich auch nicht besonders. Ich haette
auch zu Varlin gegriffen. Ich weiss nicht mehr, woher der Name
stammt. Er hat ihn irgendwo gefunden.
(den 29 augusti 2003)

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