Wir Schweizer hatten in der letzten Generation drei grosse
Schriftsteller: Max Frisch, der Psychologe; Friedrich Dürrenmatt,
der Metaphysiker; Peter Bichsel, der Alltagspragmatiker. So würde
ich die drei charakterisieren. Bichsel ist der jüngste der dreien und
lebt noch. Dürrenmatt finde ich den bedeutendsten, er ist voller
komödiantischer Spitzbüberei. Manchmal sind mir seine Theater
wie Cabaret-Szenen vorgekommen. Als ich noch ins Gymnasium
ging, hat man „Romulus der Grosse" als Studententheater aufgeführt.
Ich war damals im Schülerchor, der vor der Aufführung zu singen
hatte. Und so habe ich dieses Theater von Dürrenmatt etwa 5 oder 6
mal gesehen. Dürrenmatt hat in allen seinen Themen versucht, den
worst-case durchzuspielen. Er war eine richtige Spielernatur, ein
Gambler im Spiel des Lebens. Kürzlich hat man in einem Haus in
Bern, im Dachzimmer, Malereien von ihm gefunden, die er dort
als Student gemalt hatte. Der junge Friedrich hat all die Tapeten
vollgemalt bis hinein die Dachschräge. Diese Malerei ist vielleicht
nicht hohe Kunst, aber sie ist doch recht ausdrucksstark und
dekorativ.
Ja, unser guter Dürrenmatt. Er hat auch später noch gemalt und
manchmal eindrückliche Werke zustande gebracht. Er hat von sich
gesagt „ich male wie ein Kind, aber ich denke dabei nicht wie ein Kind".
Und das traf den Nagel auf den Kopf. Wir vermissen ihn etwas,
unserenDürrenmatt, und Max Frisch auch.
Montag, 1. Februar 2010
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