den 16 april 14:37
Mein lieber Mausfreund!
Wenn ich gewusst hätte dass du auf ein Mail wartest dann hätte ich versucht schon gestern etwas mehr zu schreiben.
Ich gratuliere dir zu dem neuen Bücherschrank. Mit etwas mehr Ordnung im Büro sinkt das Stressniveau bedeutend.. so ist es jedenfalls bei mir. Ich versuche im Moment hier zu Hause etwas mehr Ordnung zu schaffen damit ich dann vielleicht für ein paar Tage in Ruhe verreisen kann oder mich ganz einfach nur zu 100 % nichtberuflich beschäftigen kann.
Wie gewöhnlich habe ich heute Morgen mein Lieblingsprogramm im Radio gehört. Man sprach unter anderem von dieser Jahreszeit, "die fünfte" genannt. Das "schwarze Loch" zwischen Winter und Frühling, wo man zwar schon den kommenden Frühling ahnt, aber ihn nicht so romantisch erlebt wie er meistens geschildert wird, mit Blumen und Vöglein sondern eher mit den Spuren, die Hunde im Winter hinterlassen haben und dergleichen... Dabei zitierte man auch verschiedene Schriftsteller, die eben diese graue Zeit , die fünfte Jahreszeit, geschildert haben.
Ja, es ist grau draussen. Es ist als sähe man die Welt durch eine matte Glasscheibe (hoffentlich sind es nicht nur meine noch ungeputzten
Fenster ;-)
Aber was macht es mir schon aus. In meinem Leben strahlt die Sonne. Vielleicht bis du es, mein lieber Mausfreund, vielleicht auch nur das Leben selbst. Ganz sicher bin ich, dass deine Gegenwart dabei eine grosse Rolle spielt.
Bitte, lass es nicht unser Mausleben sein, das dich an deiner Arbeit hindert. Gib der schlaflosen Nacht und dem "ein bisschen zu viel" Wein die Schuld, sonst kriege ich ein sehr schlechtes Gewissen. Unsere "Freundschaft" soll immer etwas Positves sein, das uns erhöhte Energie gibt die Pflichten des Alltags zu bemeistern. Die Serenität von der du oft sprichst. Ich weiss wie es ist, du darfst nicht glauben dass ich so ganz anders reagiere als du. Manchmal fühle ich mich sogar etwas gelähmt von unserer Maladi, und ich frage mich wie bei Rilke: "Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen.." Auch bei mir wird es etwas schlimmer wenn ich Rotwein getrunken habe. Dann sehnsuche ich dich mehr als je.. und mein Verstand steht still.
Du beschreibst es so treffend, unseren Chat neulich. Ich fühlte mich nachher plötzlich irgendwie verlassen. Ich sah sie vor mir, die schön gedeckte Tafel, und musste den Tisch hungrig verlassen.
*
Du schreibst mir so interessant von deinem Examen. Ich hatte es mir irgendwie so vorgestellt. Ich kannte auch solche hochbegabte Studenten, die ein paar Jahre früher fertig waren mit ihren Studien als die andern.
Ich werde dir bald ein wenig von meiner Studienzeit in Uppsala erzählen.
*
Du brauchst nicht in Büchern zu suchen. Ich werde dir das Leben bei uns schildern, die Feste die wir feiern u.s.w. immer zur richtigen Jahreszeit. Was das andere betrifft werde ich dir ein paar gute Links im Internet geben wo du dich über Schweden informieren kannst. Gut so?
Ich will diesen kleinen Brief nun absenden, damit du ihn vielleicht noch bekommst bevor du dein Büro verlässt.
Wünsche dir noch alles Guten für den Rest des Tages
und viel Vergnügen beim Onkel
Deine Marlena
i.M
PS Schöne Töchter hast du!!
Dienstag, 2. Februar 2010
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