den 27 oktober 07:57
Re: momo
Liebe Marlena
Heute,
Montag Morgen, ist es echt kalt. Und immer noch stockdunkel, obwohl wir
ja doch eine Stunde später sind. Es ist ein merkwürdiges Ding, diese
Zeitverschiebung. Als ob man bei unserer Schöpfung zwischen einer
schmalen Lücke der luftigen und verhüllenden Vorhänge hindurch auf die
Konstruktion dieser Welt und des ganzen Alls sehen könnte. Und man ahnt,
wie diese Verschleierungen durch Menschenhand genügen, um damit zu
leben. Denn alles hintendran ist im Grunde genommen ohne Bedeutung.
Bedeutung machen die Vorhänge. Es ist wie mit der Geschichte des
Menschen. Der Ablauf der Zeit, die Vorgänge und Ereignisse und Folgen
von Dingen haben in sich keine Bedeutung. Erst wir Menschen schreiben
das alles als Geschichte, spüren darin Untergeschichten und ihren
weitverzweigten Bedeutungen nach. Und die sogenannte Metageschichte ist
bei uns die christliche Offenbarung, die Geschichte nämlich vom Anfang
der Welt bis zum jüngsten Tag. Das alles macht den Anschein, das es
vorwärts geht. Aber das ist wohl mehr in unseren Köpfen. In Wirklichkeit
dreht sich das Ding doch eher im Kreis, in den wieder und
wiederkehrenden Zyklen der Jahre, der Jahreszeiten und Mondphasen, der
Tagesabläufe und so weiter. Nietzsche hat ja doch von dieser "ewigen
Wiederkehr .." immer wieder gesprochen. Und er hat daraus sogar
moralische Implikationen abgeleitet. Eine gute und originelle Ergänzung
zu Kants kathegorischem Imperativ! Kant sagt: Handle so, dass das
Prinzip Deiner Handlung Grundlage einer Allgemeinen Gesetzgebung sein
könnte. Oder einfacher gesagt: Tue keinem, was du nicht willst, dass es
dir angetan würde. Und Nietzsche. Er meint sinngemäss: Handle so, dass
Du in deiner ewigen Wiederkehr immer wieder so handeln würdest. Handle
also nach Prinzipien, die in deiner ewigen Wiederkehr immer Bestand
haben würden.
Ach, das klingt alles etwas sehr moralisch am Montag Morgen. Schrecklich!
Gestern
hatten wir ein feines Essen im Teufelhof mit meinem Bruder und seiner
Frau. Das ist ein ziemlich originelles Restaurant in der Altstadt
Basels, eigentlich ein Kulturzentrum mit Theater und im Sommer mit einem
hübschen Hof, wo man draussen sitzen kann. Sie hatten einen exquisiten
Wein. Und das Essen war schön präsentiert und fein. War eigentlich alles
perfekt und prima, eine angenehme Atmosphäre. Sie haben das sehr
geschätzt und genossen. Die Schwägerin reist in nächster Zeit nach
Paris. Dort lebt immer noch ihre Mutter, und sie besucht sie dort
regelmässig. Mit dem TGV ist es gar nicht zu lange. Ich glaube, in 3
oder 4 Stunden ist man schon in der Seine-Stadt.
Und wir sitzen hier im herbstlich kühlen L und kämpfen uns voran, mindestens voran im Jahr.
Ich wünsche Dir eine gute Woche.
Mit lieben Grüssen
...
Samstag, 12. Oktober 2013
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