Mittwoch, 9. Oktober 2013
Sonntagabend
den 19 oktober 16:34
Sonntagabend
Liebe Marlena
Vielleicht verwöhne ich Dich ein bisschen zu sehr, wenn ich jetzt - am Sonntag Nachmittag - noch ein Mail schreibe. Man sollte ja doch die Verwöhnungen, die man anderen Personen angedeihen lässt, gut dosieren und sie auf keinen fall übertreiben. Denn das ist schädlich. Es ist wie mit dem Trinkgeld. Seit sie das in der Schweiz abgeschafft haben, weiss niemand mehr richtig, wie man es einsetzt. Soll man die kleine Aufmerksamkeit am Anfang geben, oder am Schluss, wenn die Leistung erfolgt ist? Soll man viel geben oder wenig? S. ist ziemlich gut in diesen Dingen. Das habe ich in der Türkei wieder bemerkt. Nun ja, die Türken sind den Persern ja auch sehr ähnlich. Deshalb funktioniert das Prinzip. Sie gibt ziemlich anfangs ein sehr gutes Trinkgeld. Damit hat sie sich in das Bewusstsein der betreffenden Person eingebrannt. Und dann lässt sie die Leute für sie springen, und sie tun es wirklich. Ich glaube, das hat sie von ihrer Mutter gelernt. Sie ist in solchen Dingen wirklich sehr geschickt. Ich erinnere mich, wir wollten mal eine Art Heiligtum im Süden unterhalb Teherans besuchen, und sie bestellt ein Taxi. Man sah vor, dass er uns den ganzen Tag herumführen würde. Doch bevor wir richtig im Wagen sassen, fragte sie ihn, ob er denn den Weg wisse, und weshalb denn eigentlich nicht, sie hätte doch einen bestellt, der die Situation dort unten kenne. Der junge Fahrer wurde immer unsicherer und wollte seinen Auftrag am liebsten zurückgeben. Dann aber meinte sie, sie würde ihm ein bisschen helfen, den Weg zu finden. Und langsam baute sie den Typen wieder auf, und er tat alles, was sie wollte. Und schliesslich lachten sie zusammen und er schien wirklich sehr glücklich. Er hatte ein echtes Erfolgserlebnis. Und das vor allem, weil sie ihn anfangs wirklich einigermassen zur Schnecke machte.
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Onkelchen war begeistert vom Essen heute. S. hatte für ihn Leber gekocht, für uns aber Lammfleisch. Dazu gab es Gemüse und Reis. Und das nach einem Voressen mit Salat und Lachs. Weil er ein bisschen Mühe mit dem Beissen und mit seinen Zähnen hat, war er begeistert von allem. Als Nachtisch hatten wir ihm einen Kuchen gebracht aus einer Konditorei, die er bestens kannte. Er erzählte mir die ganze Geschichte dieser Familie. Offenbar hatte er am Samstag einen strengen Tag. Er war mit einigen Leuten unterwegs zum Essen. Und offenbar hat er das sehr genossen.
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Dieses Wochenende hatten wir Parlamentswahlen. Man sagt den Linken und den Rechten Gewinne voraus. Die Mitte verliert. Das schreiben die enttäuschten Mittepolitiker der Bevölkerung zu, die offenbar nur noch einfache Botschaften verstehen würden. Ich habe dieses mal erstmals Mitte gegwählt, während ich früher eher links gewält hatte. Schon daran sieht man, dass ich endgültig alt werde.
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Ich wünsche Dir einen schönen Wochenanfang.
Gruss
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