Phnom Penh
Ämne: Gute Nacht
Datum: den 19 november 00:47
Lieber ... ,
Ich habe fleissig gearbeitet. Und heute habe ich sogar etwas getan, was ich schon lange vor mir hergeschoben habe. Ich habe die Firma angerufen, die uns die Ventilation und den Küchenventilator liefern und einbauen soll. Warum ich keine Lust hatte mit ihnen zu sprechen, ist weil ich voriges Mal mit einem dort sprach, der den Preis gleich um 5.000:- Kronen erhöhen wollte, d.h. 25 %. Und ich habe ihn gefragt, warum er plötzlich so viel mehr verlangt, wobei er böse wurde und mit einer Menge komischen Ausreden kam. Ich dachte es wäre besser gewesen, wenn K dort angerufen hätte. Aber er hat sich die ganze Zeit vor dieser Aufgabe gedrückt und mich immer wieder erinnert, dass ich bald anrufen müsse. Nun ist es getan und morgen werden wir weiterdiskutieren, wie, wann und wieviel.
In einer Villa gegenüber ist neulich der elektrische Heizkessel explodiert... na ja, er ist zersprungen und das ganze Warmwasser ist herausgespritzt. Drei Wochen mussten sie ohne warmes Wasser sein. Nun haben sie einen neuen gekauft und alle Nachbarn, die ähnliche Heizkessel haben, fragen sich wie lange es dauern wird, bevor ihnen das auch passiert. Unsere Häuser werden langsam alt. Über 20 Jahre schon und man muss eben die Apparate erneuern. Wir haben bereits Kühlschrank, Gefrierschrank und den Herd ausgetauscht. Wenn die Ventilation dann in Ordnung ist werden wir wohl endlich eine neue Geschirrspülmaschine kaufen. Ich hoffe noch vor den Weihnachtsferien, damit man wieder Gäste haben kann ohne das Elend mit dem Geschirrspülen.
Ach, heute bin ich aber wirklich prosaisch. Verzeih mir. Während ich dir am Abend gemailt habe, hatte ich vergessen den Videorecorder abzustellen und als ich später raufging, sah ich dass ich ein Programm über Cambodia aufgenommen hatte. Das wollte ich mir doch ansehen. Es war hochinteressant und C wurde als das ärmste Land der Erde bezeichnet. Aber es war unglaublich schön und vor allem anders. In der Region, die sie zeigten, wohnen fast alle Leute an oder auf dem Wasser (in Hausbooten) und ernährten sich mit Fischerei. Und in dieser totalen Armut sah man doch viel glückliche Gesichter. Leider auch unglückliche Menschen, die nicht den grossen Terror der Khmer Rouge vergessen können, der so viele ermordet hat. Fast alle Familien haben Familienmitglieder verloren. Man kann es nicht fassen, dass solche Greuel überhaupt möglich sind.
Dann habe ich natürlich auch Bilder von Phnom Penh gesehen, von dem ich einmal geträumt habe. Damals war die Stadt eine Kopie von Paris mit schönen Gebäuden und breiten Boulevarden. Und jetzt!?
Stell dir vor, wenn es damals schon Internet gegeben hätte und Digitalkameras. Aber dann hätte ich nicht diese schönen alten handgeschriebenen Briefe mit den exotischen Briefmarken auf dem Umschlag. :-) Es ist doch etwas persönlicher.
Ich habe übrigens ein Bild im Internet von dem Krankenhaus gefunden, wo Guy gearbeitet hat damals. Eigentlich will man das Hotel zeigen, das im Zentrum der Stadt liegt, aber daneben (das grosse Haus dahinter) siehst du das Krankenhaus. Schau dir den Baustil des Hotels an. Man wird ganz nostalgisch, wenn man solche Gebäude sieht und kann sich gut vorstellen, wie schön man dort auf der Terrasse hätte einen Tee trinken können und das Leben geniessen in alten Zeiten.
Im Fernsehen ist eine späte Debatte über die Korruption im "Systembolaget". Überhaupt bekommt man immer mehr den Eindruck, dass Schweden ziemlich korrupt geworden ist. Leute in hohen Positionen bereichern sich auf Kosten anderer. Bei dem Systembolaget könnte ich gut ein Auge zudrücken. Was macht es mir, ob sich die Chefs bestechen lassen, um den einen oder anderen Wein zu importieren. Klar, dass die Weinbauer sie locken wollen ihren Wein zu kaufen. Ob sie das mit Geld, Alkohol oder Einladungen machen berührt uns doch ziemlich wenig. Aber es ist eben ein staatliches Unternehmen. Das macht den Unterschied. Aber ein richtiger Weinkenner kauft einen schlechten Wein nicht zwei mal. Ich meine er lässt sich nicht von irgendwelcher falschen Reklame verführen.
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So, nun muss ich aber doch ins Bett. Morgen muss ich sehr früh auf und komme erst spät nach Hause. Dann bin ich über den Gipfel und es geht auch bei mir bergab aufs Wochenende zu.
Wenn ich dir noch mehr schreibe, wirst du bald so viel Zeit zum lesen benutzen, dass keine mehr übrig bleibt zum schreiben. Das will ich nun wirklich nicht.
Darum sage ich dir Gute Nacht,
Marlena

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