Samstag, 19. Oktober 2013
Wie glücklich ...
den 5 november 08:59
Re: Wie glücklich ...
Liebe Marlena
Dein Ausflug nach ... scheint ein Glücksfall gewesen zu sein. ... Du weißt, dass man das glauben soll, um wirklich Glück zu haben. Es gibt Menschen, die sind wirklich Glückspilze. Man sieht es ihnen an, wenn sie spielen. Es gibt Menschen, die glauben an ihr Glück und das Spiel scheint ihr alle Zeit Recht zu geben. Natürlich ist es die reinste subjektive Interpretation. Wenn sie im Moment kein Glück haben, dann sparen sie den Teil einfach aus. Sie behaupten, sie würden jetzt eine 6 würfeln, und dann würfeln sie eine 6. Und wenn sie keine würfeln, dann würden sie es eben nächstes Mal tun, und dann vergessen sie, dass sie keine 6 gewürfelt haben.
Das ist offenbar die Methode, sich zum Glückspilz zu machen. Du vergisst alles, was nicht Glück bei Dir war. Glück ist die reine Interpretation.
Du kennst die chinesische Geschichte…?
Ein Bauer kam aus dem Haus und erzählte, dass ihm seine Stute davongelaufen sei. Die Leute des Dorfes wollten ihm ihr Mitleid zeigen, aber er sagte: wartet ab, wir werden sehen.
Bald darauf kam er wieder und meldete, dass die Stute zurückgekehrt sei, und dass hinter ihr gleich ein Hengst nachgefolgt sei.
Die Leute des Dorfes wollten ihm gratulieren, aber er sagte: wartet ab, wir werden sehen.
In nächster Zeit kam der Bauer wieder ins Dorf und erzählte, dass sein Sohn vom Hengst gefallen sei und sich das Bein gebrochen habe.
Die Leute wollten ihn bemitleiden, doch er meinte: wartet ab, wir werden sehen.
Bald darauf kamen Beamte ins Dorf, um junge Männer für die Armee zu rekrutieren. Der Sohn des Bauern aber lag verletzt darnieder.
Die Leute wollten ihn wieder beglückwünschen, doch er meinte: wartet ab, wir werden sehen. ..
Was ist Glück oder Unglück? Man kann es nur für sich selbst beantworten. Und es ist weit besser, man interpretiert sein Glück anstelle des Unglückes.
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Ja, Deine Erinnerung an den schönen jungen Mann ist lustig, der Dich „das Mädchen mit den strahlenden Augen, dem herrlichen Lachen und dem Schütteln der Mähne“ nennt. Ich ging soeben zurück in mein privates Köfferchen, um mir Dein altes Foto anzuschauen. Du wirst staunen, dass ich es gefunden habe. Dein Freund hat recht, Deine Augen blitzen vor Vergnügen. ... Ich glaube, ich habe Dir gesagt, wie gerne ich Dich in jenem Alter gekannt hätte. Vielleicht ist das eine unnütze Fantasie. Aber sie ist da. Die Fantasie erzählt mir in sprudelnden Worten, welch ein spritziges junges Ding Du gewesen sein musst. Das Leben zähmt uns alle ziemlich tüchtig. Es ist wie im Stierkampf. Wenn du siehst, mit wie viel Tempo und Kraft die Stiere in die Arena kommen, und wie sie immer langsamer und überlegter werden, wie sie mehr und mehr zögern, wie sich ihre ganze Kraft langsam auf den Kopf verlegt, der das alles nicht mehr zu fassen vermag … es ist wie ein Leben. Die Spanier selbst vergleichen allerdings den Stierkampf mit einer Gerichtsverhandlung. Na ja…
In NY hatte ich meine Begleiterin aus Kolumbien gefragt, ob sie Stierkampf mag. Sie meinte, sie mag ihn und sie mag ihn auch nicht. Eine so kurze und alles oder nichts sagende Antwort können nur Südamerikaner geben. Ich habe mir damals gedacht, die Frage sei zu weitläufig, als dass sie von einer betroffenen Person wirklich mit ja oder nein beantwortet werden könnte. Man müsste wohl darüber eine ganze Nacht bei Sangria diskutieren…
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Und dann habe ich auch wieder das Foto gesehen, wo Du neben dem Weihnachtsbaum stehst in dieser Pose einer gewissen Ungeduld. Darauf siehst Du ganz anders aus. Verglichen mit den Fotos aus Italien wirkst Du dort fremd, aber auch sehr geheimnisvoll und äusserst feminin. Das Foto kitzelt mich im Bauch, denn ich möchte Dir die Brille abnehmen und dich umarmen in der Meinung, dass dann ja wohl das quicklebendige, vergnügte kleine Mädchen von damals zum Vorschein kommen könnte.
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Na ja, Du musst doch wirklich ein Glückspilz sein!
Mit lieben Grüssen
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