Sonntag, 6. Oktober 2013

unser Werkstatt-Apero


den 15 oktober  20:15
Happy hour

Liebe Marlena
Du bist wirklich ein Schatz, dass Du Dich nach dem Verlust des grossen Mails nochmals aufgemacht und gleich ein zweites (nicht zu kleines) hingekriegt hast. Das zeigt eine schöne Zähigkeit, die sich nicht unterkriegen lässt. Gratulation und zwei Küsse je! Zwei!

Gerade haben wir unseren Apero über die Bühne gebracht. Werkstatt-Apero habe ich ihn genannt, um den Leuten plausibel zu machen, weshalb ich mein Büro absolut nicht aufgeräumt habe. Wir wollten nichts beschönigen, habe ich gesagt. Wir haben nicht speziell geputzt für unsere Gäste. Voilà! Aber die älteren Leutchen haben es genossen. Fast niemand wollte viel Neues wissen über Computer oder Tests. Sie genossen es, sich gegenseitig wieder mal zu sehen und alte Freund- oder Feindschaften aufzuwärmen. Für unsere Greenhorns war es nicht so leicht, mit diesen älteren Leuten anregende Gespräche zu führen. Doch schliesslich hat es sich doch ergeben, ein Austausch zwischen den Greenhorns und den Evergreens.

Und jetzt sollte ich noch dran, unsere Spaarvorschläge zusammenzustellen. Die Direktion will Vorschläge, wie wir in den Jahren 2005 bis 2009 20% jährlich einsparen werden. Das sind bei uns 3.5 Stellen, na ja, eigentlich mehr. Wir haben keine Möglichkeit, in den Dingen zu sparen. Unsere einzigen Ausgaben sind Löhne. Die weiteren Konten sind so klein, dass man kaum 50.000 sFr. damit zusammenbringen könnte.

So siehst Du: ich habe wieder mal eine unangenehme Aufgabe. Und ich glaube, es ist wieder mal eine Trockenübung, die nirgendwo hin führt. Na ja, wir werden sehen. Auf jeden Fall darf man sich nichts anmerken lassen und muss einen superentschiedenen Eindruck machen. Die Leute müssen denken, du würdest, um zu sparen, auch über Leichen gehen. Dann vielleicht erlassen sie dir die unangenehme Aufgabe. Aber wenn du von Anfang an den Eindruck erweckst, dass in Deinem Bereich sicherlich nicht mehr gespart werden kann, dann treten sie dir auf der Seele herum wie auf einem Kartoffelacker.

Aber so ist es. Es war ein wunderbarer Herbsttag, etwas kühl schon, aber mit einem aufgeräumt blauen Himmel, dass man gern darauf schlittschugelaufen wäre. Ich mag diese Zeit, wenn die Blätter sich gelb und rot färben. Man sehnt sich ein bisschen nach Tweed und nach einem heissen Tee, wenn man vom Spaziergang mit dem Hund heimkehrt. Es ist die beste Zeit des Jahres, nicht wahr?

Lustig, heute beim Apero, kam ein alter Kollege und reichte mir ein Geschenklein in die Hand. Und später bemerkte er unter 4 Augen, dass ich vergessen sollte, was er hineingeschrieben hat. Er hat in der Tat gemeint, dies sei meine Pensionierung und insofern mein Abschied aus dem Arbeitsleben. Das fand ich süss und bin noch daran, die richtigen Schlüsse aus dieser Situation zu ziehen. Entweder mache ich einen sehr alten Eindruck. Aber ich glaube, es hängt auch damit zusammen, dass ich nun schon mehr als 20 Jahre Leiter dieses Dienstes bin. Die meisten anderen Dienststellenleiter sind nach mir gekommen. Jetzt sind sie geradezu jung. Und ich kann mich auch an jene Situation erinnern, da in den Anfangsjahren ein Parlamentarier aus der Geschäftsprüfungskommission, welche die Verwaltung zu kontrollieren hat, mich fragte, ob ich nicht zu jung für meine Aufgabe wäre. Das fand ich eigentlich damals überhaupt nicht. Aber in Wirklichkeit war ich schon etwas jung. Das hat den Nachteil, zu lange auf demselben Stuhl zu sitzen. Das macht müde, und macht bequem, wie die Leute sagen. Und es ist schon ein bisschen was dran. Man sollte alle 7 Jahre seinen Job wechseln können. Das wäre ideal. Schaffe ich allerdings nicht mehr. Nur bei der ersten Stelle in Olten hatte ich es so machen können.
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Jetzt will ich an meine Arbeit, sonst wird es zu spät. Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen
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