Sonntag, 20. Oktober 2013

Re: ...


den 8 november  17:30
Re: ..



Liebe Marlena
Vielen lieben Dank für Deine guten Wünsche. Das schönste dabei war Dein Foto vor dem abendroten Rathaus. Das habe ich wirklich noch nie gesehen. Und Du schaust super aus. Und wenn Du dies als offizielles Foto autorisierst, wie es ja auch der Schah von Persien gemacht hat, von dem dann überall und in allen Läden so ein Konterfei, und eben überall dasselbe gehangen hat, so glaube ich, Dich zu verstehen. Das Foto zeigt bestimmt die ganze Klaviatur Deines Wesens. Ich möchte Dich wirklich gerne umarmen und der Geschmack wäre - wie soll ich sagen - vielleicht süssbitter? Es ist alles drin im Foto: Dein Pfiff, Dein Engagement, Deine Leidenschaft, Deine zarte Seite, Deine Romantik, . ach, es ist wirklich sehr vielseitig, auch Deine Eleganz ist drin und Deine Freundlichkeit, Deine Güte - so wie ich Dich immer empfunden und vor mir habe. Ich würde mich, sollten wir uns auf der Strasse begegnen, nach Dir umdrehen . weiss Gott, und vorgeben, ich hätte gleich vorher was liegen lassen.Ich will damit sagen: so was kitzelt im Bauch, wenn Du weißt, was ich damit meine.
Merci Marlena!
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Ich war gestern krank, fiebrig hustend und bin zuhause geblieben, habe lange geschlafen und dann viel gelesen. So schön, trotz des Hustens, könnte das Leben sein! Wenn man ein bisschen Zeit hat, kommen die guten Geister zurück und man hat wieder Ideen und Vorstellungen und Pläne und Hoffnungen. Ich glaube, man sollte sich wirklich mehr Zeit nehmen für sich selbst. Das Leben soll leicht sein, kinderleicht. Und es soll traumhaft sein, das heisst die Verwirklichung unserer Träume. Ist das nicht ein gutes Programm?
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Wir haben am Donnerstag Abend in Basel gegessen. Ich glaube, das habe ich Dir schon erzählt. Ich hatte mit B zusammen einen riesigen Barsch, d.h. die Hälfte, vielleicht die untere, oder die linke vielmehr. Er hat wunderbar geschmeckt, besonders die Haut. Ich bin ein grosser Liebhaber von knuspriger Fischhaut. Deshalb esse ich Fische auch meist gebraten, nicht in einem Sud gekocht. Letzteres finde ich etwas fade, obwohl es alle Gesundheitsapostel empfehlen. A und ihr Freund waren dabei. Sie haben ein ausgewachsenes Chataubriand (wie schreibt man so was?) bestellt, und dazu einen spanischen Wein. Und auch S. hat sich dem angeschlossen, aber ohne Wein. Die Kunsthalle, das habe ich schon angedeutet, ist ein echt bürgerliches Restaurant. Da kannst Du die bessere Hälfte Basels treffen, ich meine, nicht die absoluten Trophäen, die mit der Chemie zu Millionären geworden sind, aber die Oberen und die, die meinen, dazu zu gehören. Man kann sich die Kunsthalle vorstellen wie ein recht grosser Saal. In der Mitte ist er geteilt durch eine Wand, die mit einigen Bogen durchbrochen ist. So kann man von der bürgerlichen Seite hinüber sehen in das einfachere Bistro. Dieses ist dunkel und die Wände sind bemalt mit barocken Bildern von nackten Jungfrauen, die wohl den Durst anheizen sollten, und von wilder Vegetation. Wenn man dort drüben sitzt, fühlt man sich wie in der Studentenzeit, und man schaut sich zwischendurch nach irgendwelchen hübschen Figuren um. Aber wir waren ja, wie Du weißt, jenseits des Acheron, und haben brav Fisch gekaut. Die bürgerliche Seite ist ein langer Raum mit einer hellen Fensterfront. Und in dessen Mitte steht auf dem langen Tisch ein riesiger Blumenstrauss. Er ist grösser als Blumensträusse, die man da und dort sieht. Er ist wirklich olympisch gross und voll. S. behauptet, sie würde nur wegen des wundervollen Strausses dorthin gehen, um zu essen. Und ein bisschen glaube ich ihr das.
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Meine Mutter hat mir zum Geburtstag ein hübsches Geschenklein gebracht. Es ist eine CD, auf der Karl Biffiger Walliser Sagen erzählt. Früher, vor vielen vielen Jahren hat man diesen Biffiger Samstag mittags am Radio gehört. Damals hat er diese Sagen und Bozengeschichten erzählt. Und in der ganzen Schweiz hat man sich gewundert über die merkwürdige Sprache der Walliser, dieser singende Dialekt mit der harten Rhythmik und der leidenschaftlichen Grundmelodie. Mir hat vor allem sein intensiver, etwas näselnder Tonfall Eindruck gemacht. Die Sprache hatte ich damals schon gut verstanden, bestimmt besser als meine Eltern, aber der Sinn der Geschichten war mir fremd. Es gibt auf dieser CD eine wundervolle Geschichte über die Konsequenzen, die entstanden sind, als in alten Zeiten einmal der wahrhaftige Tod in ein Weinfass eingeschlossen wurde. Die Geschichte ist gut und voller Weisheit, muss ich sagen. Ich erzähle sie Dir ein andermal.

Ich danke Dir, meine liebe Mausfreundin
und küsse Dich - auf beide Seiten
Gruss
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