Montag, 14. Oktober 2013

Warnung vor der Warnung!


den 31 oktober 09:07
Warnung vor der Warnung!

Liebe Marlena
War Deine Viruswarnung ein Scherz? Oder ist es ernst? Ich habe gedacht, Du machst Dir einen Spass und ich hätte jede Viruswarnung in grösster Erwartung geöffnet, weil ich dachte, es wäre irgend eine hübsche Liebeserklärung versteckt. Ich wäre sozusagen in der Liebe untergegangen. Schöner kann es nur noch in einer echten literarischen Tragödie geschehen. Aber bisher ist nichts angekommen. Vielleicht habe ich vor meinem Box einen Iron Curtain, der Liebeswarnungen aussendet. So wie man bei stattlichen Villen und übergrossen Landhäusern gleich neben dem Briefkasten die Anschrift finden kann "Warnung vor dem Hunde".
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Hier ist trübes Herbstwetter, das auf die Seele drückt. Oder sagen wir, es laste auf der Psyche? Auf jeden Fall muss man jetzt endgültig die warmen Kleider vom Estrich holen und die Schirme neben der Türe bereitstellen. Es ist ziemlich nass, und zusammen mit den fallenden Blättern, macht das manchmal eine schmierige Schicht, bei der man in unserem Alter schon etwas vorsichtig vorgehen muss. Man merkt dann diese gewisse Steife im Rücken, diese widerspenstige Starrheit, die wir früher nur bei alten Leuten von aussen her gesehen haben. Niemals hätten wir damals gedacht, dass die alten Leutchen dies auch innerlich spüren, wie ihr Körper langsam ein bisschen unbeugsam wird und nicht mehr bereit ist, sich jeder Situation anzupassen. Vielleicht spüren sie es vor allem im Nacken. Wenn sie irgendwo hinhören, bewegen sie den ganzen Oberkörper in diese Richtung. Das gibt ihren Bewegungen eine Art Sparsamkeit, vielleicht auch eine Würde. Aber die Würde sieht nur äusserlich so aus. Im Innern ist es eher eine kleine Not, weil der Körper, das Fleisch langsam zu beinhartem Knochen wird.
Die Alterung ist ein merkwürdiger Prozess! Max Frisch hat sich in den letzten Jahren immer wieder damit beschäftigt in seiner Literatur. Und wir tun das ja auch, jeden Tag, mit unserem schwindenden Gedächtnis und dem steifen Nacken, wenn wir balancierend über nasse Blätter balancieren. Na ja, Du bist bestimmt noch nicht soweit. 
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Gut ist vielleicht, dass heute Freitag ist. Gestern abend hatten wir unser Weekly, zwei Glas Mineralwasser und lange Diskussionen über die Arbeit und die Herbstdepressionen. Walter hat ein gutes Herz und spendet immer wieder privates Geld für irgendwelche armen Schlucker, die zu ihm in die Beratung kommen. Es sind alleinstehende Mütter, Kinder aus Familien mit wenig Mitteln, Leute in Not allgemein, denen er oft und immer wieder mit dem Allernotwendigsten aushilft. Oft erzählt er den Leuten nicht einmal offen, dass das Geld von ihm selbst stammt. Er sagt bloss, er hätte da eine Kasse, und damit könne er einen kleinen Betrag locker machen. Er meint, die Leute würden das Geld nicht akzeptieren, wenn sie wüssten, dass es von ihm privat sei.
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Jetzt hat schon zweimal eine Lehrerin angerufen. Sie ist ziemlich nervös. Sie hat eine Podiumsdiskussion im Lokalradio organisiert. Und offenbar hätten wir uns gestern erstmals treffen sollen für ein Vorgespräch. Aber da war ich nicht dabei, weil sie mich nicht dazu eingeladen hat. Ausserdem hat sich offenbar der Journalist abmelden müssen wegen einer dringenden Operation. An seiner Stelle kommt eine Frau. Na ja, das hört sich alles ziemlich turbulent an. Aber in Medien ist die Arbeit mehr oder weniger immer so. Ich werde sehen, was sich daraus ergibt.
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So wünsche ich Dir ein feines Wochenende, ruhig und gemütlich bei diesen Herbststürmen.
Liebe Grüsse
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