Montag, 28. Oktober 2013

Re: Oui, oui


den 18 november  08:20
Re: klar


Liebe Marlena

Ach ja, ich erinnere mich, dass wir schon mal über die Art zu schreiben korrespondiert haben. Und auch dieses Mal wieder hatte ich den Eindruck, dass Du ganz ähnlich an die Sache gehst. Es ist ein schönes Erlebnis, wenn es gelingt, nicht wahr. Aber es ist auch ein bisschen unberechenbar. Daran kann ich mich auch erinnern. Ich wusste nie genau, wann ich endlich meinen Aufsatz schreiben könnte. Und wenn das Resultat nicht gut war, dann dachte ich mir, ich hätte ihn wohl zu früh geschrieben und noch nicht genug aufgekocht in meinem Inneren.

Aber vielleicht kannst Du Dich erinnern, wie viel Mühe Du hattest, anfangs unserer Mailerei. Erinnerst Du Dich? Oft hast Du offenbar begonnene Texte wieder gelöscht. Oder Du hast Dir soviel überlegt und zum Schluss nur ein kurzes Mail geschrieben. Ja, ich glaube, Du hast Dich gut entwickelt - meine Mausfreundin - und schreibst jetzt ziemlich spontan. Dafür danke ich Dir. Es ist gut so. Und wenn manchmal etwas nicht ganz so klar herauskommt, oder wenn Fehler drin sind (wie bei mir), so ist das auch nicht schlimm. Man sollte doch irgendwie schreiben, wie man redet. Ich jedenfalls versuche das. Und ich bin immer wieder schockiert, wenn ich es später nochmals lese, wie holperig das alles klingt.

Ja, Bonnard ist ein feiner Kerl, farblich gesehen. Er hat schliesslich auch an der Côte d’Azur gelebt. Wenn ich dort lebte, könnte ich auch eine solch goldene Palette hinkriegen, glaube ich. Das Bild, das Du mir geschickt hast, ist auch in meinem neuen Buch zu sehen. Und viele andere, die ich bisher noch nie gesehen hatte. Deshalb wahrscheinlich habe ich es gekauft, ziemlich spontan und ohne gross zu überlegen. Es war nicht so billig wie Deine Toilettenartikel. Und dabei habe ich zuhause bereits 2 Bücher über Bonnard!! Aber ich hatte wirklich - wie Du denkst - die geheime Hoffnung, das Buch würde mich inspirieren und zur Palette zurücklocken. Es gibt in diesem Buch ein hübsches Porträt. Ich weiss nicht mehr von wem, aber es ist gut gemacht, klarer gezeichnet als bei Bonnard sonst üblich.

Weil ich selbst eher ein Zeichner bin, suche ich Maler, die mehr auf die Farben Wert legen. Ich denke, von ihnen kann ich lernen. Ich möchte vom linearen Zeichnen wegkommen und malerischer werden. Rubens ist sehr malerisch, Bonnard auch. Carlsson beispielsweise ist ziemlich zeichnerisch, wie der Jugendstil allgemein. Die Impressionisten waren anfangs stärker in der Zeichnung als in der Spätphase. Du siehst, ich habe immer noch kleine Hoffnungen. Obwohl sich in den letzten Jahren bei mir malerisch absolut nichts getan hat. Aber ich muss gestehen, dass ich meine Bilder desto besser mag, je älter sie werden. Ich habe vor 10 oder 15 Jahren ziemlich viel gemalt in der Freizeit. Und heute, wenn ich die Dinger wieder hervor nehme, bin ich ganz überrascht, wie gut sie mir gefallen. Sie gefallen mir besser als damals. Vielleicht schaffe ich es, nochmals eine kreative Phase zu gewinnen. Eigentlich sollte das möglich sein. Schliesslich wird man im Alter freier und offener. Oder etwa nicht?

Übrigens hat Bonnard in seiner Agenda jeden Tag das Wetter vermerkt. Und dazu hat er kleine Skizzen mit Bleistift gemacht. Er war kein schlechter Zeichner. Das muss man schon sagen. Aber im Wesentlichen hat er malerisch gedacht, farblich. Einige Zeichnungen sind ganz klar und mit sicherem Strich gefertigt. Und andere sind nur angedeutet und mit Schraffuren belebt. Das sind die Farbfantasien, denke ich. Ich glaube, er hat sehr viel Zeit verwendet fürs Malen. Das heisst, er hat mit kleinen Schraffuren und Strichen gearbeitet. Er war kein Pointilist. Aber er hat kleinräumig gedacht, nicht in grossen Bewegungen. Manchmal wirkt er fast ein bisschen kleinlich. Aber die Gesamtwirkung des Bildes wird dann ganz lebendig.



Ich wünsche Dir einen schönen Tag

Mit lieben Grüssen
...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen