Freitag, 29. Januar 2016
16/2 - Blauer Himmel und Einladung
Ämne: Blauer Himmel..
Datum: den 16 februari 2004 12:49
Liebster Mausfreund,
Da bin ich wieder.. fühle mich ein wenig wie ein Dornröschen, das gerade aus dem Schlaf erweckt worden ist. Aber von einem Prinzen ist keine Spur zu sehen.. :-(
Um neun Uhr bin ich aufgewacht. Fast hatte ich ein wenig schlechtes Gewissen. Sag warum hat man das so oft? Wir sind voll von Vorstellungen, wie das Leben sein soll und den alten Vorstellungen nach ist doch alles was schön ist meist verboten. Ich versuche mich abzuprogrammieren. Du weisst sicher, dass es sogar Kurse gibt, die dazu da sind. Heutzutage kann man mit allem Geschäfte machen.
Jedenfalls hat sich der Himmel nun aufgeklärt und die Sonne leuchtet schräg zum Fenster herein. Ich sitze direkt vor dem Fenster und betrachte die schöne grosse Birke. In Gedanken sehe ich schon ihr erstes zartes Grün. Vielleicht ist sogar jetzt die schönste Zeit. Die Zeit der Hoffnung, die Vorahnung von all dem was kommen wird.
Gestern Abend, als ich Anna hierher brachte, war es schon ganz dunkel und die Strassen glänzten Feucht im Scheinwerferlicht. Sicher war es gefährlich glatt und ich bin langsam gefahren.
Wir haben Ks Geburtstag still in der Familie gefeiert. Ich glaube er war ganz zufrieden damit, denn schon in der Woche hatten seine Freunde und Arbeitskollegen ein Fest für ihn gegeben. Anna machte einen lustigen Kommentar darüber, dass wir uns nun fast vertragen, K und ich. Armes Kind! Man kann Kindern nichts vormachen.. vielleicht kann man im Nachhinein erklären.. Aber ich weiss nicht.
So nun werde ich mich wohl langsam auf den Weg machen. Ein paar Besorgungen, wie ein Staublappen, ein hoher Blumentopf, ein Schneidebrett..(?) Du siehst, wirklich lebensnotwendige Dinge ohne die man nicht auskommen kann. ;-)
Ich denke es muss ein schönes Fest gewesen sein bei dir zu Hause. 8 Personen ist gerade richtig und ergibt meistens eine schöne Konversation, wobei alle dabei sein können. Ach, ich beneide dich ein bisschen um solche schöne Abende.
Ich schicke dir ein wenig Sonne, falls sie dir fehlen sollte und wünsche dir weiterhin einen schönen angenehmen Tag,
Mit lieben Grüssen und einem süssen K,
Malou
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Ämne: Re: Blauer Himmel....
Datum: den 16 februari 2004 16:21
Liebe Malou
Ach Du bist beneidenswert mit Deinen Sportferien. Wie denn hast Du sie verdient und ich nicht? Na ja, nächste Woche werden wir auch hier Ferien haben. Aber natürlich sind das bloss Schulferien, und bei uns wird im Prinzip weitergearbeitet. Aber es geht dann nicht so wild zu und her.
Heute ist wunderschönes, blaues Wetter. Ich war über Mittag eine halbe Stunde draussen und habe einen Spaziergang gemacht. Das tue ich eher aus Pflichtgefühl denn wirklich aus angeborener Lust. Ich mache es, weil es gesund sein soll.
Und - lustig - jedes Mal, wenn ich über Mittag hinaus gehe kommt mir ein Bild aus dem Wallis in den Sinn. Wir waren damals jeweils kurz nach ein Uhr mit der Eisenbahn wieder nach Brig gefahren. Und regelmässig sah man dann das Architektenpaar Wenger mit ihren Hündchen in der Gliserebene spazieren. Das Architekturbüro Wenger war ein erfolgreiches Unternehmen und bekannt für ihre originellen Bauten. Damals war ich erstaunt, wie solch originelle Leute so was gewöhnliches wie einen Mittagsspaziergang machen können.
Kurz und gut: geschieht Dir recht, dass Du um 9 Uhr mit etwas Schuldgefühlen aufwachst. Es ist ja auch zu faul und träge, so lange zu schlafen, noch dazu an einem echten Montag Morgen mit diesem wunderbaren Sonnenschein.
Unsere Einladung am Samstag war ganz angenehm. S. war zwar verspätet, weil offenbar am Nachmittag der Gärtner ihr die Zeit geraubt hatte (!) Und so war alles nur halbwegs bereit, als der Arzt und Altkommunist mit seiner Filmkritikerin schon läuteten. Sie waren in bester Laune. Seine Frau war eben von Berlin zurückgekehrt und ein koreanischer Film hatte irgend einen Preis erreicht. Offen und ehrlich habe ich P. erklärt, dass es einfach ganz unmöglich und geradezu unanständig sei, so pünktlich zu einer Abendeinladung zu erscheinen. Damit hatte ich S den Rücken gedeckt, um ihr einen freien Fluchtweg ins Schlafzimmer zu ermöglichen, damit sie sich noch umziehen könne. Ich war hingegen den ganzen Abend in demselben Tenue, wie schon tagsüber. Aber das macht nichts. Das Essen hat wunderbar geschmeckt. Ich hatte die Aufgabe, ein riesiges Lammgigot aufzuschneiden. Dabei muss man bekanntlich immer sehr Sorge tragen, dass das ganze Ding nicht plötzlich ins Gleiten gerät, durchstartet und durch die halbe Stube fliegt. Ich meine, es wäre noch nicht das Ende der Welt, aber eine solch akrobatische Demonstration schaut nicht sonderlich hygienisch aus. Und ist für ein Gigot auch unpassend. Bei einer gebratenen Gans könnte man ein Auge zudrücken, wenn sie ins Fliegen gerät. Aber bei einem Gigot, nein! Also habe ich mich mit einer riesigen Gabel abgesichert und das riesige Stück sozusagen auf dem Brett festgenagelt.
Wir haben den ganzen langen Abend über Gott und die Welt diskutiert. Der schon 14 Jahre alte Bordeaux, den ich serviert habe, war in Ordnung. Und als Apero hatte ich noch eine Flasche Johannisberg aus dem Wallis gefunden. War zwar knapp, aber gut. Und so haben wir die Tafel erst weit nach Mitternacht wieder aufgehoben, zu einer Stunde, als man über den Melodien im Kopf schon zu raten begann, ob das noch die Nachtigall … oder schon die Lärche.
Und Ihr habt Euren Geburtstag gehabt? Welche Musik habt Ihr dazu gespielt? Ich versuche mir stets vorzustellen, wie das sei, zu einem tüchtigen Kartoffelpuffer das Klavierkonzert No. 2 in A major von Liszt (...) zu hören. Und streng genommen dürfte man mit dem Dessert erst nach den ersten paar Takten des ‚Allegro animato’ beginnen, um die hohe hohe Ordnung zu wahren, und um das Himbeereis in der besten, sahnigen Konsistenz zu erwischen. Und den Kaffee dann bei einem kleinen Menuett oder so, nicht wahr?
Ich stelle mir das alles sehr schick und gediegen vor. Und wenn es so vornehm hergeht, bekomme ich oft den Hustenreiz. Bei jener samstäglichen Geburtstagsfeier, die wir vor einer Woche hatten, gab es nach einem Schluck Champagne auch ein kleines Kammerkonzert. Und plötzlich hatte ich diesen Hustenreiz. Ich sass in der ersten Reihe, nur zwei Sitze neben dem Geburtstagskind. Da kann ein Konzert verdammt lange dauern. Irgendwie gelang es mir, zwar mit Mühe und Anstrengung - aber es gelang, mich auf irgend etwas ausserhalb dieses teuflischen Hustenreizes zu konzentrieren. Einer der Violinenspieler machte komische Miene zum schönen Spiel, und ich musste ein Lachen unterdrücken und erinnerte mich, wie ich mal ein solches Kammerorchester nach einem Konzert aus der Erinnerung gezeichnet hatte. Es war ein bisschen cartoonartig. Der Flötist, Musiklehrer unserer Kinder, dem B. die Zeichnung postwendend zugespielt hatte, war ganz begeistert.
Jetzt muss ich mich sputen. Wir haben heute Abend noch einen Termin.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag, Faulenzerin Du!
Mit schönen Gs und Ks
...
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Ämne: 137@...
Datum: den 16 februari 2004 16:23
Malou
ich habe Dir letzte Woche ein Mail geschickt über Rilke. Es ging wahrscheinlich an die andere Adresse. Hast Du das gefunden. Ich hatte es nicht gelesen, weil aus meinem Drucker nur die 1. Seite kam. Ist es interessant. Kannst Du mir auch eine Kopie davon zukommen lassen?
Gruss
...
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Ämne: Dunkle Nacht..
Datum: den 17 februari 2004 00:34
Lieber ...,
"Kurz und gut: geschieht Dir recht, dass Du um 9 Uhr mit etwas Schuldgefühlen aufwachst"
Ja doch, aber wenn ich um neun Uhr nicht nur aufgewacht sondern auch aufgestanden wäre.. hätte ich wahrscheinlich nur "etwas" Schuldgefühle gehabt. Doch ich habe mich umgedreht und weitergeschlafen bis um 10 Uhr.. Schlimm! Ich weiss. Komme mir vor wie ein Teenager. :-)
Ich bin heute Abend wieder nach Hause gefahren. Es war sehr dunkel aber die Strassen kamen mir trockener vor als gestern und so brauchte ich kaum 1½ Stunden für die Fahrt. Und hier bin ich ziemlich müde angelangt. Das in Geschäften herumlaufen macht mich müder als sonst was. Aber ich habe mehrere kleine Dinge gefunden, die sich gut machen in Annas kleinem Zimmer und die ihr Leben etwas bequemer machen. Sie hat es wirklich schön. Leider hat sie jetzt keine Ferien sondern ist ganztags beschäftigt, sonst wäre ich vielleicht noch einen Tag geblieben.
Anna hat immer so gute Ideen wenn sie ein Geschenk kauft für jemanden und diesmal wollte sie, dass das Geschenk für K auch für mich eine Überraschung sein sollte. Ich war sehr neugierig. Und weisst du was sie ihm gekauft hatte? Ein kleines Minigewächshaus (oder Treibhaus?) in dem er seine Pflanzen aufziehen kann. Ein schöneres Geschenk hätte ich mir kaum vorstellen können. :-) Er schien auch ganz glücklich darüber.
Ich lese im Moment ein interessantes Buch. Es ist von T.H's Sohn geschrieben. Ich glaube ich hatte dir schon mal geschrieben über ein Fernsehprogram, das dieser junge Mann zusammen mit einem Freund gemacht hat und das viel Aufsehen erregte.. vor zwei Jahren glaube ich. Sie sind immer noch erfolgreich mit ihren Fernsehprogrammen, aber jetzt haben die beiden jungen Männer ein Buch geschrieben über ihre Jugendzeit. Es hat sehr gute Rezensionen bekommen in den grossen Tageszeitungen. Für mich ist es natürlich auch interessant weil ich das Milieu genau kenne, in dem F aufgewachsen ist. Die kleine Stadt, die Schule und dann natürlich alle diese kleinen Dinge, die typisch waren für die 80iger Jahre in Schweden und die nun schon so veraltet und weit entfernt erscheinen. Aber was ich dir eigentlich gern zeigen würde ist die Art, wie das Buch geschrieben ist. Fast ein bisschen wie Seiten aus einem Tagebuch. Man muss es nicht in einem Zusammenhang lesen sondern ab und zu eine Praline davon in den Mund stecken. Doch ich muss zugeben, dass es nicht leicht ist, sich auf nur eine zu begrenzen. Ich denke diese Form würde sich ausgezeichnet eignen für eine Jugendschilderung aus dem Wallis. Der Titel: "Zwei Nusscrème und eine Moviebox" mit dem Untertitel: "Schwindelnde Verallgemeinerungen aus unseren Jugendjahren im DDR-Schweden" sagen schon etwas über das Buch.
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Du sagst, dass du mir etwas über Rilke geschickt hast aber ich habe nachgeschaut in 137@.... und da liegt nichts. Schade. Was war es genau?
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Ich habe mich gut amüsiert über deine Heldentaten am Serviertisch.. Klug von S. das Tranchieren einem Experten zu überlassen.. ;-))
Was den Filmfestival in Berlin betrifft so ist wohl auch ein schwedischer Film dort ausgezeichnet worden. Aber nicht derjenige, der für einen Oscar nominiert worden ist.
Es ist schon wieder spät und ich verabschiede mich
mit einem lieben Gutenachtgruss und K.
Malou
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