Dienstag, 12. Januar 2016

15. Januar - Re: ...


Ämne: RE: do
Datum: den 15 januari 2004 08:20


Liebe Malou
‚Vernachlässigen’ oder ‚versäumen’, eigentlich keins von beiden, meine Liebe ;--) Es ist doch eigentlich stille Liebe, oder etwa nicht?
Nein, im Ernst. Versäumen sagen wir, wenn wir irgend eine Gelegenheit verpassen. Ich versäume einen Termin, versäume meine Zeit, ich versäume es, genügend Zeit zu schlafen und so weiter.
Auf der anderen Seite vernachlässigt man sein Auto und seine Ehefrau. Sonst gibt es kaum etwas auf der Welt, was man noch vernachlässigen könnte. Na ja, vielleicht als Schüler noch die Hausaufgaben.

Was kann ich vom gestrigen Tag erzählen? Es war nichts los. Mittags war ich rasch in Basel und habe mir ein Buch bestellt. Ist von einer israelischen Soziologin. Sie wurde in einem Zeitungsartikel erwähnt und das Buch wird dort als „blendend“ bezeichnet. Es sollte schon heute dort bereit sein. Sie werden mich per Mail informieren. Ich war positiv überrascht, wie speditiv sie dort arbeiten. Ich habe für einmal eine andere Bibliothek gewählt.

Und dann habe ich bei diesem trüben Regenwetter eine Freundin getroffen in den Strassen Basels. Das kommt selten vor, denn im allgemeinen kennt mich - eingemummt in Winterkleidung und den Hut ins Gesicht gezogen - kaum ein Mensch dort. Wir haben kurz Höflichkeiten ausgetauscht - gutes neues Jahr und so - und kurz geplaudert. Und dann war ich wieder mit meinen Büchern beschäftigt.

Abends bin ich rechtzeitig heim gefahren. Ich war müde und habe eine zeitlang geschlummert. Das geht, wie Du weißt, am bessten vor dem Fernseher. Und dann habe ich alte Tonbandkasetten ausgeräumt. Walter wird heute Abend neue Geräte bringen, und ich muss ein wenig Platz schaffen. Wir haben dort unten jede Menge Kasetten, die kein Mensch mehr braucht. Einige wären aber doch ganz amüsant. Ich will W bitten, einige davon auf CD zu brennen. Darunter sind ein paar, auf denen unsere Kinder singen, die ersten Worte sagen, oder später auch Duette spielen mit ihren Flöten. Sie möchte ich gerne auf einer CD zusammenfassen und für die Nachwelt rette. Sie sind ganz nett.
Aber Du kannst Dir vorstellen, dass diese Tätigkeit, nämlich in der Vergangenheit herumzuwühlen, mich ganz schön melancholisch gemacht hat. Und um 21.00h habe ich dann noch eine Sendung über Robert Kennedy verfolgt, die ja auch nicht gerade aus der Gegenwart entstammt. Ich war erstaunt, wie wenig ich wusste von seinem politischen Leben. Na ja, ich war damals rund 15 Jahre oder so, und nicht besonders interessiert an Politik. Besonders nicht an amerikanischer. Und ich merke, wie sehr die Kennedys von den katholischen Wallisern damals idealisiert worden sind. Natürlich hat man in der Zeitung auch nicht soviel vernommen. Auf jeden Fall war ich erstaunt, wie schwierig Bob Kennedys politische Karriere war. Und wie sehr er sich mit mächtigen Leuten angelegt hatte. Der Film deutete an, dass dies es war, was ihm und seinem Bruder das Leben gekostet hat.
Ebenso erstaunt war ich zu sehen und zu hören, wenn er in öffentlichen Auftritten zu den Menschen gesprochen hat. Wie sein Bruder hatte er eine eher dünne Stimme. Und dabei war nicht soviel Rhetorik. Ich meine, es wirkte alles nicht so gekonnt, wie ich es mir vorgestallt hatte.
Na ja, viel daran macht natürlich der Zeitunterschied. Es ist jetzt 35 Jahre seit seinem Tod her.

Und dann habe ich mich auch unter die Decke verzogen. Es war eine windige Nacht, und bis in den Morgen hinein war das Brausen zu hören.

Ich wünsche dir einen schönen Tag.
GK
Rud


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Ämne: RE: Sprachliche Frage.
Datum: den 15 januari 2004 20:23


Liebe Malou
Das ist ein Abendmail, wie es seit einiger Zeit selten geworden ist. Ich habe in den letzten Jahren alles vom Büro aus geschrieben. Aber neuerdings habe ich den Eindruck, dass man dort überwacht wird. Kürzlich haben sie mich gerügt, weil ich zuviel KB in meinen Dokumenten gelagert habe. Na ja, das sind die vielen Fotos, die ich in den vergangenen paar Wochenenden gescanned habe. Da ist einiges zusammen gekommen. Das hat mir unser DJ gemeldet. Na ja, DJ ist vielleicht nicht die richtige, offizielle Bezeichnung. Aber so irgendwie kommt er mir vor. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass wir alles auf eine CD brennen können. Er meinte, dazu seien 5 CD nötig. Auch gut, machen wir eben 5 CDs.

Heute abend haben wir unser Weekly bei mir zuhause. Ich glaube, W wird eine Musikanlage mitbringen, die er nicht mehr braucht. Wir wollen sie hier installieren. Sie ist von einer guten Marke und ich glaube, mein Harem schätzt so was. Alle lieben sie Musik, vielleicht mehr als ich. Und alle lieben sie laute und moderne Musik.

Ich hoffe, meine Energie kommt allmählich wieder zurück. In letzter Zeit war ich ziemlich schlapp und hatte zu nichts Lust. Die Arbeit ist mühsam, wenn man sich für alles aufraffen soll. Ich sollte wirklich ein bisschen mehr Sport machen. Das turnt den Körper an und bringt die nötigen Energien. Aber meist habe ich das Gefühl, dass neben all meinen Interessen für Sport schliesslich kaum mehr Zeit übrig bleibe. Doch heute hatte ich mir nur mit dieser Absicht einen Weg unter die Füsse genommen. Wir hatten Aufnahmegespräche an der Pädagogischen Hochschule. Und eine Kandidatin hatte abgesagt. Mein Kollege lud mich zu einem Kaffee ein. Doch ich ging zurück in mein Büro und habe die knappe Stunde genutzt, ein paar Dinge zu tun. Und ausserdem hatte ich einen kleinen Spaziergang. Der führte mich allerdings durch den Friedhof mitten in L... Ich erinnere mich meiner Grossmutter, die mich oft dorthin geführt hatte. Ich glaube, sie besorgte das Grab ihres Mannes, also meines Grossvaters. Aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich erinnere mich bloss, dass sie nicht Friedhof, sondern Gottesacker sagte. Das fand ich eine wirklich merkürdige Bezeichnung. Und im Stillen war ich erstaunt, dass der Kerl auch noch Äcker besitzt. Ich stellte mir ihn in der Folge als Grossgrundbesitzer vor. Vielleicht sogar mit einem solchen Texanerhut, mit welchem sich auch Bush gerne zeigt?

Soweit mein neuster Stand. Je te laisse.
Mit Gruss und Kuss
...

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