Sonntag, 24. Januar 2016
5/2 - Herztropfen.. :-)
Ämne: RE: domoumneun
Datum: den 5 februari 2004 09:57
Liebe Malou
Wie kommst Du denn darauf? Ich bete genau wie Du jeden Abend zum lieben Gott um das tägliche Mail. Und wenn es nicht ankommt, dann fehlt am Morgen etwas zum Tagesanfang. Die Herztropfen sozusagen fehlen. Und man fühlt sich dann in späteren Stunden immer ein bisschen mehr verwundbar als es wäre, wenn man gestärkt durch diese raffinierten Medizin den Tag beginnen könnte.
Aber ich weiss schon, es gibt Momente, da sind andere Dinge wirklich wichtiger. Das muss man einsehen.
Ich habe Deine Bemerkung über Katzen auch nicht als Kritik gelesen. Ich fand es bloss lustig, welche Differenz bestand in dem, was ich sah und in dem, was hier zu sehen war. Na ja, Du könntest behaupten, das stütze gerade Deine Hypothese. Umso mehr spricht mein Mail-Inhalt mehr für mich als für die Katzen. Das sehe ich ziemlich klar. Deine Präzisierung ist hilfreich: Märzkatzen heissen sie, weil sie im März nach Liebe schreien. Die Jungen sind dann erst im Mai da. Ich habe gedacht, die Jungmannschaft zeige sich schon im März.
Wir hatten leider nie eine Katze. Erst in späteren Jahren, als ich schon lange ausgezogen war, fand ich zu meinem Erstaunen eine Katze in unserer Wohnung herumschleichen. Ich konnte das kaum begreifen. Mein Vater war immer strikte dagegen gewesen. Aber dann, eben in späteren Jahren, durfte dieses Ding ihm schnurrend beim Mittagsschläfchen auf dem Bauch liegen. Ist denn so was zu verstehen?
Ein Bild von Rilke. Schön, dass Du Dich für unseren Dichterheiligen einsetzt. Aber es gibt nicht viele Bilder. Auf jeden Fall gibt es kaum ein gutes, einprägsames Bild von ihm. Kürzlich habe ich irgendwo ein neues gesehen, welches ich bisher noch nie gesehen hatte. Er erschien darauf ziemlich jung. In unserem Schulbuch fand sich ein Bild einer Skulptur Rilkes. Sie war ein bisschen idealisierend abstrahiert. Das hat den Dichter umso mehr in die Ferne gerückt, als er es ohnehin schon war. Aber ich vermisse sein Bild eigentlich nicht so sehr. Auf allen, die ich bisher gesehen habe, erschien er mir ein bisschen zu feminin und zu gay-haft. Na ja, das war er vielleicht auch.
Du rückst politisch langsam nach rechts, Malou, bist Du Dir dessen bewusst? Die Angst gegen Einwanderer ist die Angst der Rechten, der Alten und der Konservativen. Ich gehöre auch langsam dazu. In der Schweiz ist es nicht anders. Wir haben viele bilaterale Abkommen mit der EU. Und wir schützen uns durch eine allmählich eingeführte Personenfreizügigkeit. Viele haben hier Angst, dass unser Land von Griechen, Portugiesen und Türken überschwemmt würde. Na ja, das ist es - ehrlich gesagt - schon heute. Es gibt jede Menge Jugoslawen hier, und sie sind meist ziemlich robuste Menschen. Ich finde auch, dass wir in unser Land, ein attraktiver Lebensraum, den sich viele Menschen wünschen, die best ausgebildeten und fähigsten Leute einreisen lassen sollten, und nicht arme Schlucker, die man zuerst 2 Generationen lang ausbilden muss, bis sie informationsmässig auf unserem Niveau sind. Aber das läuft nicht so, und vielleicht ist es auch nicht so schlimm. Meist sind die Unterprivilegierten die tüchtigsten Menschen. Und Auswanderer haben eine gewisse Stärke in sich, sonst würden sie nicht auswandern. Mit diesen Gedanken versuche ich mich zu beruhigen, wenn im Tram hinten und vorne die Jugoslawen lärmen.
Na ja, der Iran. Sie machen dort drüben wirklich nur langsame Fortschritte. Aber wir dürfen sie auch nicht mit unseren Massstäben messen. Habe ich Dir erzählt, wie unterschiedlich das türkische Fernsehen wirkt, je nachdem, ob man es in Teheran oder hier in Basel sich ansieht. Es ist wirklich eklatant. In Teheran sieht es verwestlicht aus, schon beinahe verkommen mit ihren hübschen Frauen. Und hier in Basel sehen die Sendungen dieser Station so orientalisch und sehr geschlossen aus. Das fällt besonders bei Diskussionen auf. Die Leute sitzen still, fast ohne Bewegung im Körper, für Stunden. Sie sitzen in einer Reihe und sie sind ziemlich dunkel und einheitlich angezogen. Und sie reden in langen Sermonen, ohne Betonung, ohne viel Ausdruck, ohne Akzentuierungen.
Ja, hat mal ein junges Mädchen behauptet damals in Olten, ich hätte einen grossen Junggesellenteil in mir. Und S. findet das manchmal auch. Aber zur Zeit, als unsere Kinder klein waren, haben wir viel gemeinsam gemacht. Ich habe ganze Samstage im Garten gearbeitet, und die ganze Familie war rundum. Ich erinnere mich - lustige Situation - wie wir, A und B und ich, Einfasspapier für die Schule bemalt haben. Ich hatte von irgendwoher eine grosse Rolle Restpapier. Dies legten wir vor dem Haus auf den Steinplatten aus. Sie muss 15 oder 20m lang gewesen sein und vielleicht 1m breit. Diese Papierstrasse haben wir mit hellblauer Fischkleistermasse dünn bestrichen und dann mit dunkelroten Figuren versehen. Wir hatten einen ganzen Waschkübel mit diesem Kleister angemacht. War eine gute Arbeit mit den riesigen Pinseln. Ich erinnere mich, wie die Sonne heiss vom Himmel brannte. Aber das Papier hat dann mindestens 2 Schuljahre hingehalten und hat verdammt gut ausgesehen. Es war ziemlich robust durch den Fischkleister. Einmal habe ich meine Töchter in Ton modelliert. Ich habe die zwei kleinen Porträts heute noch. Sie sind nur faustgross, sehen aber ganz hübsch aus. In jener Zeit war ich viel zuhause. Und an Wochenenden haben wir Spaziergänge gemacht. Als A in der 3. oder 4. Klasse war, gingen wir zusammen Vögel beobachten mit unserem Feldstecher. Sie kannte all die gefiederten Freunde viel besser als ich und hat mir erklärt, welcher Vogel wie heisse.
Aber heute, da die Kinder ausgeflogen sind, sind die zentrifugalen Kräfte wieder stärker geworden. S arbeitet zeitweise. Samstag macht jeder, was er mag. Nur wenn wir eine Einladung haben, müssen wir uns ein bisschen organisieren. Und das geht nicht schlecht so.
Ich muss, es ist schon 9.00h. Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Ges und Kas
...
Ämne: Herztropfen.. :-)
Datum: den 5 februari 2004 18:41
Lieber ...,
Mir fällt ein Stein vom Herzen, wenn ich dein Mail lese. Und dass du immer noch fleissig meine Herztropfen schluckst macht mich besonders froh. Denn siehst du, es spielt keine Rolle wieviel Wundermittel man jemanden schickt, wenn sie der Empfänger unbeachtet liegenlässt - oder vielleicht hinunterschluckt ohne an ihre Wirkung zu glauben.
Ich habe gerade einen Braten aus dem Ofen genommen und es duftet ganz herrlich im Haus. Sollte es das eigentlich tun mit dem neuen Ventilator? ;-)) Und ich habe das Fleisch diesmal so gut gewürzt, dass es himmlisch schmeckt. Aber, wie man sagt, Hunger ist der beste Koch und ich hatte nur etwas ganz kleines zu Lunch gegessen. Schon eine halbe Stunde später sollte ich zu meinem Lohngespräch mit dem Direktor. Zuerst habe ich ihm gesagt was ich von solchen Gesprächen halte und wir hatten eine kleine Diskussion darüber. Na ja, sowas soll man natürlich nicht tun. Das weiss ich auch. Aber ich sehe mehrere verbal begabte Menschen um mich herum, die schlechte Lehrer sind aber scheinbar ein grosses Ansehen haben (oder hatten?) weil sie so viel Reklame für sich machen. Und dass die Schüler nicht protestieren, beruht darauf, dass diese Lehrer dann sehr gute Noten geben. Na ja, ich kämpfe ein bisschen für die Kategorie Sprachlehrer. Da sieht man deutlich das Resultat und kann nicht so gut mogeln. Verzeih mir, .... Das hier ist sicher langweilig.
Übrigens hatte unser Direktor heute eine kleine Kunstausstellung mit eigen gemalten und gezeichneten Bildern. Es war garnicht schlecht. Einige waren sogar sehr gut gemacht und so ist er ein wenig in meinen Augen gestiegen.
Wie lustig wenn du von der schnurrenden Katze auf dem Bauch deines Vaters erzählst. Ja, sie können die Männer für sich gewinnen, die weiblichen Katzen. Einmal als ich mit meinen Eltern verreist war, musste K währenddessen in Uppsala den Garten und die Katzen betreuen. Er hatte anfangs überhaupt nichts übrig für solche Tiere aber dann beschrieb er alle ihre Vorhaben so, dass man deutlich sehen konnte wie sehr sie ihn interessierten. Glaubst du Katzen machen einen Unterschied zwischen Mann und Frau? Wenn ich zurückdenke, waren es immer die weiblichen, die sich zu meinem Onkel suchten und wie bei deinem Vater auf ihm lagen und schnurrten. Ich würde so gern wieder eine Katze haben, aber unsere Nachbarn hier haben mehrere und es würde sicher zu Schlägereien kommen. Auch wäre es wohl schwer, sie im Sommer in den Norden mitzunehmen. Unser Nachbar dort oben, der Jugendfreund von K, bringt seine jeden Sommer von Stockholm mit hinauf. Und in den hellen Nächten sieht man sie auf unserem Weg zur Landstrasse hinauf sitzen und auf Mäuse lauern. Aber was ich eigentlich sagen wollte: wenn sich die Zeit nähert, wenn die Leute aufbrechen müssen, ist die Katze oft verschwunden und dann beginnt ein nervöses Suchen.
Ich bin schon etwas neugierig auf die Pferde, die der neue Nachbar bei uns will weiden lassen. Es ist gut, dass die grossen Wiesen zur Anwendung kommen, damit sie nicht ganz zuwachsen. (sagt man so?) Aber es ist noch eine lange Zeit bevor es Sommer wird. Allzu lange!!
Auch über K hat man oft gesagt, dass er ein Typ ist der überhaupt nicht eine Familie haben sollte. So hat er es eigentlich gut getroffen, wenn er die ganze Woche als Junggeselle leben kann und nur auf sich selbst angewiesen ist. Aber auch ich bin daran gewöhnt.. und ich bebe ein bisschen vor der Zeit, wenn wir schliesslich zusammenziehen müssen. Du kannst dir ja denken, welche Umstellung das sein wird für beide. Aber vielleicht gewöhnt man sich daran.. ;-)) Villeicht... Jedenfalls wird es billiger, denn jetzt bezahlen wir doppeltes Wohnen.
Was die Einstellung zu den neuen EU-bügern betrifft, sind es die Sozialdemokraten, die Restriktionen einführen wollen und es gilt jetzt für sie, dass sie eine der bürgerlichen Parteien dafür gewinnen können. Ein bisschen schmunzeln muss ich über deinen Rutsch nach rechts.. du, ein ehemaliger 68-iger.
Dein Töchter haben sicher viel schöne spannende Erinnerungen mit dir. Ich sehe euch vor mir. Ich bezweifle keinen Augenblick, dass du ein guter Vater warst.. und immer noch bist.
Jetzt werde ich noch ein wenig vorbereiten für morgen und mir dann einen gemütlichen Abend machen. Gern würde ich ihn in Gesellschaft eines Mausgeliebten verbringen.
Ich wünsche dir alles Gute für den neuen Tag,
Malou
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