Mittwoch, 13. Januar 2016

Küss mir Deine süsse Waschmaschine ...


Ämne: Alltag..
Datum: den 16 januari 2004 00:45


Liebster Mausfreund,
Heute war ich aber erstaunt, als ich dein Abendmail fand. Oh, du bist lieb!!! Und immer wieder bringst du Freude und Frische in mein Leben. Dafür danke ich dir sehr. Und natürlich bringst du mich, wie so oft zum lachen. Ja, es ist ein komisches Wort dieses Gottesacker. Und wie du über den lieben Gott hergehst. Aber ich bin sicher, dass er ein Auge zudrückt. Bei einem Menschen, der so viel Freude in der Welt verbreitet, kann er nicht anders. :-)

Lustig,  wie du neulich über die Hölle geschrieben hast. Ich glaube nicht an die Hölle, aber schon ein wenig an den Himmel. Ich habe heute wieder mal in der Kantine gegessen. Ich ging ziemlich spät dorthin und da sass noch eine nette Kollegin (du hast sie auf einem Stockholmsbild gesehen mit mir). Und als wir uns so ganz fröhlich miteinaner unterhielten, kam unser Direktor herein. Ich habe ihn kurz vor Weihnachten ziemlich ausgeschimpft und ich dachte "Mein Gott, lass ihn sich nicht an unseren Tisch setzen". Aber da alle anderen Tische schon leer waren, setzte er sich neben mich. Na ja, als Lehrer hat man schon ein wenig Schauspielertalent. Jedenfalls kam das Gespräch dann irgendwie auf solche "nach dem Tod-erlebnisse" von denen man manchmal hört. Wie man durch einen Tunnel gezogen wird und ein grosses starkes Licht sieht. Die Kollegin hatte so etwas erlebt und sie erzählte von dem starken Gefühl von Wärme und Liebe, das sie spürte. Sie hätte die ganze Welt umarmen können. Und der Chef meinte "Ach, das war der Grund neulich ..." Es war ein lustiger Kommentar über den wir alle lachten. Aber was ich sagen wollte. Ich habe einmal etwas ähnliches erlebt aber es war so stark und überwältigend, dass ich nie genug Worte dafür gefunden habe. Und wie sollte man einem Menschen sowas auch erklären können?
*
Heute Nacht habe ich endlich mal richtig ausgeschlafen. Und dann habe ich  "den Stier an den Hörnern genommen" und habe eine neue Waschmaschine und sogleich auch eine Spülmaschine gekauft. Es gibt ein Geschäft in der Nähe, das Electroluxapparate führt und so habe ich diese Dinge hier gekauft, obwohl ich sie wahrscheinlich zu einem besseren Preis bekommen hätte in einem grossen Kaufhaus. Aber es ist praktisch und sie werden die Apparate schon morgen installieren und auch die alten mitnehmen. Und dann habe ich mich noch in meiner Vortrefflichkeit übertroffen und am Heimweg mein Auto gewaschen. Man konnte kaum mehr sehen welche Farbe es hatte,  und ich wollte auch die Spuren von neulich wegwischen. Und schliesslich habe ich den Weihnachtsbaum hinausgeworfen und aufgeräumt. So bin ich einigermassen zufrieden mit diesem Tag.
Am Abend kam die Nachbarin noch kurz herein. Sie ist immer so gestresst und kann sich kaum auf etwas konzentrieren, wie z.B. einen Film ansehen. Wir haben uns ein wenig unterhalten und dann habe ich sie (mit List ;-) dazu gebracht, die ersten 10 Minuten des Films "A beautiful mind" anzusehen (auf Video). Und sie hat ihn mitgenommen um ihn zu Hause fertig zu sehen.
Kennst du den Film? Von dem Leben des Nobelpreisträgers, der Schizofreni hatte. Man kann ihn sogar mehrmals sehen. Er wird immer besser mit jedem Mal. :-)

Ich habe meine alte treue Waschmaschine fotografiert. Eigentlich um dir zu zeigen, wie bequem ich es habe. Gleich neben der Küche ist meine kleine Waschküche. Sie unterscheidet sich sehr von denen, die man als Kind gewöhnt war. Oft hatte man sie unten im Keller, wo es immer ein wenig roch von der Ölheizung. Aber davon gibt es hier nichts. Gegenüber der Waschmaschine steht der elektrische Heizkessel. Auch der ist ein so sauberes weisses Ding, wie der Schrank neben der Waschmaschine, mein Trockenschrank, oder wie das nun auf deutsch heissen kann.
Ich schicke dir ein Bild davon mit.

die alte treue ...

Oh, schon wieder spät. Ich muss ins Bett. Vor zehn sagst du doch, und jetzt ist es schon nach elf. Ich werde mich bessern müssen.

Ich grüsse dich lieb und wünsche dir viel schöne (auch moderne) Musik in den Ohren. Es ist schön, dass du mir von zu Hause schreiben kannst. Abendmails sind etwas Besonderes. :-)

Weisst du übrigens, dass ein Bild, das du auf den PC legst, wahrscheinlich genau so viel Platz nimmt wie ungefähr tausend (ja 1.000) Mails von mir. Denn ich glaube du speicherst sie oft als BMP. Aber vielleicht irre ich mich. Die Computer werden langsamer, wenn man so viel drauf hat. Aber 5 CD's??? Da übertreibt er wohl gewaltig.

OK Nun doch gute Nacht, mein lieber Mausfreund,
Malou

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Ämne: Küss mir Deine süsse Waschmaschine ...
Datum: den 16 januari 2004 22:20


Liebe Malou
Das ist das zweite Mail aus der warmen, dunkeln Ecke in der Stube. Ich habe heute Nachmittag ein Buch gekauft, bin an der Lektüre, und muss jetzt eine kleine Pause machen. Ich werde Dir später erzählen, worum es geht. Es ist ein Buch über eine soziologische Arbeit, kann ich sagen, um Dich ein bisschen neugierig zu machen.

Bei Euch oben ist jetzt ziemlich kalt, nicht wahr. Im Fernsehen haben sie Situationen aus Kanada gezeigt, wo die Temperatur unter 50° gesunken sein soll. Ach, das muss schön sein. Niemand kann erwarten, dass du das Haus verlässt. Es friert dir ja gleich die Nase ab. Nein, jeder bleibt zuhause, verkriecht sich mit einem schönen Buch hinter den Ofen und kommt erst nächste Woche wieder hervor um nachzusehen, ob sich das Klima von einer freundlicheren Seite zeigt. Ach, so was würde ich jetzt geniessen. Vielleicht würde ich überhaupt nicht mehr aus dem Bett steigen, obwohl mir das im allgemeinen nach 9 oder 10 Stunden schwer fällt. Ich würde zuhause herumhängen und Zabbaione schlürfen zur Lektüre.

Du bist tüchtig, scheint mir, und dass Du mir ein Bild Deines Maschinenparkes in der Waschküche zeigst, finde ich schon fast rührend. Waschmaschinen haben ja eine geradezu erotische Ausstrahlung, nicht wahr. Das bemerkt man aber nur, wenn man sich an die zahlreichen Filmszenen erinnert, die in Waschsalons spielen. Das ist ein idealer Ort, denn dort kommen am ehesten Singles zusammen. Und es ist vielleicht einer dr wenigen Orten, wo man Männer etwas linkisch und tapsig zeigen kann. Der Waschsalon ist nach dem ST vielleicht der zweitbeste Ort, das Allerliebste zu finden. Und er ist natürlich dem ST an Sinnlichkeit haushoch überlegen, wenn man bedenkt, dass man nebenbei farbige Slips, hübsche BHs und andere nette Dessous zeigen kann. Ach, wenn ich es mir so überlege, finde ich Deine Waschküche der romantischste Ort, den ich in den letzten 10 Jahren gesehen habe. Ich würde dort ganz gerne sitzen, vielleicht das Time Magazin lesen und ab und zu auf das Glasfenster des Waschautomaten sehen und staunen, wie meine Jeans dort Purzelbäume schlagen. Und natürlich würde ich hinüberschielen auf die hübsche Blondine, die zwei Maschinen weiter lachsfarbene Unterwäsche in den Apparat stopft und mir dabei einen aufregenden Hintern entgegenstreckt. Ach, so ein Waschsalon ist im Grunde wie in der Zeitung die Seite der „einsamen Herzen“. „Junge Blondine mit spannendem Po sucht graumelierten Time Leser“.
Es gibt hier in der Schweiz kaum solche Waschsalons. Und ich weiss nicht weshalb. Hier scheinen die Menschen zu denken, man lerne den Lebenspartner oder auch die sie am besten in der Bar um die Ecke oder in der Kantine am Arbeitsplatz kennen. Es gibt kaum Waschsalons. Weshalb - zum Teufel -gibt es bei uns keine Waschsalons? Wenn man schon an die viele schmutzige Wäsche denkt!

Nun ja, Malou, vielleicht hat meine Fantasiererei mit dem Buch zu tun, welches ich gerade lese. Aber ich will wirklich nicht mehr verraten. Es ist ein Fachbuch! Das soll genügen.
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Ist ein bisschen komisch, was mir hier im Mail eingefallen ist. Vergieb mir, Malou. Es ist ja nun mal Freitagabend, da lässt man alle Disziplin und alle Hüllen fallen.
Mit G+K
...

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