Mittwoch, 20. Januar 2016
28/1 Alltäglich
Ämne: Endlich ein bisschen Schnee
Datum: den 28 januari 2004 08:31
Liebe Malou
Na ja, Dein Hähnchen, ich beneide Dich eigentlich darum. Ist doch für 2 Personen gedacht, ein ganzes, nicht wahr. Zwischendurch Hähnchen vom Grill mag ich eigentlich ziemlich. Obwohl man ja daran denken sollte, was in diesen Hähnchen alles an Fremdstoffen drin sein könnte. Finde ich gut, dass Du sofort reklamiert hast. S. würde dasselbe tun. Nur die Männer sind doch in diesen Dingen sehr genierlich. Sie wollen meist kein Aufsehen erregen. S. ist als Konsumentin sehr selbstbewusst. Ich glaube, sie tut das wie ihre Mutter. Sie spielen den Vorteil aus, dass der Kunde König sei, 100% aus. Wenn nicht gar 120%. Und das finde ich schon ganz in Ordnung.
Gestern hatte ich einen wilden Tag. Morgens war ich damit beschäftigt, die Dossiers der neuen Bewerbungen an die pädagogische Hochschule zu studieren. Und nachmittags hatten wir dann die Gespräche mit den Kandidaten. Respektive Kandidatinnen. Das braucht einfach den ganzen Tag Zeit. Aber es ist auch ziemlich anregend, weil man neue Leute sieht. Manchmal sind sie ziemlich langweilig, manchmal aufregend, meist sehr aufgeregt, zumindest zu Beginn des Gesprächs. Es handelt sich dabei um eine neue Art von Ausbildung, bei der die Kandidatinnen nur zwei Tage pro Woche in der Schule sind. Die übrige Zeit sind sie zuhause, geben ihre Arbeiten via PC ein oder arbeiten. Man sagt ihnen, dass sie 50% daneben arbeiten können. Den Rest mit einem guten Stück Freizeit brauchen sie für ihre Ausbildung. Und natürlich gibt es jedes Jahr Leute, die diese Chance packen möchten. Vor allem sind es Leute, die schon in der Arbeit stehen, schon verschiedenes gemacht haben, oder die schon immer den Wunsch hatten, Lehrkraft zu sein, aber vielleicht schulisch nicht die nötigen Voraussetzungen hatten.
Heute hat unsere A Geburtstag. Leider habe ich nicht mal Zeit für ein gemeinsames Mittagessen. S. fährt nach Basel und ich glaube, auch B wird dabei sein. Ich werde später mal mit ihr dinieren, habe ich versprochen. Wir wollen ohnehin in nächster Zeit mal ins Theater, und da könnten wir vorher gemeinsam essen, um das Spektakel mit einem „Vorspiel“ anzufangen.
Hier schneit es ziemlich. Ich habe mir heute morgen lange überlegt, ob ich mit dem Auto ins Büro fahren soll. Ich muss nach Laufen, sollte um 13.00h dort sein. Und wenn die Strassenverhältnisse schlecht sind, könnte das leicht eine Zitterpartie werden. Aber ich glaube, ich werde das schaffen. Man kann im Schnee gut Auto fahren, darf allerdings nicht zuviel Tempo haben. Ich bilde mir ein, als (fast) Walliser gut mit Schneestrassen und auch mit Schneebergstrassen gut umgehen zu können. Aber ich muss andererseits auch zugeben, dass ich seit Jahren keine Übung mehr habe mit solch abenteuerlichen Projekten. All das ist so lange her.
Im Büro finde ich es ganz gemütlich bei diesem Wetter. Und wenn man an die Leute denkt, die dauernd unterwegs sein müssen, dann ist das Büro geradezu königlich. Wenn ich auf den Turmplatz hinunterschaue, kann ich alles nachempfinden, was die Leute bei diesen Schneeverhältnissen und diesen Temperaturen empfinden. Es ist wirklich eine göttliche Sicht, die ich hier habe.
Wahrscheinlich sind die Verhältnisse hier gar nichts verglichen mit Eurem Winter dort oben. Aber ihr seid das ja gewohnt. Ihr vermisst den Schnee, und ihr werdet unglücklich, wenn die Temperaturen nicht bei -20° herumhängen, nicht wahr? Eigentlich möchte ich gerne mal einen skandinavischen Winter erleben. Ich stelle mir vor, dass die Leute meist zuhause bleiben und aus dem Fenster schauen.
Jetzt muss ich ran. Ich wünsche Dir einen schönen und vielleicht verschneiten Tag.
Mit Gs und Ks
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Subject: RE: endlich ein bisschen Schnee
Date: Wed, 28 Jan 2004 17:03:06 +0100
Liebster Mausfreund,
Ach nein, wir haben uns schon seit langem von den perfekten Wintern entfernt. In unserer Region muss man heutzutage fast froh sein, wenn überhaupt noch genug Schnee kommt zum Ski fahren. Aber jetzt haben wir doch schon eine längere Periode mit Schnee gehabt. Im Moment schneit es auch ein wenig und Himmel und Erde haben fast dieselbe Farbe, d.h. grauweiss. Man sieht nicht wo sie sich begegnen. Ist auch schön.. Fast ein bisschen romantisch mit der schwarzen Silhuette des Baumes gegen diesen Hintergrund.
Ich habe eigentlich sehr viel zu tun, aber ich will noch nicht... ;-) Ich schiebe es vor mir her. Die Inventur, die Benotung, die Papierberge... Na ja, du kennst das sicher auch sehr gut.
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Es ist lustig, und ich weiss nicht einmal ob du dir bewusst bist, dass du in deinen Mails jetzt öfters an den Wallis zurückdenkst. Sogar im Zusammenhang mit dem Iran denkst du daran. Und dabei denke ich, dass du vielleicht wissen möchtest, ob ich noch mit dem Visper in Kontakt stehe. So ist es: Ich habe noch nicht den Kontakt mit ihm verloren aber wir schreiben uns sehr selten und auch dann nur einen kleinen Gruss und vielleicht ein paar Worte über das Wetter oder den neuen Hund. Was ich nicht ausstehen kann ist, dass er immer noch ganz verrückt ist auf "den anderen Visper" und er ist mir ständig böse, weil ich ihm nicht den Namen "verraten will". Und warum sollte ich? Unsere Mailerei ist unsere private Sache. Wenn ich anfangs gewusst hätte, dass du nicht nur irgendein Bekannter aus dem ST sondern viel mehr für mich bedeuten würdest, hätte ich ihm überhaupt nicht gesagt, dass ich komischerweise noch einen Visper kennengelernt habe. Das interessante an dir war ja anfangs gerade die Tatsache, dass du aus Visp kamst.
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Ich schicke dir dies ab, weil du vielleicht gerade um diese Zeit in die Mailbox schaust.. und schreibe dir dann weiter.
Mit lieben Grüssen
à bientôt,
Malou
Ämne: Fortsetzung
Datum: den 28 januari 2004 19:11
Neulich hatten wir unsere schwedische Filmgala. Ich hatte mich dabei aufs Sofa gelegt und wollte eigentlich schlafen, aber das schien ganz unmöglich und so habe ich eben gesehen, wie die "völlig ürberraschten" Schauspieler ihre Preise empfangen haben. Viele der Preisträger machten es Cotzee nach und dankten ihren Eltern.. ;-) Einen besonderen Ehrenpreis bekam Erland Josephson, der damals die Hauptrolle in "Szenen aus einer Ehe" spielte und dann auch in der Fortsetzung "Treuelos" zu sehen ist. Ich mag diesen Mann und seine Art. Und auch bei dieser Gelegenheit hat er das Publikum begeistert mit seiner (gespielten?) totalen Aufrichtigkeit. Lege dir zwei kleine Bilder bei aus diesen Filmen. Jetzt ist er schon alt und ich glaube er leidet an einer schweren Krankheit. Das Leben ist hart mit uns Menschen.
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Ich habe immer noch nicht herausgekriegt, wie es eigentlich war mit diesem wissenschaftlichen Rapport über Männer contra Affen. Aber wenn immer man das Thema berührt so bringt es viel Gelächter und Spekulationen hervor. Ach, mein Liebling, ich muss immer noch lachen über deine Reaktion. Ich meine, dein Verdacht dass da boshafte Frauen dahinter liegen müssten.
Das Mittel, das man den Kindern mit Lernschwierigkeiten gegeben hatte hiess Omega-3. Ich denke du kennst es schon. Es soll dazu beitragen, neue Verbindungen im Gehirn herzustellen. Und man betonte besonders, dass dies nicht nur jungen Menschen gilt, wie man früher geglaubt hatte. Ich habe mich immer schon gefragt, was man neues entdecken wird, das die Menschen im nächsten Jahrhundert unsere Zeit als unwissend betrachten wird. Und hier gibt es ein Gebiet auf dem man riesige Fortschritte macht. Sag, will man eigentlich so viel wissen? Und wahrscheinlich bleibt doch am Ende eine Dimension, die sich nicht biologisch erklären lässt.
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Ach, ich plaudere so dahin. In der Italobar könnte man so reden und vielleicht dem guten Wein die Schuld zuschreiben. Aber hier gibt es garkeine vermildernde Umstände. :-)
Ich würde so gern dir gegenübersitzen. Warum nicht in dem Café, das du von deinem Bürofenster aus sehen kannst. Erinnerst du dich, wie wir manchmal bis vier Uhr morgens in der Bar geblieben sind? Ich habe mich damals gefragt wie um Himmels Willen du deine Abwesenheit dann zu Hause erklärt hast. Oder war man schon daran gewöhnt, dass du manche Nächte ganz einfach weggeblieben bist?
Jetzt muss ich wohl schliessen für heute.
Ich wünsche dir einen schönen Abend,
Malou (und hier unten noch die Bilder)
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Ämne: Daily soap
Datum: den 28 januari 2004 20:32
Liebe Malou
Heute habe ich mir einen lockeren Nachmittag gemacht. Ich war in Laufen. Und wegen des Schnees habe ich mir viel Zeit reserviert für die Fahrt über den Berg. Nun, ich habe mir die Situation so vorgestellt, wie man sie früher im Wallis angetroffen hat: viel Schnee, steile Hänge, enge Strasse. Aber hier war alles so harmlos, dass ich in der gewohnten Zeit dort war. Und so bin ich auch früher wieder zurückgefahren und bin gleich heim, habe mich aufs Sofa geknallt und eine gute Stunde geschlafen. Na ja, das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen energielos an. Aber es hat gut getan. Und vor dem Schlaf habe ich nicht vergessen, eine tüchtige Portion Spaghetti aufzuwärmen. Aus irgendwelchen, unerfindlichen Gründen mag ich Spaghetti. Vielleicht weil S sie so selten kocht. Und zum Schluss war da noch ein Stück Kuchen übrig von A's Geburtstag. Natürlich kann man sich, wie der Wolf mit den sieben Geislein im Magen, bei einer solchen Portion gut hinlegen. Am Fernsehen haben sie gezeigt, wie das Empire State Building und die Brooklin Bridge in NY gebaut wurden. Das hätte mich doch sehr interessiert. Trotzdem sind Turm und Brücke immer weiter in den Wolken entschwunden und erst eine knappe Stunde später bin ich in so einer Ärzteserie wieder erwacht. Es ging um Notoperationen, um geheime Liebschaften zwischen Ärzten und Schwestern, und um all das, was uns die Filme über Spitäler vorgaukeln. Und jetzt bin ich hier, lese ein bisschen vor mich hin und höre Deine CD von der Gréco. Sie ist immer noch wunderbar, wenn man auch ein bisschen erstaunt ist, wie nackt sie damals gesungen haben. Es ist fast nur die Stimme, ohne irgendwelche Begleitung. Heute braucht es doch weit mehr Technik. Ich mache mir sozusagen einen französischen Abend.
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Aber immerhin bilden in meinen inneren psychischen Sedimenten die französischen Chansons eine tüchtige Lage unter jener der englischen Musik mit den Beatles und den Rolling Stones. Die legten sich später drüber. Das war eine spätere Zeit. Und noch heute erinnere ich mich an eine wunderschöne Sendung auf einem jener französischen Sender, die jeweils abends bei der Dämmerung ausgestrahlt wurde. Es war ein Interview, ein sehr persönlich gehaltenes Gespräch in sehr vertraulichem Ton, unterbrochen von Musik. Das fand ich jeweils sehr schön. Vielleicht auch deshalb, weil man sich anfangs in seiner Studentenbude schon ein bisschen einsam fühlt.
So war das Französische mein erster Schritt hinaus. Meine Reise nach Paris, per Autostop, mit einem Schulfreund, der letztes Jahr in den Bergen umgekommen ist, war meine erster freier Ritt in diese damals noch weite Welt. Na ja, vorher war ich in England gewesen. Aber das war alles von der Schule organisiert. Da war ich bloss halbfrei.
Paris war wie ein Frühling. Du kannst das verstehen, Malou, nicht wahr. Ich erinnere mich noch genau jenes Momentes, als wir von der Metro auf eines dieser Boulevards hinaufgestiegen sind. Es war eine wunderbare weite Strasse mit Bäumen zu beiden Seiten, das ganze in goldenes Abendlicht getaucht. Ach, es war wunderschön. Es war genau so, wie Sempé diese Strassen gezeichnet hat.
Mein Freund wollte seine Freundin besuchen, für die er so sehr Sehnsucht empfunden hat. Ich wollte meine englische Brieffreundin besuchen. Und das taten wir auch. Sie (sie hiess Brigitte) hat ihn nicht erhört, war dann lange mit einem Medizinstudenten zusammen und hat schliesslich einen Typen aus Zermatt geheiratet. Und mein guter Freund hat eine Genferin zur Frau genommen. Das war bestimmt nicht schlecht, obwohl ich das nicht so genau beurteilen kann, weil ich sie nie kennengelernt habe.
Du siehst, wie bei dieser französischen Musik mein altes Süppchen wieder hochkocht. Das Leben ist eine merkwürdige Veranstaltung, nicht wahr?
Mit lieben Gs und Ks
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