Freitag, 29. Januar 2016

14/2 - Samstags.. auf dem Flohmarkt


Ämne: samstags um vier bei kaffee und kuchen
Datum: den 14 februari 2004 16:59


Liebe Malou

Heute haben wir hier wunderbares Wetter. Man denkt, es sei schon Fasnacht, obwohl wie ich mich gut erinnern kann, Fasnacht in den letzten Jahren deutlich kühler gewesen war. Ich bleibe dabei, an Samstagen auch zu arbeiten. Das geniesse ich richtig. Heute morgen hatte ich einen Termin mit einem Jüngling. Er will eine Ausbildung machen und hat ziemliche Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Na ja, wir werden ihm eine kleine Förderung verschreiben. Ich glaube, er hat viel guten Willen und kann noch einige Fortschritte machen. Es war ziemlich gemütlich. Wir haben zusammen einen Kaffee getrunken und über seine Schulzeit geredet.  ...

Und eben bin ich von Basel heimgekehrt. Ich war in einer Buchhandlung, um mich nach neuen sozialwissenschaftlichen Büchern umzusehen. Und da habe ich zufällig den Flohmarkt auf dem Platz neben der Universität entdeckt. Und natürlich habe ich eine Runde gemacht, aber nichts gekauft, Ehrenwort! Manchmal juckt es einen in den Fingern, aber heute hatte ich keine Mühe. Es gibt viel Ramsch, und es ist erstaunlich, was die Leute alles kaufen. ich glaube, neben der Dutzendware, die man in Kaufhäusern findet, haben diese alten, verrosteten und halb zerbrochenen Dinge die goldene Aura der Trouvaille. Man fühlt sich nobilitiert durch das Gefühl, der einzige auf dieser Welt zu sein, der dieses ulkige Ding besitzt. Und das hat schon was an sich. Man ist wirklich der Einzige, wenngleich manchmal bloss der einzig Dumme. Aber es ist ja auch eine nette Freizeitbeschäftigung. Habe ich Dir erzählt, dass ich vor nicht zu langer Zeit so eine Kanne aus Zinn (Walliserkanne) und einen dazu passenden Becher gekauft habe. In den Deckel ist eingraviert ‚Zum 40. Arbeitsjubiläum Deine Arbeitskollegen’. Das amusiert mich und ich freue mich auf die Gelegenheit, mit dieser Kanne und der Gravierung ein Spielchen zu treiben. Nun ja, um 40 Jahre zu erreichen, muss man ja beinahe gleich nach der Schule in einen Betrieb eingetreten zu sein. Und so was habe ich niemals in meinem Leben geschafft. Aber im Moment steht die Kanne unbenützt auf meinem Büchergestellt, und in den Becher habe ich eine tüchtige Menge Farbstifte gestellt. Das sieht gut aus.

Und dabei sollte ich noch einen Brief schreiben für die Freundin, deren Mann gestorben ist. Das ist im Moment nicht leicht. Ich muss schauen, wann ich dazu in richtiger Stimmung bin. Heute Abend haben wir Gäste, und ich sollte nicht zu spät heimkehren. Es gab mal diese komische Situation, als ich gleich mit den Gästen gemeinsam heimkam und an der Türe stand. Aber ich glaube, das war während der Woche. Das sollte ich eigentlich heute vermeiden. Die Gäste sind jene, die wir mal zusammen in Beaumes getroffen haben. Eines der Ehepaare besass damals ein schönes Landhaus im Burgund. Und das andere Paar sind ein Arzt und eine Filmkritikerin. Und das dritte Paar sind ein Bankdirektor und seine Frau, die sehr hübsch ist und aus Panama stammt. Ich hoffe, wir werden einen unterhaltsamen Abend haben.

Ich wünsche Dir ebenso ein gutes Wochenende
mit lieben G+K
...

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