Dienstag, 26. Januar 2016
10/2 - Dienstag
Ämne: Dienstag
Datum: den 10 februari 2004 08:59
Liebe Malou
Braucht es denn in Schweden, um Polizistin zu werden, ein Gymnasium? Das wäre hier keinesfalls so. Und wir haben im Moment in der Schweiz die Diskussion, dass die Universitäten zu billig seien. Jeder kann studieren, sofern er ein Abitur hat. Und ich befürchte, dass sich das in den nächsten Jahren wohl etwas ändern wird.
Ach, so ein Sonnenbad, wie Du es gemacht hast, habe ich auch hinter mir. War letzte Woche, dass ich über Mittag einen Spaziergang im Sonnenschein gemacht habe. Und das nicht, weil ich besonders Lust hatte, sondern eigentlich mehr, weil dies gesundheitsbewusste Menschen immer wieder empfehlen. So bin ich gute ¾ Stunden hinausgewandert bis ans Ende der Häuser, und dann natürlich wieder zurück. Es ist ja nicht übel, man kann sich dabei einiges überlegen. Ich hätte mir ohnehin immer schon ein Stehpult gewünscht. An einem Stehpult kann man nicht nur stehen, sondern geradezu wandern, während man die Gedanken vor sich her wälzt. Na ja, Du kennst ja meine Gewohnheit, wie ein katholischer Monsignore auf und ab zu gehen. Das kommt mir immer so biedermeierlich vor.
Heute morgen war es recht kalt vor dem Haus. Ein Rauhreif lag auf dem Boden und bedeckte unser Auto. Ich glaube, das macht einen klaren Tag. Na ja, vielleicht macht das nicht selbst den Tag, aber es ist immerhin ein Zeichen.
Ich habe Deine Rilke Gedichte immer noch nicht eingehend gelesen. Ich glaube, es braucht dafür etwas mehr Zeit, als ich sie im Moment habe. Es gibt eben verschiedene Welten, in denen wir uns aufhalten. Und merkwürdig dabei ist, dass sich die Menschen, die aus unterschiedlichen Welten daherkommen, und sich zufällig treffen, kaum mehr verstehen. Es ist, als würden sie verschiedene Sprachen sprechen, die sich dicht über ihre verschiedenen Gewohnheiten lagern. Und nicht mal mit Handzeichen können sie sich mehr behelfen. Ja, die Welt ist sehr weit geworden.
Ein bisschen wirkt bei mir noch die nette Unterhaltung vom Samstag nach. Der Anlass im Wasserschloss Bottmingen war gut organisiert. Mir gegenüber sass ein Zürcher mit seiner Frau. Offenbar ist er ein ehemaliger Arbeitskollege des Geburtstagskindes. Sie hatten zusammen in einem Buchverlag gearbeitet. In Zürich gab es unter diesem Namen auch eine Buchhandlung, die sehr schön direkt am Limmatquai gelegenwar und die ich gelegentlich besucht hatte. Sein Name war aber nicht zürcherisch, sondern eher italienisch, oder vielleicht aus dem Tessin. Das zweite Paar trug einen Namen, den ich schnell im Wallis lokalisiert habe. Allerdings waren im 18. Jahrhundert viele Walliser ausgewandert, und von daher kommt es, dass die Namen weit herum im Alpenraum verstreut sind. Seine Familie käme aus dem Simmental, woher die schönen Schweizer Kühe stammen. Und zur linken Hand sass ein Kollege aus unserem Klub, ein Berliner, allerdings aus ehemals jüdischer Familie. Er spricht immer noch Berliner Deutsch, aber seine Frau ist eine Baslerin. Besonders der Zürcher war ein angenehmer Gesprächspartner. Offenbar war er von Beruf Grafiker gewesen und war zuständig für die Gestaltung der Bücher jenes Verlages, sowohl für deren Umbände wie für den Druck. Der Alt-Walliser hingegen, mit eindeutigem Basler Dialekt, kam aus der medizinischen Branche. Seine Frau, die gleich neben mir sass, war aber eine stille ... Person, die nicht viel gesagt hat. So haben wir uns, wie eine Seilgesellschaft in den Bergen, über die drei Gänge durchgeschlagen und sind glücklich beim Dessert, dem schwarzen Kaffee und dem Cognac angekommen. Und zwischendurch kam das Geburtstagskind an unseren Tisch und S. hat ihr die Hälfte ihres Stuhles angeboten, damit sie auch richtig dabei sei.
Solche Anlässe sind eigentlich nett, obwohl ich mich im Vorfeld etwas geärgert hatte, dass der ganze Samstag dadurch in Beschlag genommen werde. Schon ihren 40sten Geburtstag hatte sie so gefeiert. Und als Dank hatte ich ihr nachträglich eine zwei oder drei Seiten lange Beschreibung des damaligen Anlasses gewidmet. Sie hat meine Zeilen dieses Mal erwähnt, offenbar vorher nochmals durchgelesen. Und auch ich hatte mich daran erinnert, habe allerdings mein Papier nicht mehr gefunden. Das Positive daran ist, feststellen zu können, dass Schriftliches doch um die 10 Jahre hinhält. Und es unterstützt das Gedächtnis, kein Zweilfel, wie es Platon damals als Warnung gesagt hatte. Es ist ein Wissen, das wir nicht mehr wissen.
Ich hoffe, dieser Tag geht rasch vorbei. Und ich grüsse Dich mit Gees und Kaas
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Ämne: Eigenlob.. u.a.
Datum: den 10 februari 2004 17:21
Lieber ...,
Ja, es braucht ein Gymnasium für alle Ausbildungen. Alle Schüler gehen weiter auf dem Gymnasium, einige zwar auf praktischen Linien aber allzuviele auf den theoretischen. Und auf den theoretischen Linien muss man neben Englisch mindestens noch eine zweite Fremdsprache lernen. Vielleicht verstehst du besser, wie schwierig es ist Sprachlehrer zu sein, wenn nicht nur die besten Schüler weiterstudieren. Und alle, die das Abitur haben, können dann auch auf der Uni weiterstudieren. Du kannst dir ja vorstellen wie sich dann die Hochschulen verändern müssen.
Übrigens hat M (mit dem ich in Prag war) grossen Erfolg an der Uni. Er wurde von den Studenten zu dem besten Lehrer dort ernannt. Ich sollte ihm wohl gratulieren. :-) Anfangs wollte er mich dorthin locken. Er hätte viel weniger zu tun als bei uns am Gymnasium. Statt 550 Unterichtsstunden müsste er nur 25 im Jahr vorbereiten. Dort nennt man es wohl Vorlesungen.
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Es gibt eine Passage in deinem mail, die ich nicht richtig verstehe:
" Es gibt eben verschiedene Welten, in denen wir uns aufhalten. Und merkwürdig dabei ist, dass sich die Menschen, die aus unterschiedlichen Welten daherkommen, und sich zufällig treffen, kaum mehr verstehen. Es ist, als würden sie verschiedene Sprachen sprechen, die sich dicht über ihre verschiedenen Gewohnheiten lagern. Und nicht mal mit Handzeichen können sie sich mehr behelfen. Ja, die Welt ist sehr weit geworden.
Was genau meinst du damit? Kannst du es konkretisieren?
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Du musst nicht Rilke lesen, so wie ich ihn lese. Es reicht eigentlich mit einem kurzen Durchlesen um zu sehen, dass dies Rilke ist. Weisst du, ich glaube Rilke weiss was es ist ein Mausleben zu haben. Oder vielleicht ein "Federleben", denn ich denke er hat mit der Feder auf Papier geschrieben. Aber es waren trotzdem VL-kontakte. Man muss dabei ein wenig sein Geschlecht aufgeben. Nur Geist werden. So verstehe ich ihn jedenfalls. Bei dem Kleinstädchen habe ich an L. gedacht. Aber wo ist es nicht so? Alle Tage gleichen einander. Kann man einen, kann man alle. Ich finde man kann sich gut unterhalten, mit Rilke als Unterlage. D.h. wenn man Zeit hat zum fantisieren.
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Ich bin ein bisschen nachgeblieben heute und habe mich mit ein paar Kollegen unterhalten. Es war nett und abstressend. Es ist schön zu wissen, dass man sein Los mit anderen teilt.
Hier liegt noch Schnee, aber der Himmel ist grau und das Thermometer gefährlich nahe an Null. Die meisten Leute wünschen sich, dass der Schnee auch nächste Woche liegen wird, wenn unsere Region ihre Sportferien hat.
Ja, du hast Recht. Unser Ventilator ist von grossem Interesse für alle hier auf unserer kleinen Strasse. Wir haben ein ganz besonderes Belüftungssystem, wo in jedes Zimmer frische Luft eingeblasen wird und in den Toiletten (Badezimmern) und in der Küche und Waschküche wird die Luft ausgezogen. Und durch die Aus-luft wird die Ein-luft aufgewärmt in einem Wärmewechsler. Ach, vielleicht kennst du das schon. Viele Leute hier sind sehr unzufrieden mit ihrem Küchenventilator und würden den gern mit einem besseren ersetzen. Aber dann müssen sie leider, so wie wir nun gezwungen waren, das ganze Agregat austauschen. Und unser neuer Küchenventilator ist zwar besser als der alte, aber da er an dieses Belüftungssystem angeschlossen ist, kann er nie so effektiv werden, wie einer der frei installiert ist.
Puh! Ich mag nicht solche technische beschreibungen. Hoffe du verstehst mich.
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Ja, es ist schön, wenn man etwas geschriebenes über ein Fest besitzt. Ich hatte mal zu einem Geburtstag von Kerstin, ein schönes langes Gedicht über sie geschrieben. Halt dir bitte jetzt die Nase zu, aber es war ein wirklich gelungenes Gedicht, was in ein paar Versen alles über ihre Person und ihr Leben sagte. Ich kann sowas. Und wenn ich Jahre später meine Produkte wiederfinde dann gefallen sie mir um möglich noch besser und ich bin ganz erstaunt, dass ich sowas zustande gebracht habe. *s*
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Ich schick dir das nun ab, damit du es vielleicht noch vor Feierbaend bekommst. Vielleicht hast du sogar Zeit sofort ein paar Zeilen zu schreiben.. aber es ist kein muss.. nur eine kleine Hoffnung.
Wünsche dir noch einen schönen Feierabend,
mit lieben Gs und Ks
Malou
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