Freitag, 22. Januar 2016

31/1 - Papier - eine Plage


Ämne: Stilles Wochenende..
Datum: den 31 januari 2004 16:44


Lieber ...,
Ach, was für eine herrliche Idee ihr da habt, du und W. Wie schön unsere westliche Welt aussehen könnte, wenn man nicht so sehr auf Geld bedacht wäre. Ich würde gern alle meine streikenden Apparate zu euch bringen und mich dabei auch gegen meine eigenen Wehwehchen behandeln lassen. ;-)

Heute Nacht hat es wahnsinnig geschneit. Zum ersten Mal hat K das Wort Schneesturm fast richtig verwendet. Ich habe auch in einem Mail von der kleinen Schweizerin heute gesehen, dass ihr nun viel Schnee habt in eurer Gegend. Und noch dazu Ferien. Das wusste ich nicht.

Hier ist es still und angenehm heimisch (heisst das so?) Ich glaube, ohne dass man daran gedacht hat, gab es eine Unruhe, dass dieser Ventilator nicht mit dem System unseres Hauses übereinstimmen würde. Und jetzt können wir feststellen, dass es gut funktioniert. Die Luft ist herrlich frisch und K meint man schläft sogar besser jetzt. Aber er hat manchmal etwas viel Fantasie. ;-)

Du bist ganz von deinem Iranvortrag absorbiert. Ich hoffe, dass diese Zeit nicht allzu lange dauern wird. Dass du Tonbänder auf CDs legst finde ich gut. Das würde ich auch gern tun. Ich habe so viel, wo Anna und ihr kleiner Freund Sebastian zusammen Spass machen, Musik spielen und als Radioreporter auftreten. Und dann, wenn ich mehr Zeit habe, möchte ich alle Bilder die ich von den beiden habe, auf den PC legen, damit man sie richtig geniessen kann. Und bei Gelegenheit auch Inger (Sebastians Mutter) diese CD schenken. Anna und S. haben eine wunderbare Kindheit gehabt, fast ein bisschen wie die Kinder in Bullerbyn. Sonnig und voll von Lust. Du erinnerst dich vielleicht, dass Anna von Inger betreut wurde, als ich wieder anfing zu arbeiten. Bis beide Kinder dann als "Geschwisternpaar" in dem Kindergarten angenommen wurden.

Ich merke wie der Stress langsam nachlässt. Es war eine harte Zeit die letzten Wochen. Und ich werde jetzt versuchen,  meine Freizeit etwas aktiver zu organisieren. Und dann hoffe ich auf ein wenig Sonne, die mich aus dem Winterschlaf wecken wird.

Kommst du eine Tasse Kaffee mit mir trinken? Es soll sehr nützlich sein, heisst es gerade.

Ich wünsche dir weiterhin ein schönes Wochenende.
Mit lieben Grüssen,
Malou

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Ämne: RE: Stilles Wochenende...enorm still
Datum: den 31 januari 2004 17:04


Liebe Malou

Ach, die Welt wird noch einmal im Papier versaufen. Vielleicht im riesigen Ozean von Verwaltungspapieren. Da hatte man uns doch einst beglückwünscht zu einer neuen Zeit ohne Papier, bloss mit Computer. Alles - so hatte man uns versprochen - würde online erledigt und im System gespeichert. Papier würde wieder zu einem Luxusartikel werden wie damals, als die Alten den Papyrus kreuz und quer zusammenklebten. Die Leute würden vielleicht wieder zum selbstgeschöpften Papier zurückkehren. Hast Du gewusst, Malou, dass Erasmus von Rotterdam damals nach Basel kam, weil hier die Papierqualität besonders gut war? Und die Papierqualität hing natürlich von den Kleidern ab, den Leinendingen, die die Basler nach langem Gebrauch auf die Strasse warfen, um von den Lumpensammeln in die Papiermühle gebracht zu werden. Es gibt in Basel ein ausgezeichnetes Papiermuseum - ich habe Dir erzählt - wo man solche Dinge hören kann und wo sie einen das eigene Papier schöpfen lassen. Ist wirklich alles sehr anschaulich und gut gemacht.

Aber damals haben sie nicht gedacht, dass Papier einmal zur Plage werden könnte. Es ist dasselbe mit der Schrift. Früher eine exquisite Art, Gedanken auszutauschen, ist die Schrift in heutigen Texten zum Schund verkommen. Papier ist geduldig, sagt man. Doch unsere Köpfe sind ungeduldig geworden.
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 Es gibt jetzt gleich wieder einen Kurs in Zürich, derselbe, den ich letztes Jahr im Mai besucht hatte. Sie haben mich angefragt, ob ich nochmals Nach New York gehen würde und hätten mir den halben Preis erlassen. Ich schwanke noch ein bisschen, aber ich glaube nicht, dass ich wieder gehe. Na ja, ich glaube schon, dass jeder Kurs neu ist und dass man immer wieder was lernen kann, sei es auch nur zur eigenen Übung. Aber irgendwie … nein, ich glaube nicht, dass ich dafür noch eine Woche einsetzen werde. S. hat mir zwar empfohlen zu gehen, weil sie denkt, es tue mir gut. Der Kurs dient der eigenen Entspannung ausgezeichnet. Ich werde für mich allein ein bisschen üben.

Morgen werden wir alle zusammen nach Bern fahren. B's Tanzschule zeigt, wie man dort arbeitet. Deshalb ist S heute allein zu Onkelchen gefahren und ich habe versucht, meine Arbeiten zu machen, damit ich morgen frei sei. Und jetzt muss ich dann noch ein paar Seiten lesen. ich bin gerade an einer Biographie von Friedrich Glauser. Das ist ein Schweizer Schriftsteller, der in den letzten Jahren mehr und mehr gerühmt wurde. Alle scheinen sie diesen Glauser zu kennen, bloss ich tue das kaum. Er war ein armer Schlucker und hatte ein schweres Leben. Im Moment ist er gerade in der Fremdenlegion. Dabei war er im schweizerischen Militär ausgemustert worden, weil ungeeignet! Und in jener Klinik in der Ostschweiz, wo ich mal als Student ein Praktikum gemacht hatte, war er eine Zeitlang interniert. Ich glaube, er ist auch dort gestorben. Doch soweit bin ich jetzt noch nicht in meiner Lektüre.
Übrigens war das mit dem Arztfilm im Fernsehen so, dass ich in diesem Film erwacht bin. Ich habe nicht gesagt, dass ich mir das wirklich anschaue. Ich hatte einfach dieses merkwürdige Gefühl, auf meinem warmen Sofa i m S p i t a l aufzuwachen, wo Ärzte und Schwestern so merkwürdige Liebesspiele treiben.

Und jetzt muss ich packen und heimfahren. Es dämmert schon langsam draussen.
ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
Mit LGK

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