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Es gab jeden Tag einen speziellen Ausflug mit dem Bus an dem man teilnehmen konnte falls man Lust hatte. Ich musste lachen als du schriebst A. könnte die Erlaubnis erhalten sich von der Gruppe zu entfernen. So war es einmal bei uns vor vielen Jahren. Jetzt hatten wir es so arrangiert dass wir den Schülern jeden Tag mitteilten was wir beiden Erwachsenen vorhatten und so konnten sie selbst bestimmen ob sie Lust hätten mitzukommen oder ob sie lieber etwas anderes machen wollten. Sie sind alle 1981 geboren und also schon volljährig. Oft sind sie erst früh am Morgen aus den Discos zurückgekehrt und M und ich waren froh wenn sie sich nach und nach zum Frühstück einfanden. Manchmal war es etwas lustig zu sehen wie die Leute schauten wenn wir mit so drei Mädchen irgendwo assen oder z.B.eine Bootfahrt unter der Karlsbrücke machten. Der "Kapitän" betrachtete sie als unsere Kinder und liess sie für den halben Preis fahren :-) andere schauten dauernd von der einen zur anderen und dann auf uns beide junge Eltern und fragten sich wohl ob nun M wirklich der Vater sein könnte..
Ich habe diesen Kollegen vorher nicht persönlich gekannt und es war sehr interessant ihn kennezulernen. Er lebt übrigens mit einer Frau aus .. zusammen. Eigentlich arbeitet er an der Universität und hat nur ein paar Stunden an unserer Schule. Sein grosses Hobby sind Boote und er schreibt auch Bücher in Navigation. Wir haben eine angenehme Woche zusammen verbracht und vor allem die Stadt aus "restaurantperspektive" genossen. In Prag kann man noch sehr billig leben was auch unsere Schüler bald entdeckten. Sie kauften sich Brot, Wurst und Schinken für fast gar kein Geld und konnten auf diese Weise ihr Geld für andere Dinge sparen.
An einem Abend gingen wir zu einem schönen Konzert in einer der vielen Kirchen. Man spielte Musik von Bach, Mozart, Vivaldi und Händel. Prag ist ja bekannt für seine guten Musiker M und ich besuchten auch einige Kunstgallerien. Eigentlich ist eine Woche viel zu kurz. Man hat den Eindruck dass man sich ein wenig orientiert.
An einem einzigen Nachmittag war ich allein in der Stadt und erst für später am Abend in einem Restaurant verabredet. Da wollte ich dir ein längeres Mail schreiben aber als ich zu dem Internetcafé kam sagte man sie hätten Problem mit den PCs und sie würden in ca zwei Tagen wieder in Ordnung sein. So musste ich ein anderes finden. Ich versuchte Leute zu fragen. Junge, modern aussehende Leute. Aber sie hatten keine Ahnung wo es das geben könnte. Schliesslich habe ich doch eines gefunden konnte aber nur kurz schreiben wie du schon weißt.
Das Café Kafka habe ich auch besucht. Es hätte dir gefallen. Fast niemand wusste von dem Kafkaplatz aber sie vermuteten es könnte ...u.s.w.
Du solltest wirklich mal eine Reise nach Prag machen, mein lieber Mausfreund. Ich bin sicher dass es dir sehr gefallen würde.
Auch ich hoffe noch einmal dorthin fahren zu können.
War das jetzt alles? Nein, noch nicht... aber es reicht sicher für dieses Mal.
Ich habe mir in deinen Briefen viel vorgestrichen was ich dir gern beantworten will. Hab Geduld mit mir. Es kommt mit der Zeit. Diese letzten drei Schulwochen sind so überfüllt von Arbeit dass ich nicht sehr viel Zeit für lange Mails haben werde. .Aber die kurzen kann ich dir jederzeit senden. Immer gibt es irgendwo eine kleine Pause in der ich dir endlich wieder sagen kann was du schon zur genüge weißt, nämlich dass ich dich überall sehnsuche. Ich weiss es ist schlimm aber ich glaube dass ich dich liebe. Und auch ich bitte zu Gott, dass es nie aufhören möchte aber auch dass er uns beiden diese Maladi erträglich macht. Ich will dich für immer in meinem Leben behalten.
Kennst du dieses schöne Gedicht von Baudelaire:
"Que diras-tu ce soir, pauvre âme solitaire,
Que diras-tu, mon coeur, coeur autrefois flétri,
A la très belle, à la très bonne, à la très chère,
Dont le regard divin t'a soudain refleuri? ..."
Damit sage ich dir gute Nacht mein lieber Mausfreund
i.M.
Marlena
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