Liebe Marlena
Ich glaube, ich möchte am liebsten mit der Italobar von gestern und
einer veritablen Liebeserklärung anfangen. Zwar bin ich ein bisschen
spät. Es ist schon zehn Uhr und ich habe deinen Morgenkaffee weit
verfehlt. Tut mir leid, meine Liebe, aber ich bin erst um 0300h ins
Bett gekommen und so habe ich bis etwa 0900 geschlafen. Das ist eine
Ausnahme, so lange schlafe ich seit Jahren nicht mehr. So lange habe
ich als Student geschlafen, aber nicht mehr heute.
*
Dieser Besuch in der Italobar gestern war wundervoll, meine Liebste.
Es war fast wie echt, und ich habe es genossen wie echt und die
Erinnerung ist geblieben wie echt. Du warst so hinreissend schön, dass
ich es dir nicht beschreiben kann: wie du mitgespielt hast, wie wir
miteinander geplaudert haben, wie freundlich du warst, zu mir, zu
Laura, überhaupt, wie wir die ganze Breite und Weite des Lebens
gestreift haben im Gespräch, von traurigsten Momenten wie der Tod
deiner lieben Tante oder meiner Mutter bis hin zur merkürdigen
Geschichte des blouson noir von Visp und zu lustigen Momenten, die das
Leben auch bereit hat. Und wie du freundlich warst zu dieser kleinen
Laura, die ich mit ihrem Freund gerne zu einer Runde eingeladen hätte,
deine Bemerkung, ob wir sie adoptieren sollten, und wie du dich zum
Schluss bei ihr verabschiedet hast. Es war alles so umwerfend schön an
dir, dass du wieder einmal denkst, ich mache dich wie Pygmalion zu
meinem Kunstwerk. Das mache ich sicherlich auch, denn nur so wirst du
Fleisch und Blut für mich. Aber es ist nicht alles selbst gemacht.
Viel habe ich so gesehen bei dir wie ich es beschreibe. Du sitzt tief
in meinem Herzen, liebe Marlena, ich wollte das zwar nie, so tief
wollte ich nie. Aber ich glaube, es ist nichts zu machen, und wenn
immer wir uns treffen, geht es ein bisschen tiefer.
Freitag, 12. März 2010
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