Samstag, 6. März 2010

6 March 2008

date 6 March 2008 10:32
subjectRe: Turnschuhe und ähnliche Dinge


Liebe Malou
Merci für die Fortsetzung. Du beschreibst deinen Alltag. So
detailliert und abgerundet, wie noch nie vorher. Inklusive P1 am
Morgen. Merci Malou.
Liest du Zeitungen nur online? Das versuche ich auch, aber ich mag es
nicht recht. Meist drucke ich die Artikel aus, damit ich dann etwas
Papier in der Hand habe. Dieses Papier passt doch dann besser zum
Morgenkaffee. Diese Variante finde ich atmosphärisch besser. Aber
ich gebe gerne zu, dass sie auch Nachteile hat. Insbesondere liegen bei
mir, im Büro wie zuhause, unzählige solcher Artikel und Reportagen
und Studien herum. Ich versuche zwar, jene Texte, die ich besonders
gut finde, rot mit "sic" zu markieren. "Sic" ist ein altes Bettler- und
Hausiererzeichen. Damit haben sie Haustüren braver Bürger mit
Kreide markiert, um ihren Mitbettlern zum signalisieren, dass man
an dieser Adresse wohl ein warmes Süppchen und einen Bissen harten
Brotes bekommen kann. Und die übrigen, dh. all jene ohne 'sic', die
müsste ich dann eigentlich wegwerfen. Und das tue ich eben nur sehr
inkonsequent. Voilà!
Da fällt mir etwas Lustiges auf. Du sagst, du schaust die Kulturbeilage
von Svenska Dagbladet durch, um sie erst später zu lesen. Ich glaube,
dass ich sowas nicht tun kann. Wenn ich einen interessanten Artikel
sehe, muss ich ihn gleich lesen. Und wenn ich ihn ungelesen beiseite
lege, verliert sich mein Interesse ein wenig. Ist das nicht merkwürdig.
Erst, wenn ich den Artikel später wieder und unerwarteterweise finde,
dann ist das Interesse wieder hoch. Ist das nicht merkwürdig? Ich
muss irgendwie das Gefühl haben, es sei eine Trouvaille. Solch gute
Artikel lese ich dann durchaus zweimal, mach mir manchmal Notizen
dazu, oder unterstreiche zentrale Begriffe.
K hat einen Lieblingssessel. Finde ich auch lustig. Nun ja, jeder hat
vielleicht seine bevorzugte Ecke in einem Wohnraum. Aber es erinnert
mich an die alten Witze, die man im Zusammenhang mit dem
Haushund gemacht hat. Jedem neuen Gast musste man signalisieren,
welches der Stuhl, auf den er sich auf keinen Fall niederlassen sollte,
weil es ja nun eben der Platz des Hunde sei. Dieses Privileg hatten
Haushunde und Grossväter, notabene.
Und ihr macht jeden Tag einen 45 Minuten Spaziergang? Finde
ich prima. Ist es immer diesselbe Runde, oder wechselt ihr. Es geht
durch den Wald und über Feld, nicht? Das ist ja schon ein bisschen
kantianisch? Weisst du, was ich damit meine? Der grosse Philosoph
Kant war bekannt dafür, täglich um dieselbe Zeit seinen Spaziergang
durch die Strassen von Königsberg und hinaus vor die Stadt zu
machen. Die Leute, sofern sie denn eine hatten, stellten ihre Uhren
danach. Und - wie mir gerade einfällt - Sigmund Freud war auch ein
solcher städtischer Wanderer.
Ich dagegen habe mir in den letzten Wochen angewöhnt, abends noch
rasch einkaufen zu gehen. Der Laden beim Bahnhof schliesst um 22h.
So gehe ich zwischen 21h und 22h. Es ist ein 10 Minuten Spaziergang.
Das Walken mit den Stöcken habe ich in der kalten und nassen
Jahreszeit unterlassen. Es ist schlecht für meine Lunge. Ich kaufe
Jogurt, vielleicht Käse und Brot, Früchte etc. Was man eben so
braucht.
Ich gratuliere zu den neuen Joggingschuhen. Klar, gute Schuhe sind
wichtig. Und heute gibt es soviele Modelle zur Wahl, alle mit diesen
modernen Textilien. Man kann sich kaum mehr vorstellen, wie schwer
und unbequem Schuhe einmal gewesen waren. Hallo, und da kommt
mir gerade eine uralte Erinnerung hoch. ...
(forts. folgt)

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