Sonntag, 14. März 2010

Rom

Liebe Marlena
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Gestern abend habe ich zufällig am Fernsehen einen Film, den Rest eines Filmes über den Vatikan und den heutigen Papst gesehen. Ich hätte mir gewünscht, du würdest das auch sehen. Es ging eigentlich darum, die Bedeutung dieses Papstes zu zeigen. Man behauptet, er hätte einen grossen Einfluss gehabt auf den Fall des eisernen Vorhanges, nicht zuletzt, weil er ein Pole ist. Und er hätte viel erreicht, indem er die Menschenrechte betont und unterstützt habe. Er ist ja in der Tat viel gereist.

Es gibt doch diesen kleinen Witz, den du sicherlich kennst. Weißt du warum der Papst, wenn er aus dem Flugzeug steigt, jeweils den Boden des Landes küsst? Nun ja, was würdest du den machen, wenn du heil von einer Alitalia Maschine herunter komms?

Doch es gab auch einige kritische Köpfe, einer von ihnen Prof. Küng, ein Schweizer Theologe in Tübingen. Sie haben ihm vor Jahren die Lehrerlaubnis entzogen, ich glaube, weil er die Unfehlbarkeit des Papstes bezweifelt hat. Ich habe Küng mal in Basel gehört. Er ist ein brillanter Kopf, er hat eine exzellente Rhetorik, echt katholisch geschult. Hat mir sehr gut gefallen und war eine oder zwei Klassen besser als Prof. Eberhard Richter, der berühmte Psychiater jener Zeit. Küngt hat den Papst als sehr konservativ charakterisiert.

Doch das war alles nur halb so wichtig. Wichtig waren mir die Bilder Roms, der Platz vor dem Petersdom (Flugaufnahme), i Svizzeri (dh. die Schweizer Gardisten), die Engelsburg, das Kolosseum, der Vestatempel (habe ich kürzlich erwähnt und wusste den Namen nicht mehr, ein wunderhübscher Rundbau aus dem 2. Jh. V.Chr.). Und alles in diesem warmen Sonnenlicht und dem dunkeln Olivegrün der Pinien. Und die Brüder in ihren Sutanen. Und wieviel Barock da herumsteht? Und die Schwestern, die immer ein bisschen geniert vorbeigehen. Es ist alles so nahe beieinander und bequem zu erreichen. Ach, du weißt schon, was ich sagen möchte.

Ich habe eine lustige Fantasie gehabt. Ich habe mir vorgestellt, ich hole dich am Flughafen in Rom ab. Und du kommst an mit deinem Gepäck. Und wenn wir uns erkannt haben, würden wir uns in die Arme fallen. Das wäre ein Moment, der gar nie aufhören sollte. Ich würde dich vielleicht sogar heben und herumdrehen, als Vorübung für den Tanz auf dem Petersplatz ;---). Vielleicht würde ich das aber auch nicht, wenn du eher elegant daherkommen würdest, dann dürfte ich sowas nicht tun. Ich würde einen Borsalino tragen, diesen hellen Sonnenhut mit schwarzem Band, und ein weisses Jacket, fast wie in einem Fellini Film. Und dann, das ist nun eben der Clou meiner Fantasie, dann habe ich plötzlich bemerkt, dass uns die Italiener das gesamt Gepäck klauen würden, wenn wir sosehr nur uns umarmen und die ganze Welt vergessen. Ich habe beschlossen, ich muss eine zweite Person mitbringen, vielleicht einen Träger vom Hotel, der während diesem unendlich schönen und langen Moment nur das Gepäck bewacht. Ich muss ihm einen rechten Stundenlohn bezahlen, denn es könnte leicht eine Stunde daraus werden.

Du siehst, das hört sich bereits an wie Detailplanung. Ist es aber nur bedingt. Aus Persien bin ich mir solche Situationen voller potentieller Diebe gewohnt und ich bin sicher, die Römer werden mir nichts klauen. Da sind sie bei mir am falschen Ort. Geschworen habe ich damit allerdings noch nicht! Nun ja, ich weiss dass die Römer in diesen Dingen sehr gewandt sind, nicht alle, aber zumindest diejenigen, die wir hier im Auge haben.

Aber ich habe vom Film gestern abend erzählt. Der gute Papst ist wirklich sehr alt geworden. Und er hat einen Tremor, der auffällig ist.

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