Liebe Marlena
Ich stelle mir vor wie du am PC sitzt vor deinem Pin-Brett im
schwedischen Winter ... und im Hintergrund die Wellensittiche,
die miteinander zwitschern und plaudern. Ein Bild voller bürgerlicher
Ruhe und Friedlichkeit.
...
...
Und schliesslich, um die Sache mit den Haustieren zu einem Ende zu
bringen, hatten wir einen Hund. Weil ich ja mein Leben lang immer
gerne einen Hund haben wollte, war meine Frau nach langem hin und
her und Diskussion und Zweifeln bereit, einen Hund in die Wohnung
aufzunehmen. Er sollte aber nur im Gang bleiben. ... Also kauften wir
eines Tages einen kleinen, jungen roten Cocker Spaniel. Er war ein
richtiges Kind, wedelte mit dem Schwanz, wie sonst kein Wesen auf der
Welt wirklich wedeln kann. Und er war die Treue selbst. Wir nannten
ihn Dido, nach der griechischen Göttin, die - wenn ich mich recht
erinnere - mit Aeneas irgend ein Techtelmechtel gehabt hatte. Doch
davon hatte unsere Dido keine Ahnung. Sie war wie ein Kind, freute
sich, wenn man nach Hause kam, gab schmerzerfüllte sehnsüchtige
Laute von sich, wenn man weg war. Sie liess in der ganzen Umgebung
Liebe und Haare verströmen. Meine Frau musste sich immer wieder
neu überwinden. Und wann Dido auf der Schwelle zur Stube lag und
zu mir hinüberäugte, mit diesem treuherzigen Hundeblick, so fand
ich uns absolut barbarisch und unmenschlich, diesem armen Hund
die Stube zu verbieten. Dido hatte den grossen Vorteil, dass sie täglich
mehrmals an die frische Luft musste. Und wir mussten natürlich mit.
Das war ziemlich gesund und bei schönem Wetter auch ganz ok. Nur
wenn es regnete, dann war es schon mühsam.
Die schlimmste Variante war abends vor dem zu Bett gehen, wenn es
regnete. Da sollte ich also mit unserer Dido noch rasch hinaus, damit
sie ihr Geschäft erledigen konnte. Ich ging also hinunter und öffnete
die Haustüre. Ich forderte die kleine Hündin auf, jetzt rasch in den
Garten zu verschwinden, um das Ding zu erledigen. Ich schaute zum
Himmel, wie es regnete und Dido schaute zum Himmel, wie es regnete.
Sie konnte sich einfach nicht entschliessen, ihr kostbares Fell zu
nässen. Und so kehrten wir beide unverrichteter Dinge wieder nach
oben. Ich hatte immer angenommen, dass sie schon selbst wissen
müsste, ob sie pinkeln muss oder nicht. Ich wollte sie sozusagen
antiautoritär erziehen. Und sie hat wirklich nie in die Wohnung
gepinkelt. Sie hätte sich damit den ewigen Groll meiner S zugezogen.
Und soweit wollte sie es nun wirklich nicht kommen lassen.
Allerdings gehorchte Dido ziemlich gut. Auf Spaziergängen hatte ich
meistens den Hosensack voller Hundekuchen. Und wenn ich pfiff,
durch die Finger, so dass es durch Mark und Bein ging, dann pflegte
Dido daher zu düsen wie die Feuerwehr mit Blaulicht. Sie schaute
weder links noch rechts und kam in Windeseile, um ihren Kuchen
abzuholen. Von der Lernpsychologie wusste ich, dass man
"intermittierend" verstärken soll. Das hiess, nicht jedes Mal wirklich
einen Kuchen zu geben. Ein leichter Frustrationspegel war also
durchaus nützlich, alles andere war Verzärtelung. Und so war ich
stolz, dass unsere Dido in dieser Hinsicht wirklich sehr zuverlässig
gehorchte. Erst als meine Frau schwanger war, haben wir Dido
einer Bekannten, die sich schon lange einen Hund gewünscht hatte,
verschenkt. Meine S war überzeugt, dass ein kleines Baby und ein
Hund sich in derselben Wohnung niemals vertragen würden. Und
sie malte die schlimmsten Bilder an die Wand, wie frustrierte Hunde,
die sich plötzlich wegen eines Neugeborenen vernachlässigt fühlen,
kleine Babies anzufallen und brutal zu Tode beissen pflegen. Ganz
abgesehen davon, dass der Schmutz und die Haare in der Wohnung
für ein Kind, das noch auf dem Boden herum kriecht, absolut Gift
sind, Krankheiten und Infektionen heraufbeschwören wird. So haben
wir denn unsere Dido abgegeben, mit ihren treuen Augen und dem
rotbraunen Fell, und den langen Ohren, die sie - wenn sie mit ihrer
Nase schnuppernd dahinfegte - stets leicht auf dem Boden mitzog.
Sie war ein süsser kleiner Hund, und treu, wie sonst kein Mensch
treu sein kann. Und nicht so klein, als dass ihr das Hündische gefehlt
hätte.
Ach, darwinistisch gesprochen sind die Tiere unsere Geschwister, die
jüngeren im Grunde genommen, weil noch nicht so kompliziert und
bösartig wie wir. Sie sind unsere Schwestern und Brüder, Basen und
Vetter, Nichten und Neffen der Schöpfung. Und sie sind, dass muss
man ihnen jederzeit zugestehen, meistens hoch anständig.
Mit einem lieben Gruss
..
Freitag, 15. Januar 2010
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