Liebe Marlena
Hier habe ich einen Brief kopiert. Kannst du herausfinden, von
wem er stammt? Ich glaube, du kannst das schon erraten. Er war
Nobel-Preisträger. Und nachdem er den Preis erhalten hat, hat er
diesen Brief an seinen alten Lehrer der Grundschule geschrieben.
Das ist eine wirklich rührende Situation, und gelegentlich und gerne
zitiere ich ihn, um zu zeigen, wie sehr Lehrer das Leben ihrer
jungen Menschen prägen können. Lehrer-Arbeit ist Zukunfts-Arbeit.
Die Schule ist eine Zukunfts-Fabrik. Das ist meine Wort-Erfindung
und ich habe hier in der Schweiz praktisch das copy-right. Du kannst
es dir für Schweden sichern, Marlena ;----) Ich schenke es dir. Ich
finde, es ist ein Ausdruck, der viele Leute verblüfft und gleichzeitig
die Bedeutung der Schule darstellt.
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19. November 1957
Lieber Herr G.
Ich habe den Lärm sich etwas legen lassen, der in diesen Tagen um
mich war, ehe ich mich ganz herzlich an Sie wende. Man hat mir eine
viel zu grosse Ehre erwiesen, die ich weder erstrebt noch erbeten
habe. Doch als ich die Nachricht erhielt, galt mein erster Gedanke,
nach meiner Mutter, Ihnen. Ohne Sie, ohne Ihre liebevolle Hand, die
Sie dem armen kleinen Kind, das ich war, gereicht haben, ohne Ihre
Unterweisung und Ihr Beispiel wäre nichts von alldem geschehen.
Ich mache um diese Art Ehrung nicht viel Aufhebens. Aber diese ist
zumindest eine Gelegenheit, Ihnen zu sagen, was Sie für mich waren
und noch immer sind, und um Ihnen zu versichern, dass Ihre Mühen,
die Arbeit und die Grossherzigkeit, die Sie eingesetzt haben, immer
lebendig sind bei einem Ihrer kleinen Zöglinge, der trotz seines Alters
nicht aufgehört hat, Ihr dankbarer Schüler zu sein. Ich umarme Sie
von ganzem Herzen.
Signatur
Mittwoch, 20. Januar 2010
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