...
Wir zogen spät im Herbst nach Uppsala, d.h. das erste Semester an
dem ich teilnehmen wollte war fast zu Ende. Ich hatte mich angemeldet
für Germanistik und mich mit den Kursplänen versehen. Literatur,
Sprachgeschichte und natürlich die Sprache selbst, Wortschatz,
Aussprache und Grammatik das schwierigste Kapitel für die meisten
der Studenten. Uppsala hatte damals den Ruf sehr viel zu verlangen
und man sagte sogar dass die Schüler, die dort bei ihrer Übersetzung
schon zum dritten mal durchgefallen seien, an der Hochschule in
Stockholm kein Problem damit hatten.
Nun ja, es besteht wohl immer eine gewisse Rivalität zwischen
Lehranstalten aber ich glaube die Uni von Uppsala ist schon immer
als Nr 1 betrachtet worden. (Nr 2 Lund). :-)
Ich hatte eine lange Literaturliste von der ich wählen konnte eine
gewisse Anzahl Seiten zu lesen und ich muss lachen wenn ich daran
denke was mein erstes Buch war: Buddenbrooks von Thomas Mann.
Ich glaube ich wollte so schnell wie möglich die Anzahl Seiten hinter
mich bringen. ;-) Es war wirklich kein leichtes Buch. So unendlich
Wortreich.. aber doch ziemlich interessant. Dann erinnere ich mich
noch an mein erstes ”Ausspracheseminar”. Es wurde von einem jungen
deutschen Dozenten geleitet. Ich glaube ich habe ihn so wie Herrn
Grünlich in meinem Buch aufgefasst. Die Gruppe hatte bereits 8 von
den 10 Stunden gemacht und er begann also diese meine erste Stunde
damit, mir eine Moralpredigt zu halten wie ich mir das vorstelle erst
nun zu kommen u.s.w. was ich dann ruhig beantwortete mit ”es wird
schon gehen”. Ausserdem war seine eigene Aussprache etwas von
einem Dialekt gefärbt wobei seine ”i” zu sehr wie ein ”e” klangen.
Das habe ich ihm aber nicht gesagt. ;-)
Ich will jedoch nichts schlechtes über ihn sagen, denn es war er, der
mich Rilke entdecken liess. Er hatte also auch Literaturvorlesungen.
Ganz anders als später bei einem Dozenten in Französisch, der immer
am Ende seiner Vorlesungen herzlich lachte so als wollte er sagen:
”Wieviel Dummes Zeug sich ein Mensch ausdenken kann”, endeten
seine Vorlesungen immer damit, dass man glaubte er würde nun
anfangen zu weinen. Man hatte oft den Eindruck er trüge die ganze
”Schuld des Deutschen Volkes” auf seinen Schultern.
Er sprach also über Rilke, er schenkte uns ein Kompendium mit
Rilkes allerschönsten Gedichten (die ich Dir bereits alle geschickt
habe) und so kam es dass ich das Stundenbuch zu lesen begann.
Ich war überwältigt davon. So tiefe und schöne Gedanken in einer
solch wunderschönen Sprache hatte ich noch nie gesehen.
Irgendwie passte es auch zu meinem Leben oder vielleicht besser
gesagt zu meiner Gedankenwelt zu dem Zeitpunkt.
*
Sonntag, 3. Januar 2010
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