Mittwoch, 27. Januar 2010

Horoskop und Aberglaube

Date: Tue, 14 Mar 2000 12:37:43 GMT
Mein „armer" Krebs
Das „arm" stammt von dir, nicht von mir, meine liebe Marlena.
Vergiss das nicht.
Wie du, so habe auch ich mich in die Literatur gestürzt und die
Horoskope studiert und analysiert und interpretiert. Wie du so habe
auch ich einige ganz phantastische Erkenntnisse ans Licht befördert.
Wie du, so fange auch ich an, „wissenschaftlich" mit dir zu
korrespondieren. Wir müssen die Sache auf den Punkt bringen.
Es soll endlich Klarheit herrschen. Unsere Tagebücher und
Gute-Nacht-Geschichten sollen allmählich substanziellen Gehalt
und Wahrheit transportieren, nicht bloß subjektive Vermutungen
und individuelle Ahnungen. Und dann wird alles gut werden.

Wie du, so habe auch ich festgestellt, dass wir ein wunderbares
Team wären oder sind (was soll ich jetzt sagen?). Wir würden
eine erfolgreiche Firma abgeben, meine Liebe, es ist wirklich ganz
phantastisch. Krebs und Skorpion passen wirklich so gut zusammen,
eine Idealpaarung geradezu, so dass man uns verbieten muss, dass
wir zufälligerweise zur selben Zeit am selben Ort verkehren, ...
---
Es ist merkwürdig, fast alles, was ich über den Krebs gelesen habe,
habe ich über dich schon irgendwie gewusst, oder geahnt, oder
irgendwie fantasiert. (Nun ja, vielleicht überschätze ich mich
ex post ein bisschen??) Ich hatte von Anfang an den Eindruck,
dass ...
---
Und wir könnten wirklich zusammen eine Internet-Firma
gründen und Kinderbücher produzieren, schwedisch-deutsche Gutenachtgeschichten oder – weiß der Himmel – Rilke-Sonette
oder Postkarten mit platonischen Liebesgrüssen unter die Leute
vertreiben. Du müsstest einfach auf meine Leidenschaft
(sprich Verrücktheit) achtgeben. Darfst mich nicht zu sehr
zwicken oder verletzen, weil ich ja sonst offenbar ...
*
Soweit meine astrologischen Erkenntnisse. Ich habe sie –
gewollt oder ungewollt – etwas ironisch formuliert, weil ich nicht
genau weiß, was ich dabei glauben soll. Mann muss ja nur genug
daran glauben, dann wird es schon stimmen. Kennst du diese
wunderbare Anekdote über Nils Bohr, den berühmten dänischen
(so glaube ich) Atomphysiker?
Er hat Leute in sein Landhaus eingeladen. Und die Gäste haben
sich gewundert, warum er über dem Eingang ins Haus das
Hufeisen eines Pferdes angebracht hat. Solche Hufe gelten
bekanntlich als Glücksbringer. Und sie haben Bohr gefragt,
ob es denn wirklich so sei, dass er als Naturwissenschafter
an solche Dinge wie ein Hufeisen glaube??
Und Nils Bohr, weise wie er war, hat gesagt: „Nein, ich selbst
glaube natürlich nicht daran. Aber es gibt Leute, die sagen, es
helfe auch bei jenen, die nicht daran glauben!".

Intelligent gesehen, nicht wahr? Ist eine meiner
Lieblingsanekdoten, ganz einfach, weil sie mehrdimensional
und vielstöckig ist. Sie istwirklich sehr weise und köstlich
zugleich!

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