Datum : Wed, 26 Dec 2001 00:13:55 +0000
Lieber...,
Es ist der 25. und eigentlich ist der "grosse" Weihnachtag schon vorüber. Wenn ich Gäste habe an diesem Tag mache ich normalerweise einen Truthahn der mit Blaukraut und vielen anderen Zutaten serviert wird. Und als Nachtisch kommt dann noch Ris à la Malta. Kennst du es? Reis mit Apfelsinenstücken vermischt und dann viel Schlagsahne mit Vanillezucker gesüsst. Oh, es schmeckt ganz einfach herrlich! Aber ich gebe zu, man könnte es nicht jeden Tag essen sonst würde man bald mit einem "amerikanischen Hintern" durch die Gegend wandern.
Diesmal hatten wir keine Gäste und so kann man es ein bisschen nach seinem eigenen Kopf machen. Das was niemand besonders mag lässt man weg und konzentriert sich auf solches was einem besonders gut schmeckt (Rosenkohl u.a.). Und der Schinken ist die Hauptsache. Wir machen immer "dopp i grytan" wie es sich gehört. :-) . Man nimmt tunnbröd (eine Art ganz dünnes knäckebrot) und lässt die Scheiben eine Weile in Schinkenbrühe weich werden. Es schmeckt ganz wunderbar und man isst es so nur am Weihnachtsabend. Vorher gibt es natürlich verschiedene Sorten von eingelegten Heeringen, dazu Schnaps.
Heute war ein schöner fauler Ruhetag. Anna ist im Moment in einen Krimi von Mankell vertieft. Sie meint die Sprache ist nicht besonders gut aber die Handlung ist sehr spannend. K sieht einen Film und auch ich mache was mir am meisten Spass macht.
Ein schwedisches Haus in der Weihnachtszeit ist wirklich ein Genuss fürs Auge. Alles geht in rot und verbreitet ein warmes heimliches Licht. Auch draussen ist es schön.Wenn ich zum Fenster hinaus schau, sehe ich tiefen Schnee. .ganz weich sieht er aus. Ich kann mich nicht erinnern wann wir das vorige mal so schöne weisse Weihnachten hatten. Und im Fernsehen gab es so viel heute zu sehen dass es einem schwer fällt zu wählen. U.a. zeigte man einen Dokumentarfilm "Astrid Lindgren in Småland" in dem sie selbst von ihrem Leben erzählt. Man zeigt die Stellen wo sie aufgewachsen ist und bekommt den Hintergrund zu vielen von ihren Erzählungen. Ich wünsche sehr dass man diesen Film auch in anderen Ländern zeigen würde denn es zeigt eine idyllische Welt (für Ausländer sicher sehr exotisch) die man heute nur selten findet. Aber sie existiert, wenn auch für die meisten nur als ein schöner Traum in ihrem Herzen.
Dann sah ich auch "Last night of the Proms" von Albert Hall. Es war das Programm das vier Tage nach dem Attentat in Amerika stattfand und unterschied sich sehr von dem gewohnten.. aber es war sehr sehenswert.
Übrigens habe ich heute Nacht die Messe von Rom gesehen und es war eine gute humane Choreographie. Immer wenn der Papst eine Weile gesprochen hatte ersetzte man seine Stimme mit der eines einheimischen Speakers. Ich denke man hat in allen Ländern dasselbe getan
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Gestern Abend bin ich noch einmal ins Internet gegangen und habe dabei deinen schönen langen Brief gefunden. Es war eine wirkliche Überraschung und ich lüge nicht wenn ich sage dass es mein bestes Weihnachtsgeschenk war in diesem Jahr 2001. Und der Absender deiner Karte war auch überraschend.. ich hätte übrigens dieselbe gewählt.. :-)
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Du erzählst so schön von deinem Onkelchen und es erinnert mich sehr an meinen lieben Schwiegervater. Auch er hörte im hohen Alter nicht mehr gut (er war ja auch fast 90) und hatte einen Hörapparat. Und wenn ich nachmittags von der Arbeit nach Hause kam drehte er ihn an. Es fiel ihm immer etwas schwer denn seine Finger waren steif und die Dinger sind ja nicht leicht zu hantieren. Und Anna, die noch ganz klein war, vielleicht drei Jahre alt, machte eine köstliche Zeichnung von ihm wo sie gerade diese Geste festgehalten hat. Wir mussten sehr lachen. . Manchmal machte er etwas falsch und es piepste ganz schrecklich sodass wir uns die Ohren zuhalten mussten
Du hast es wirklich ganz wunderbar beschrieben .. genau so war es. Ich erinnere mich wenn wir uns beim Essen gegenüber sassen und unterhielten.. ich musste sehr laut sprechen, fast schreien.. und es tat mir sehr leid denn man kann nicht lieb mit jemanden sprechen wenn man schreien muss. Und manchmal wenn er wirklich nicht hörte was ich sagte griff ich zu Papier und Bleistift und schob ihm den Zettel zu. Dann lachte er verlegen und sah mich etwas spitzbübisch an.. ich sehe noch genau sein Gesicht vor mir. Und es ist ein wenig verrückt aber ich glaube die Erinnerung an ihn ist was mich am meisten mit K verbindet. Aber vielleicht sind wir alle Gefangene unserer Vergangenheit.
Übrigens frage ich mich ob dein Onkelchen nicht ein guter Diplomat ist. Vielleicht waren es doch Kartoffeln... oder Reis.. :-)
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Ich habe auch gelacht über deine Reaktion auf die geplante OFFENHEIT.. Es ist schön dass du mitmachst.. aber Vorsicht ... ;-) Und natürlich bin ich schon sehr gespannt zu erfahren wer du nun wirklich bist..
Ja ..., bald beginnen wir unser drittes Jahr zusammen. Hattest du dir das vorstellen können? Und du hast mein Leben bereichert mit deinen wunderbaren Briefen und bist in dieser Zeit fast ein Teil von mir geworden. ... Es fällt mir nicht leicht zu sagen was ich denke ohne gegen ein paar §§§ zu verstossen. Aber ich muss nichts sagen.. du weißt es schon.
Auch dieses Mail muss ein Ende haben.. und ich mache es rasch,
Mit einem lieben Gruss,
Marlena
Freitag, 29. Januar 2010
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