Ämne: Dienstäglichbeischönemundmildemfrühlingswetterundkleinenwolkenfeldernamhimmel
Datum: den 11 maj 2004 06:54
Liebe Malou
Ja, ich glaube, der Frühling kehrt langsam wieder zurück. Es gibt zwar noch einige Wolkenfelder am Himmel. Aber ich glaube, der Tag wird wieder ziemlich mild. Und heute Nachmittag haben wir unsere grosse Sitzung. Ich muss noch einiges vorbereiten und auch noch den Beamer holen. Hoffentlich klappt das einigermassen. Es ist immer eine Lotterie mit diesen Beamern.
Heute morgen fuhr hier auf dem Turmplatz ein blauer Bus ein. unter der Fensterreihe war mit grossen Lettern angeschrieben „Dieser Bus fährt bis nach Schweden“. … Aber ich habe ihn nicht mehr erwischt.
Gestern hatten wir unser Spargelessen. Dieses Mal hat es einer unserer neuen Mitglieder in Bad Bellingen organisiert. Das ist ein kleiner Badeort im Rheintal, aber auf der deutschen Seite. Das Essen war recht gut. Es gab drei Arten von Schinken, drei Arten von Saucen und Spargel. Dazu einen guten Wein aus der Gegend. Und wer mochte, konnte noch einen Dessert essen. S. isst keinen Spargel, und deshalb bestellt sie sich jeweils ein gutes Stück Fleisch. Sie geniesst dieses Alternativprogramm immer sehr. Ich sass neben M und K. Er hat eine grössere Fleischimportfirma. Und dazu haben sie eigene Pferde und gehen jeden Sonntag Morgen ausreiten. Sie haben auch immer einige Mädchen der Umgebung, die mitkommen, und die dann auch helfen, die Pferde auszumisten. Das ist offenbar jedes Wochenende eine grössere Aktion mit Frühstück, Ausritt, Misten etc. Natürlich haben alle auch ein bisschen geklagt über das Alter und die ersten paar Gebrechen, die kommen: Gliederschmerzen, Gelenkentzündungen, Allergien, Leber, Niere etc. Das lag nahe, weil es in Bad Bellingen ein Schwefelbad gibt. K und M fahren gelegentlich dorthin, um zu baden. Ich selbst habe es nicht gekannt. Ich bin zum ersten Mal dort gewesen.
Früher hatten wir unser Spargelessen jeweils im Elsass. Dies war eigentlich die richtige Art. Die Elsässer hatten sich darauf spezialisiert. Und mit ihrem Charme und der hübschen Sprache, die sie reden, können sie eine gute Atmosphäre schaffen. Es ist merkwürdig. Wenn man dort drüben ist in jenen Kleinen Dörfern umgeben von Rebbergen, dann fühlt man sich irgendwie heimisch. Und ich glaube, das liegt zu aller erst an den Menschen. Aber mit den Jahren ist die ganze Spargel-Esserei ein wenig zum Geschäft verkommen. Sie haben an einem Abend in drei Schichten Spargel serviert, die erste vielleicht um 17.00h, die zweite um 19.00h und die dritte um 21.00h. Na ja, ich weiss es nicht genau, wie die Zeiten lagen, aber sie haben sehr gedrängt gearbeitet. Und nach der Saison, die vielleicht einen guten Monat oder zwei dauern konnte, sind sie für den Rest des Jahres in die Ferien gefahren. So ungefähr muss man sich das Leben in Frankreich vorstellen. Sie leben bekanntlich wie die Götter. M hat denn auch nach dem Essen für sich noch eine kleine Käseplatte bestellt. So was machen vor allem die Franzosen. Es schmeckt natürlich herrlich, ist das beste für den Geschmack im Mund. Aber es ist eine zweite Mahlzeit sozusagen.
Auf der anderen Seite sass M mit seiner Freundin. Er ist Versicherungsbroker, eigentlich in Südamerika aufgewachsen. Sein Vater war dort drüben für eine Basler Chemiefirma. M ist dann in die Schweiz gekommen, um zu studieren. Doch er hat sein Studium nicht beendet, sondern hat bei einer Versicherung angefangen, zu arbeiten. Dann hat er geheiratet, um nach wenigen Jahren und mit zwei Kindern zu merken, dass das nicht klappt. Ich glaube, seine zwei Kinder leben bei ihm und seiner neuen Freundin. ...
M hat während er langsam die Spargeln einschob, die schlimmsten ökonomischen Szenarien an die Wand gemalt. Er meint, wir lebten in der Schweiz über unsere Verhältnisse, könnten die Sozialkosten nicht bezahlen und hätten zu viele Einwanderer, die vom System profitieren. Da fand er natürlich bei S. ein offenes Ohr. Kurz und gut, bis wir beim Dessert angekommen waren, war die Entscheidung, dass man auswandern müsste, so gut wie gefallen. Alle waren wir uns einig, dass unsere kleine Schweiz der schlimmste Ort der Welt sei. Nur wussten wir nicht wirklich, wohin wir flüchten sollten. Rundum erschien alles noch viel schlimmer. So kam es, dass wir vorerst uns herbei liessen, zu bleiben und einen Dessert zu bestellen.
Siehst Du, ich hatte doch ein Mail geschrieben. Und das hatte ich dann später irgendwie vergessen. Es ist eben neben der Arbeit nicht leicht, alles im Kopf zu behalten. Aber weil ich von Dir ja um die 8 verschiedene Adressen habe, stehe in solchen Situationen quasi auf der Place de l’Etoile mit unendlich vielen Strassenmöglichkeiten. Das ist ein komfortabler Ort, aber man verläuft sich gerne und vergisst die Strassennamen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben GuK
...

Ich lese mich gerne hier ein und baue mir Geschichten und die Geschichten ;-)
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Barbara
Ganz herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar, Barbara. Wie meinst du, du baust Dir Geschichten?
AntwortenLöschenKlingt lustig. :-)
Liebe Malou, wahrscheinlich musstest Du über meine Unkenntnis der schwedischen Sprache so lachen, dass Du den Kommentar gelöscht hast.
LöschenDas ist auch gut so.
Mein Mann und ich haben herzlich gelacht.
Du wirst den beiden Worten, die ich Dir als Namen angedichtet habe, den Wohlklang nicht absprechen können. (schmunzel)
Ich wünsche Dir ein gute Nacht.
Herzlich
Barbara
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
AntwortenLöschenLiebe Barbara,
AntwortenLöschenHerzlich gelacht habe ich erst jetzt, und zwar über die doppelte Freude, die uns das Kommentarfeld ermöglicht hat.
Ich gebe Dir Recht mit dem Wohlklang des Namens. ;-)
Liebe Grüsse an euch beide
Malou