Samstag, 19. Mai 2012

Interview mit Schriftsteller

date 9 May 2005 06:21
subject Re: Siehst du..

Liebe Malou
Es ist kaum zu glauben, dass diese Frei- und Feiertage schon vorbei sind. Es ist wie damals, als wir noch zur Schule gingen. Wir hatten uns so sehr auf die paar freien Tage gefreut, dass wir nicht daran glaubten, dass wir je zum Normalleben zurückkehren mussten. Wir genossen die freie Zeit, trödelten dahin, verschleuderten unsere wertvolle Lebenszeit an Nichtigkeiten, und plötzlich war wieder Montagmorgen und der Lehrer sass im alten Ernst vor uns und versuchte zu überzeugen, dass wir alle zur alten Arbeitshaltung zurückkehren sollten. Der Rektor hatte sogar oft den Spruch auf den Lippen: Es ist nichts schwerer zu ertragen als ein paar freie Tage. Und wie er damit recht hatte! Und wie es zutrifft!

Ich hatte mal ein Interview gesehen mit einem deutschsprachigen Schriftsteller. Wie hiess er bloss. Ich habe nie etwas von ihm gelesen. Aber er ist sehr populär. Auf jeden Fall ist er ein sehr hässlicher und neurotischer Mensch. Ich glaube, er kann sich mit Schreiben knapp über Wasser behalten. Ich meine damit, wenn er nicht die Regelmässigkeit des Schreibens hätte, würde er verkommen im Alkohol, im Suizid oder weiss Gott wo. Er hat damals im Interview, und in seiner bröckelnden und stotternden Sprache erzählt, wie er es schafft, solch dicke Bücher zu schreiben die von sovielen Leuten gekauft und - so muss man annehmen - oft auch gelesen werden. Und er hatte zwei Dinge erzählt, die mir sofort eingeleuchtet haben. Er hat gesagt, dass er jeden Tag von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr arbeite. Und dies jeden Tag, wohlgemerkt, auch an Sonntagen. Er dürfe keine Ausnahme machen, sonst würde er aus dem Tritt geraten und dann wäre nicht sicher, ob er den Roman zu Ende bringen könne. Erinnert das nicht an einen Seiltänzer, der nicht links und nicht rechts, vor allem nicht in die Tiefe sehen darf, der unablässig auf das Seil vor seinen Füssen starren muss und sonst nichts? Und die zweite Sache, die er erwähnt hat, hat mich ebenso überzeugt. Er hat gesagt, dass er abends, bevor er seinen Feierabend eröffne, einen halben Satz zu schreiben beginne. Dahinter steht die Einsicht, dass es morgens um 8 Uhr, um mit der Arbeit zu beginnen, am leichtesten sei, einen begonnenen Satz erstmals zu beenden, um dann weiterzuschreiben. Natürlich sind das ein bisschen kleinliche Tipps von einem armen und gequälten Menschen. Aber sie haben doch was an sich. Auf jeden Fall sollte man sie sich merken, wenn man in diesen Aspekten Probleme hat.

Ach, was kann ich dir erzählen von diesem langen Wochenende? Vielleicht von ...

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