Ämne: zum Zweiten ..
Datum: den 7 maj 2004 14:18
Liebe ...
Ich bin soeben von Basel zurückgekommen. War für ein paar Stunden an der Buchmesse. Ein Kollege hatte mir einige Billete geschenkt, na ja, ich hatte ihn darum gefragt. So hatte ich einen guten Grund, hinzugehen. Er war an seinem Stand und wollte gleich mit einer Flasche Weisswein auffahren. Doch ich bremste ihn auf einen gewöhnlichen Orangensaft zurück. Er ist neu in seinem Job, vielleicht ein halbes Jahr. Und ich hatte den Eindruck, dass er es schätzte, mit einem grauen Fuchs diskutieren zu können.
Ich habe mich natürlich auch bei anderen Verlagen umgeschaut. Einige der Bücher, die ich gesehen hatte, kannte ich, weil ich sie rezensiert hatte. Aber es gab auch viele andere. Und es gibt einige kleine Verlage, die mit Spezialitäten aufwarten, mit kleinen, aber homogenen Programmen.
In der Halle gab es eine Lesung ungarischer Schriftsteller. Sie wurden weitläufig und lobend vorgestellt, während sie links und rechts sassen wie Fremdsprachler, die nichts mitbekommen. Und dann lasen sie aus ihren Büchern, dh. aus deutschen Übersetzungen. Nur einer konnte das nicht und liess sich von einem Dolmetscher vertreten.
Doch der Verleger hat ausserordentlich gutes Deutsch gesprochen. Und er hat meinen Eindruck bestätigt, dass die Ungarn bessere Europäer sind als wir alten. Das merkt man schon aus Artikeln in der NZZ. Sie fühlen sich dem europäischen Erbe sehr zugehörig. Und letzthin hatte ich im Fernsehen eine Diskussion gesehen. Sie wurde von einem dieser hübschen Cafés in Budapest ausgestrahlt, welche die Ungarn damals von den Österreichern geerbt hatten. Und die drei Teilnehmer - ein Wirtschaftsfachmann, eine Germanistik-Professorin und der Leiter eines Europainstitutes - sprachen allesamt gutes Deutsch. Man hat den Eindruck, dass sie sehr unter dem Ostblock gelitten haben und nun überglücklich sind, heim zu Muttern zu kommen.
Aber dann, das muss ich zugeben, bin ich in dieser warmen europäischen Atmosphäre eingenickt. Es ist wundervoll, in einer grossen Menge von Leuten auf einem mehr oder weniger bequemen Stuhl behaglich einzuschlummern. Das ist fast so gut wie vor dem Fernsehen.
Jetzt muss ich wieder …
Schönes Wochenende wünsche ich Dir.
Alles wird gut!
MlGuK
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