Samstag, 5. Mai 2012

Suddenly..

 .



Ämne: Suddenly, I'm not half the one I used to be
Datum: den 5 maj 2004 21:01

Lieber ...,
Ich gebe dir ganz Recht in dem was du sagst über die jungen Leute, und ich sollte mich wohl nicht so stark engagieren. Aber der junge Kerl ist ein so lieber Mensch und einer von Annas wirklich guten Freunden. Es tut mir weh, ihn so traurig zu wissen.
Vielleicht ist es auch, weil ich selbst nicht in aller bester Stimmung bin, das mich Dinge um mich herum so stark berühren.
Ich denke an eine Strophe von Beatles:
"yesterday, life was such an easy game to play..." So voll von allen möglichen Erwartungen, Hoffnungen, Sehnsüchten und Plänen. Und jetzt?

Ach nein, ich sollte eigentlich nicht schreiben, wenn ich so gelaunt bin. Aber warum sollte ich dir ein falsches Bild von meinem Leben geben. Nicht falsches vielleicht, aber einseitiges. Doch ich weiss, nach Regen kommt Sonnenschein. Auch bei dir war es heute so.

Jetzt blüht der Pflaumenbaum. Ich verstehe warum Astrid Lindgren in ihrem Buch "Die Gebrüder Löwenherz" das Paradies mit blühenden Bäumen darstellt. Es ist so einmalig schön. Nach dem starken Regen gestern ist das Gras stark gewachsen und ich musste es heute wieder mähen. Das tue ich nicht ungern. Die Bewegung an der frischen Luft tut meinem Körper sicher gut.

Ich war bei G, wie versprochen. Gehe gern zu ihr, denn es gibt immer interessante Dinge über die wir uns unterhalten können. Wir kennen uns seit jungen Jahren, denn wir wurden ungefähr zur selben Zeit hier angestellt. Damals waren wir eine Clique von jungen Lehrern, die noch nicht von Familien gebunden waren und wir gingen fast täglich nach der Arbeit aus essen. Im Bahnhofsrestaurant, das heute ein wenig verändert ist. Aber sofort, wenn man es betritt fühlt man dieselbe Atmosphäre wie damals. Nun sind die meisten von den Leuten längst in alle Windesrichtungen verschwunden und einige leben nicht mehr. Nur ein paar sind noch da. Darunter auch diese G und wir haben viele schöne gemeinsame Erinnerungen. Auch wenn man nicht darüber spricht, weiss man dass es sie gibt und es verbindet einen irgendwie.
Ich glaube nicht, dass die jungen Lehrer heute so viel Freizeit haben wie wir damals. Unsere Arbeitsaufgaben sind um 30 - 50 % gestiegen. Damals unterrichtete man meist so 5-6 Klassen. Heute sind es 10 bis zwölf. Und dazu kommt noch das schlimmste. All die sinnlosen Aktivitäten daneben, die nur dazu da sind die politische Schulhierarki mit schön formuliertem Mist zu versehen. Ah, sorry!

Habe ich dir erzählt von dem Programm, das wir uns manchmal am Wochenende im Fernsehen angucken. Normal versuche ich immer solche Programme zu vermeiden aber dann entdeckte ich, dass dieses doch ein bisschen interessant und spannend ist."Alle gegen einen" heisst es und wie es sagt geht es um einen Fragesport, wo eine Person gegen 100 andere wettet. Doch das wollte ich dir eigentlich nicht so genau erzählen. Nur, dass man einmal die Frage stellte ob Winston Churchill Premiärminister in Frankreich, USA oder England war und 30 Personen haben falsch geantwortet. Stell dir das vor! Welch ein Bildungsniveau wir hier heutzutage haben. Und viele Leute sind älter und müssen sogar den zweiten Weltkrieg miterlebt haben. K sagt nur: Hoffentlich sieht niemand im Ausland dieses Programm. Deswegen schäme ich mich auch fast ein wenig, wenn ich dir hier davon erzähle. Sag's nicht weiter! Glaubst du, das könnte auch in der CH möglich sein?
*
Schweden hat heute Eishockey gegen Lettland gespielt. Zum Glück haben sie gewonnen und können somit weitergehen in die Halbfinale (heisst es so?)
Im Moment läuft ein Film, der in Paris spielt. Ich nehme ihn mir auf Video auf, weil er so wunderbare Ansichten von Paris zeigt (habe ich in der Vorhandsreklame gesehen).

Ich frage mich, was du so gedacht hast, wenn du mit der Schwedin zu Tisch gesessen hast. Bist du nicht in Versuchung gekommen Dinge zu fragen oder zu sagen, die Aufsehen erregt hätten? Habt ihr etwas besonderes gefeiert? Einen Geburtstag oder so?

Ich merke, dass du eine hektische Woche vor dir hast. Lass mich nicht deine Zeit rauben. Ein kleines Lebenszeichen genügt, bis du wieder mehr Zeit hast.

Ich muss noch etwas für morgen vorbereiten. Und dann werde ich früh zu Bett gehen.
So grüsse ich dich lieb und wünsche dir einen schönen sonnigen Tag.
S+K,
Malou

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