Donnerstag, 3. Mai 2012

Definitiv Mai

 .

 ‚Die Windsbraut’ von Kokoschka
Ämne: definitiv Mai

Liebe Malou
Heute habe ich etwas Probleme mit der Arbeit. Also versuche ich, mit einem Mail Anlauf zu nehmen. Manchmal funktioniert das, manchmal auch gar wieder nicht. Die Rezensionen sind ähnliche Treiber. Wenn es gut läuft, bringen sie mich ein wenig in Arbeitseifer. Aber er ist nicht mehr wie früher. Ich weiss nicht, woran das liegt. Früher konnte ich immer noch abends bis spät in die Nacht hinein arbeiten. Das ging immer bestens, weil dann rundum Ruhe herrschte. Aber heute bin ich zu müde dafür. Es ist eigentlich schade.

Über Mittag war im in Basel. Es gab eine kleine Führung im Kunstmuseum. Aber sie war nicht so besonders. nach einer Vierstelstunde fing ich bloss noch an zu gähnen. Es war nicht ausserordentlich, was der Typ dort erzählt hat. Er hat das Bild ‚Die Windsbraut’ von Kokoschka behandelt. Aber er hat vor allem Bezüge gemacht zur altdeutschen Malerei (war offensichtlich eine Absicht Kokoschkas, so zu malen) und zu Alma Mahler, in die er unsterblich verliebt war. Eigentlich sollte er von ihr ein Porträt malen, und dann ist es passiert. Der arme Kerl muss ziemlich gelitten haben.

Aber dafür habe ich ein gutes Jugendbuch gelesen, das mich sehr gepackt hat. Ist übrigens von einem Norweger geschrieben. Er heisst Björn Sortland, und ich behaupte mal, er ist ein überdurchschnittlich guter Schreiber. Mindestens in diesem einen Buch, das ich jetzt kenne. Aber wie er die Sache anpackt, muss ich annehmen, dass er weitere gute Bücher schreiben wird.

Im Buch landet die 13 jährige Therese übrigens mit ihrem geheimen Geliebten in Rom. Na ja, die behinderte Schwester ich auch dabei. Aber immerhin Rom, das ist kein schlechtes Happy End für einen Jugendroman. Ein bisschen überzogen vielleicht. Aber im Roman geht das. Im real Leben wäre es vielleicht eine Idee zu verwegen?

Die Figur schreibt nämlich alles auf, was sie vor dem Weltuntergang noch machen muss. Dazu gehört, einen lieben Kerl zu küssen und einen schönen Ort zu besuchen. Und natürlich ein grosses Kunstwerk anzuschauen. Na ja, man kann die Geschichte nicht nacherzählen. Sie würde etwas fade klingen. Salz und Pfeffer liegen darin, wie er die Geschichte erzählt. Und das eben ist die Kunst.

Im Moment ist das Wetter leicht trüb. Die Tische im Cafè sind zwar mit Tischtüchern bedeckt. Aber ich glaube nicht, dass heute dort Leute sitzen. Du weißt ja jetzt, wie wenig ich sehe und wie viel ich auf meine lebhafte Fantasie angewiesen bin. Alles, was ich im Cafè sehe, das sehe in diesem grünen Blätter Paravent, der vorne dran steht. Vielleicht ist auch besser so, damit ich nicht zu sehr von Betrieb dort abgelenkt werde.

Jetzt versuche ich es mit Arbeit.
Ich wünsche Dir einen guten Tag.
MlGuK
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